22.06.2018 - 09:40 Uhr
Oberpfalz

Der Tod ist eine Frau

Ein oberbayerisches Erfolgsstück im oberpfälzer Dialekt, inszeniert von einer Iranerin, kennzeichnen den Festspielsommer in Bärnau. Ab 6. Juli besucht dort vier mal die Boinlkramerin den Brandner Kaspar.

Hermann Fischer und Maria Freundl spielen die Hauptrollen.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

(tr) Bühnennebel wabert im ehemaligen Klostergarten über die Bretter, die angeblich die Welt bedeuten. Darin taucht schemenhaft eine dunkle Gestalt auf. Eine, die nichts Gutes verheißt. Schwarz gekleidet ist sie mit breitkrempigem Hut, den sie tief ins Gesicht gezogen hat. Drinnen in der Stube sitzt der Brandner Kaspar auf einem Stuhl neben dem Küchentisch, müde von der Feier seines 72. Geburtstages.

Schnaps und Grasober

Es fröstelt ihn, als er dem Dunkelmann die Tür öffnet und bald sitzt er dem Boinlkramer direkt gegenüber. Er ist mit dem Ziel angereist, den Brandner aus dem irdischen ins ewige, himmlische Leben zu befördern. Aber dann kommt alles ganz anders: Schnaps, genauer gesagt Kirschgeist und der Grasober aus einem Kartenstapel spielen dabei große Rollen ... Fast jeder kennt die Geschichte vom Brandner Kaspar und dem ewigen Leben von Franz von Kobell. Trotzdem ist sie, wie der Tod selbst, zeitlos und immer wieder schön anzuschauen. Für die Bärnauer Freiluftbühne setzt die deutsch-iranische Regisseurin Caroline Ghanipour sie in Szene, und selbstverständlich geht der Stoff im feinsten Oberpfälzer Dialekt über die Bühne.

Boinlkramerin

Das Auffälligste daran ist, dass der Boinlkramer eine Boinlkramerin ist, nämlich Maria Freundl. Schon bei den ersten Proben, die seit etwa Mitte Mai laufen, wird deutlich: Die Figur ist ihr praktisch auf den Leib geschrieben. Mimik und Gestik passen, wenn sie mit dem Brandner um weitere 18 Jahre auf Erden feilscht. Den verkörpert Hermann Fischer und der steht seiner Schauspielerkollegin in keinster Weise nach. Für Caroline Ghanipour sei es klar gewesen, dass diese beiden Akteure die Hauptrollen sind, als sie erste Videos von früheren Aufführungen angesehen hatte. "Die Charaktere zu besetzen war genauso einfach wie zeitintensiv, wie immer, wenn das Ensemble größer ist", sagt Ghanipour. In diesem Fall komme noch dazu, dass fast alle Schauspieler berufstätig oder Schüler sind und noch diverse (Frei-)Zeitmodelle berücksichtigt werden müssten. "Aber als ein Mensch, der intuitiv entscheidet fahre ich damit meist gut - wie auch in diesem Fall."

Wie das für sie sei, als gebürtige Iranerin ein oberbayerisches Stück im Oberpfälzer Dialekt zu inszenieren, wollten wir von ihr wissen: "Der Oberpfälzer Dialekt hat es wirklich in sich - manchmal sitze ich auf der Probe und komme mir vor, als würde ich in einer anderen Sprache inszenieren", sagt Ghanipour. "Langsam höre ich mich aber ein und die Kollegen sind auch so lieb und versuchen, deutlich und hochdeutsch mit mir zu sprechen, wenn ich sie nur groß anschaue und nicht mal gemerkt habe, dass ich angesprochen wurde." Bei der Geburtstagsfeier des Brandner Kaspars tanzen die Akteure ausgelassen zum Stevie-Wonder-Hit "Happy Birthday". Da drängt sich die Frage an die Regisseurin auf, ob sie eine eher moderne Bühnenversion des Klassikers anstrebt.

"Ich versuche immer, Dinge die im Stück sowieso drinnen sind, zu verdeutlichen, beziehungsweise zu vergrößern, ohne die eigentliche Situation zu verändern. Dadurch kommt zum Beispiel mal ein Lied dazu, das eigentlich nicht drin steht, aber dem Moment gut tut und den Figuren mehr Raum gibt. Ich habe aber ehrlich gesagt nie das Ziel, modern zu sein - für mich ist das eine ganz normale Herangehensweise an ein (klassisches) Stück und ich habe bisher noch nie die Erfahrung gemacht, das Publikum damit zu verschrecken. Im Gegenteil, meistens wird es dadurch emotional eher berührt und mitgenommen."

Äußerst zufrieden

Mit ihrer Truppe ist die Regisseurin äußerst zufrieden. "Es ist toll zu sehen, wie sehr sich alle, sowohl auf als auch hinter der Bühne, für das große Ganze einsetzen und sich auch auf das eine oder andere Wagnis in dieser Inszenierung einlassen. Das zeugt von Vertrauen, was man als Regisseurin auch braucht, um ein gutes Ergebnis erzielen zu können. Eine tolle Truppe, die einem gut ans Herz wachsen kann." Ist Bärnau auch Neuland für sie, die Oberpfalz selbst ist es nicht. Ghanipour war drei Jahre am Theater Regensburg engagiert und hat auch die "Rocky Horror Show" am Landestheater Oberpfalz in Vohenstrauß inszeniert.

Herzliche Menschen

Auf die Frage was ihr an Bärnau gefällt, oder auch nicht, sagt sie: "Mir gefallen hier die herzlichen Menschen, das idyllische Stadtbild und ganz besonders natürlich die zauberhafte Freilichtbühne - sie ist wirklich ein Juwel im Herzen der Stadt. Was mir nicht gefällt ist der Böhmische Wind. Aber auch an den gewöhnt man sich - ich hoffe nur, dass er sich bei unseren Vorstellungen etwas zurück hält."

Info:

Premiere des Stücks "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" von Franz von Kobel ist am Freitag, 6. Juli, um 20 Uhr. Weitere Aufführungen sind am Samstag, 7. Juli, Freitag, 13. Juli, Samstag, 14. Juli, jeweils 20 Uhr, Einlass ist ab 19 Uhr. Eintritt für Erwachsene 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Karten gibt es bei der Tourist-Info in Bärnau und im Internet. (tr)

Bei der Inszenieruung des Brandner Kaspars sind bis auf wenige Ausnahmen, alle 25 aktiven Bärnauer Schauspieler auf der Bühne zu sehen.
459 überdachte Sitzplätze bietet die Freilichtbühne in Bärnau.
Auch für die Boinlkramerin kann Kirschgeist "tödlich" sein.
Maria Freundl, Caroline Ghanipour und Hermann Fischer (von links).
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