15.02.2019 - 15:54 Uhr
TrabitzOberpfalz

Dienst für die Allgemeinheit

Der langjährige "Grenzhüter" und Obmann der Feldgeschworenen zieht sich von seinem Amt zurück und erhält viel Lob vom Gemeinderat. Sein Platz bleibt nicht leer. Nachfolger sind bereits gefunden.

Feldgeschworener Anton Hey (rechts) scheidet aus. Josef Stangl und Konrad Eichermüller (Zweiter und Vierter von rechts) folgen. Neuer Obmann Franz Schreglmann (Dritter von rechts). Von links: „Grenzhüter“ Gerhard Wiesent, Bürgermeisterin Carmen Pepiuk, Vizeobmann Herbert Dumler.
von Bernhard PiegsaProfil

"Wer den Grenzstein verrückt, findet keine Ruhe im Grab", pflegte der Volksmund einst zu warnen. Auch heute tut der Staat das Manipulieren von Grenzmarken keineswegs als Bagatelle ab. "Ihr leistet einen wichtigen und verantwortungsvollen Dienst für die Allgemeinheit", bekräftigte Bürgermeisterin Carmen Pepiuk bei der Verabschiedung von Anton Hey aus dem Amt des Feldgeschworenen.

Von Juli 1978 bis Juli 2018 hatte Hey dieses Ehrenamt ausgeübt. Über lange Zeit war er Obmann der Feldgeschworenen in der Gemeinde Trabitz. "Die Gemeinde konnte immer auf dich zählen, und auch das Landratsamt hat dir für deinen 40-jährigen gewissenhaften Dienst gedankt", hielt Pepiuk Rückschau. Erfreulich sei, dass Anton Heys Platz nicht leer bleibe, sondern mit Konrad Eichermüller und Josef Stangl zwei neue Feldgeschworene nachrücken. Sie legten in der Februarsitzung des Gemeinderats den Amtseid ab, der auch die Pflicht zur "Wahrung des Siebenergeheimnisses" einschließt. Zu ihrem neuen Sprecher wählten die "Grenzhüter" ihren bisherigen zweiten Obmann Franz Schreglmann, sein Stellvertreter ist Herbert Dumler.

Pepiuk wies zudem darauf hin, dass die Gemeinde bis 1. März Bewerbungen für die Pachtung des Gruber Dorfweihers entgegennimmt. Des Weiteren erklärte der Gemeinderat das gemeindliche Einvernehmen für einen Bauantrag für ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung in Hub sowie für den geänderten Bauantrag für eine Garage in der Siedlung Kurbersdorf.

Info:

Ältestes kommunales Ehrenamt

Die Feldgeschworenen wirken beim Anbringen, Versetzen, Erneuern und Entfernen von Grenzzeichen mit. Dabei handelt es sich um eine bis ins 13. Jahrhundert zurückreichende Tradition, auf die der Staat auch im Zeitalter von digitalen Flurkarten, Luftbild- und Satelliten-Geodäsie nicht verzichten will: Denn wer in dieses bis heute mit einem Hauch des „Geheimnisvollen“ behaftete älteste kommunale Ehrenamt Bayerns berufen wurde, kennt in „seinen“ Fluren fast jeden Fleck.

Dieses Wissen über die örtlichen Verhältnisse trägt wesentlich zum Rechtsfrieden in den Gemeinden bei, zumal die Missachtung, Versetzung oder Entfernung eines Grenzsteins kein Kavaliersdelikt, sondern ein Straftatbestand ist.

Für die Feldgeschworenen ist auch die Bezeichnung „Siebener“ üblich. Sie rührt daher, dass einst in jeder Gemeinde ein siebenköpfiges Feldgeschworenenkollegium die Flurgrenzen überwachte.

Mit geheimen Zeichen und Markierungen, die unweit des Grenzsteins in einer bestimmten, nur den Feldgeschworenen bekannten Anordnung ausgelegt werden, wird ein Grenzpunkt genau gekennzeichnet. An Form und Lage der Zeichen erkennen die „Siebener“, ob der Stein versetzt wurde. Obwohl heute Vermessungsverfahren und Flurkartenwerke die exakte Wiederherstellung einer Grenzmarke gewährleisten, wird das „Siebenergeheimnis“ weiterhin bewahrt. (bjp)

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