30.07.2018 - 09:09 Uhr
TrabitzOberpfalz

Heiße Phase für Nahwärmeplanung

Die Pläne für „grüne Wärme“ gehen in die heiße Phase: Beim erneut gut besuchten dritten Nahwärme-Informationsabend im Sportheim gab Bürgermeisterin Carmen Pepiuk die „Anschlusszusage“-Bögen aus.

Mit spitzer Feder kalkuliert war die Entscheidung, den Betrieb des geplanten Trabitzer Nahwärmenetzes in die Hand der regionalen Energiegenossenschaft NEW zu übergeben. Peter Dzierza und Konrad Bauer vom Bürger-Arbeitskreis erläuterten die Gründe.
von Bernhard PiegsaProfil

(bjp) Diese können die Einwohner des Ortsteils Trabitz bis 30. Juli bei der Gemeinde abgeben, um verbindlich zu erklären, dass ihre Häuser an das Nahwärmenetz angeschlossen werden sollen, das den Ort mit Abwärme-Heizenergie aus dem Biomassekraftwerk Blankenmühle versorgen soll (wir berichteten).

Die regionale Energiegenossenschaft „Neue Energien West“ (NEW) werde den Betrieb des Netzes übernehmen, informierten die Bürgermeisterin sowie Konrad Bauer und Peter Dzierza vom Nahwärme-Bürgerarbeitskreis. Dies habe die Arbeitsgruppe nach eingehender Diskussion beschlossen. Dass eine eigene gemeindliche Betreibergenossenschaft auf Dauer profitabler sein würde, sei ungewiss und allenfalls zu erreichen, wenn sich auf lange Sicht ein „Stamm“ von acht bis zwölf ehrenamtlichen Verantwortungsträgern fände. Dies sei aber mehr als fraglich.

Nach derzeitiger Kalkulation fiele das Betriebsergebnis des Nahwärmenetzes sogar ungünstiger aus, wenn man eine örtliche Genossenschaft als Betreiberin gründete. Die NEW habe bereits ihr Einverständnis signalisiert, die Verantwortung für das Netz zu übernehmen, und angekündigt, dass sie einen „Kümmerer“ als Ansprechpartner für technische und organisatorische Angelegenheiten benennen werde. Die Verhandlungen mit der Bahn wegen zweier Rohrdurchleitungen unterhalb der Bahnstrecke habe die Gemeinde erfolgreich abgeschlossen, ließ Carmen Pepiuk wissen: „Der Gestattungsvertrag liegt vor.“

Auf die Anschlusskonditionen ging Projektberater Florian Schroll von dem mit der Netzplanung betrauten Hilpoltsteiner Unternehmen „Enerpipe“ nochmals ein. Bis zu 5000 Euro einmaliges Anschlussentgelt und 30 Euro Grundgebühr pro Monat seien zu erwarten: „Das sind Maximalwerte, die wir nicht überschreiten wollen, und sie enthalten schon die Mehrwertsteuer.“ Hinzu komme ein verbrauchsabhängiger Wärmepreis von vorerst sechs Cent je Kilowattstunde. Hier seien in der Zukunft Schwankungen möglich, prognostizierte der Referent.

Einmalentgelt und Grundgebühr deckten nicht nur den Hausanschluss ab, sondern auch den Haus-Pufferspeicher als Herzstück der Wärmeversorgung. Dieser verbleibe im Eigentum des Wärmenetzbetreibers, der auch für die Wartung verantwortlich sei, fasse in der Regel 1000 Liter und sei 2,10 Meter hoch. Auch ein 800-Liter-Speicher mit 1,84 Meter Höhe sei verfügbar. In den Entgelten nicht inbegriffen, sondern separat zu bezahlen seien lediglich die Verknüpfung des Pufferspeichers mit dem häuslichen Heizleitungsnetz und die Beseitigung von Grabungsspuren auf dem Grundstück: Diese Arbeiten lägen in der Verantwortung des Hauseigentümers.

Sollte im Einzelfall eine „konventionelle Übergabetechnik“ wirtschaftlicher als ein Pufferspeicher sein, könne auch sie montiert werden, gab Schroll zur Kenntnis: „Meist ist der Pufferspeicher effizienter, aber wir halten beide Optionen bereit.“ Besitze ein Hauseigner bereits einen Pufferspeicher, so könne dieser über eine Übergabestation mit dem Nahwärmenetz verbunden werden: „Dies wäre im Anschlussentgelt mit enthalten.“ Bei einer „Häuserschau“ an den fünf Septembersamstagen würden sich Fachleute die häuslichen Gegebenheiten bei den Anschlusswilligen ansehen, um technische Details zu planen.

Anschlusskosten nach fünf Jahren ausgeglichen:

Die Beträge für das Anschluss- und Monatsentgelt müsse man im Lichte eines Vergleichs mit den Kosten für die „konventionelle“ Beheizung betrachten, unterstrich Projektberater Florian Schroll beim dritten Nahwärme-Informationsabend. Am Beispiel eines „durchschnittlichen Einfamilienhauses“ errechnete er modellhaft, dass eine Kilowattstunde (kWh) Wärmeenergie bei einer Ölheizung 13,33 und bei einer Holzheizung 13,94 Cent, beim Energiebezug aus der Nahwärmeanlage hingegen 9,18 Cent koste.

Auf 25.500 kWh Jahres-Energieverbrauch umgerechnet, entspreche dies 3.350,70 (Öl), 3.554,70 (Holz) beziehungsweise 2.340,90 (Nahwärme) Euro. In diese „Vollkostenrechnungen“ flössen auch Abschreibungen, der ungünstigere Wirkungsgrad der konventionellen Anlagen, die für sie gesondert anfallenden Kaminkehrer-, Wartungs- und Reparaturkosten und nicht zuletzt Anschaffungskosten und Wertverlust der Öl- oder Holzheizungsanlagen ein. „Die Einmalzahlung hätte sich im Vergleich mit den konventionellen Heizungen nach etwa fünf Jahren amortisiert“, fasste Florian Schroll zusammen. (bjp)

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