22.03.2019 - 16:48 Uhr
TrabitzOberpfalz

Kein „eigener Herd“

Schweren Herzen votierten die Gemeinderäte dafür, den neuen Kindergarten nicht mit einer vollwertigen "Kochküche" auszustatten. Anfallende Betriebskosten von etwa 100 000 Euro, die die Gemeinde tragen müsste, sind dabei nur ein Grund.

Zwischen dem alten Kindergarten (rechts), der abgerissen wird, und der Hauptstraße wird die neue Kindertagesstätte entstehen. Eine voll ausgestattete Küche soll sie nicht erhalten: Vor allem rigide Hygienevorschriften, Kosten- und Personalfragen legen einen Essensbezug von Caterern nahe.
von Bernhard PiegsaProfil

Wie Bürgermeisterin Carmen Pepiuk erläuterte, wären bei einer Verköstigung der Kinder vom "eigenen Herd" strenge Lebensmittel-, Hygiene- sowie personalrechtliche Vorschriften zu beachten. Der logistische, technische und personelle Aufwand wäre beträchtlich. "Alles dies war bisher kein Thema, weil für die Küche im jetzigen kirchlichen Kindergarten weit weniger detaillierte Vorgaben aus früherer Zeit gelten, für die ein Bestandsschutz besteht. Aber in der neuen Kindertagesstätte sind auch die aktuellen Richtlinien einzuhalten", erläuterte Pepiuk.

Infolgedessen wäre es auch mit dem jetzt geltenden Preis von 2,50 Euro je Tag und Kind vorbei: "Jedes Essen würde gut neun Euro kosten. Für die meisten Familien dürfte das indiskutabel sein, die Konkurrenzfähigkeit des Trabitzer Kindergartens würde darunter leiden." Die Bürgermeisterin verwies darauf, dass die Kindergärten der Umgebung für ihre von externen Zulieferern bezogenen Mahlzeiten zwischen 2,80 und 3,50 Euro verlangten. Auch diese Speisen seien hochwertig und schmackhaft.

Darüber hinaus beanspruchten die für einen Vollküchenbetrieb benötigten Räume - neben der eigentlichen Küche auch die hygienerechtlich vorgeschriebene Personaldusche und -toilette, ein Kühlraum und eine Hygieneschleuse - etwa 50 bis 60 Quadratmeter Fläche. Für eine "Aufwärm- und Essensausgabeküche", wie sie beim Bezug von Speisen über Caterer ausreichen würde, genügten ungefähr 15 bis 20 Quadratmeter: "Der Flächenunterschied entspricht fast der Größe eines Gruppenraums."

Da aus Kostengründen die Gebäudefläche nicht beliebig erweitert werden könne, würde die "große Küche" somit den pädagogisch nutzbaren Raum verringern. Schließlich merkte Pepiuk an, dass die etwa 150 000 Euro Ausstattungskosten für eine "Vollküche" nicht staatlich gefördert würden und der künftige Kindergartenträger "Learning Campus" ihren Betrieb nicht übernehmen würde: "Hierfür wäre allein die Gemeinde zuständig."

Selbst die Regierung der Oberpfalz habe erklärt, dass sich eine "Vollküche" erst ab einer achtgruppigen Tagesstätte rentiere. Diese Größe erreiche der neue Kindergarten allerdings bei Weitem nicht: "Nach einer Empfehlung des Kreisjugendamts soll er mit Blick auf die Geburtenzahlen zwei Kindergartengruppen für insgesamt 50 und zwei Krippengruppen für 24 Kinder haben, damit der gesetzliche Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für jedes Kind unserer Gemeinde gewährleistet ist."

Info:

Abschied vom „Alleinstellungsmerkmal“

Mehrere Gemeinderatsmitglieder, namentlich Eva Mayrhofer-Dötsch und Barbara Heser, bedauerten, dass die neue Kindertagesstätte nicht mehr über die hauseigene Küche verfügen solle, die ein „Alleinstellungsmerkmal“ des jetzigen Kindergartens sei. Wenn die Kinder mitbekämen, wie ihr Essen zubereitet werde, hätte dies auch pädagogischen Wert, zumal „Learning Campus“ beabsichtige, einen Gemüsegarten beim Kindergarten anzulegen und die Kinder in dessen Pflege einzubinden.

Für die darüber hinaus benötigten Zutaten hätte es die Einrichtung in der Hand, nach Möglichkeit ökologisch wertvolle Waren regionaler Herkunft zu verwenden, die Betriebskosten ließen sich vielleicht durch Sponsoring verringern. Bürgermeisterin Carmen Pepiuk merkte jedoch an, dass die Kinder die Küche nicht betreten dürften und somit von der Speisenzubereitung kaum etwas mitbekämen, so dass die pädagogische Wirkung weitgehend verloren ginge.

Schließlich gab zweiter Bürgermeister Franz Groß zu bedenken, dass es schwierig sein werde, für die nur wenige Stunden pro Woche ausmachende Essenszubereitung einen qualifizierten Koch zu gewinnen. Der angeregte Meinungsaustausch schloss mit einem Votum von sieben zu drei Stimmen gegen eine „Vollküche“.

Info:

Nicht nur „Normgröße“

Zwei Kindergarten- und zwei Krippengruppen: Für diese Kapazität sehe das amtliche Raumprogramm für bayerische Kindertagesstätten eine „Hauptnutzungsfläche“ von 491 Quadratmetern vor, informierte Bürgermeisterin Carmen Pepiuk in der Gemeinderatssitzung. In dieser Zahl nicht inbegriffen sind Flure, Technik- und Lagerräume und der Eingangsbereich.

„Die in Aussicht gestellte Maximalfördersumme von zwei Millionen Euro bezieht sich auf diese Vorgabe“, fügte sie hinzu. Jede darüber hinausgehende Fläche gelte als nicht förderfähig. Dennoch, so Pepiuk, werde man sich keinesfalls auf die genannte „Raumprogrammfläche“ beschränken: „Unser alter Kindergarten hat für zwei Kindergartengruppen 481 Quadratmeter Gesamtfläche. Hinter diesem Standard soll das neue Gebäude nicht zurückbleiben.“Weil allerdings für jeden überbauten Quadratmeter Baukosten von 3000 Euro zu veranschlagen seien, müsse die Gemeinde Augenmaß bewahren: „Gemeinde, Träger und Architekt sind dabei, den bestmöglichen Kompromiss zwischen optimaler pädagogischer Betreuung und Finanzierbarkeit zu finden.“

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