30.12.2019 - 15:32 Uhr
TrabitzOberpfalz

Trabitzer Silvester-Knaller 1969: Zehn Babys in einer Nacht

An Silvester 1969 kann sich Resi Scharf aus Gänsmühle bei Trabitz noch gut erinnern. Die Krankenschwester hatte Dienst, als in dieser Nacht vor 50 Jahren gleich zehn Baby zur Welt kamen.

Resi Scharf (84) denkt gerne an die Zeit zurück, in der sie Krankenschwester im Kemnather Krankenhaus war. Besonders die Silvesternacht 1969 ist ihr im Gedächtnis geblieben, denn in dieser Nacht kamen gleich zehn Babys zur Welt.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Als Resi Scharf am 31. Dezember 1969 um 18 Uhr ihren Dienst im Kemnather Krankenhaus antrat, stellte sie sich auf eine ruhige Nacht ein. Die Kollegin, die sie ablöste, verabschiedete sich noch mit dem Worten: "Heut geht's schon." Die erfahrene Krankenschwester betreute zusammen mit einem Arzt die 100 Betten, die es damals in Kemnath gab. Doch an Ruhe war nicht zu denken.

Schon kurz nach Dienstantritt läutete es zum ersten Mal an der Tür. "Eine Hebamme mit einer Wöchnerin stand vor der Tür", erinnert sich die heute 84-Jährige. Kurze Zeit später klingte es schon wieder. Die nächste Schwangere bat um Einlass. Für Scharf war dies noch kein Problem. "Wir hatten immer ein Entbindungsbett frei, und auch im Erste-Klasse-Zimmer war noch Platz."

Babybettchen in Waschkörben

Kaum waren die Frauen untergebracht, läutete es schon wieder. Das nächste Baby kündigte sich an. "Und so ging es die ganze Nacht zu", blickt Resi Scharf zurück und schmunzelt. Die Krankenschwester musste improvisieren. Sie organisierte Betten und verteilte ihre Wöchnerinnen auf jeden nur erdenklichen Raum. In Vier-Bett-Zimmern brachte sie zwei Frauen zusätzlich unter. Eine lag im Bad, eine andere im Desinfektionszimmer. "Ich musste sogar auf den Dachboden gehen, um weitere Betten heranzuschaffen." Auch bei den Schlafgelegenheiten für die Neugeborenen wurde es eng. Scharf holte Körbe aus der Waschküche und funktionierte sie zu Babybettchen um. "Ich habe Bretter auf die Badewanne gelegt und die Körbchen dort draufgestellt."

"Bloß g'rennt"

Zeit zum Durchschnaufen gab es in dieser Nacht nicht. "Ich bin bloß g'rennt", sagt Scharf. Denn zwischendrin schaute sie nach anderen Patienten oder ließ die Polizei herein, die Leute zur Blutalkoholkontrolle brachte. "Außerdem musste ich nach jeder Entbindung das Zimmer wischen", erzählt sie.

Zehn Babys in einer Nacht hat es in Kemnath danach nicht mehr gegeben. "Es war ja doch ein kleines Krankenhaus." Da auch an den Tagen vor Silvester schon viele Kinder auf die Welt gekommen waren, beherbergte Kemnath am Neujahrsmorgen 39 Mütter mit ihren Babys. Als in der Früh die Ablösung kam und fragte, wie es gewesen sei, habe die erschöpfte Schwester nur geantwortet: "Ganz gut."

Auch viele Jahre später denkt die ehemalige Krankenschwester immer noch an diese Nacht zurück. Was aus den Neugeborenen von damals geworden ist, weiß sie nicht. "Sie dürfen heuer alle ihren 50. Geburtstag feiern", sagt sie.

In Weiden gelernt

Resi Scharf war Krankenschwester mit Leib und Seele. Als Kind hatte sie Gelenkrheuma und musste immer wieder mal ins Krankenhaus. Schon damals wusste sie: "Da will ich einmal arbeiten." Von 1957 bis 1960 absolvierte sie eine Ausbildung an der Krankenpflegeschule in Weiden. "Wir waren die ersten, die drei Jahre lernen mussten", erinnert sie sich. Dann wechselte sie nach Kemnath, wo sie 20 Jahre auf der Station und dann 20 Jahre im OP arbeitete. 1995 ging sie in Ruhestand. "Mein ehemaliger Chef, Dr. Gerhard Bittner, hat vor kurzem 80. Geburtstag gefeiert", weiß sie.

All die Jahre über hat Resi Scharf in einem Ordner sämtliche Zeitungsberichte über das Krankenhaus in Kemnath gesammelt. Immer wieder blättert sie darin. Bereut hat sie den Schritt, Krankenschwester zu werden, niemals. Sie ist überzeugt: "Ich würde es wieder so machen."

Die heute 84-jährige Resi Scharf als junge Krankenschwester (vorne, rechts).
Die heute 84-jährige Resi Scharf als junge Krankenschwester.
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