18.09.2018 - 10:23 Uhr
TrabitzOberpfalz

Vier Generationen graben Erdäpfel

"Erdäpflgrom" auf dem Bahnwärteracker: Mit ihrem Kartoffelfest locken die Zessauer Bulldogfreunde seit vielen Jahren alte und junge Freunde historischer Landmaschinen an.

Für die Reiferen eine Jugenderinnerung, für die Jüngeren eine Attraktion aus vergangener Zeit: Der gut gepflegte Samro-Kartoffelvollernter der Zessauer Bulldogfreunde von 1952 leistet noch immer gute Dienste. Zuvor hatte Hans Prösl mit seinem pflugscharbewehrten "Allgaier" von 1949 den Boden aufgebrochen. Bild: bjp
von Bernhard PiegsaProfil

Seit vielen Jahren zählt das Kartoffelfest zu den Höhepunkten im Vereinsjahr der Bulldogfreunde Zessau. Und auch heuer ließen sich am Sonntag wieder zahlreiche Feinschmecker, Schau- und Feierlustige aus Zessau, Weihersberg und etlichen weiteren Orten auf Stefan Schwitallas „Vereinsacker“ bei Gänsmühle sehen, um den Agrar-Oldies beim Einsatz zuzusehen, selbst beim „Erdäpflgrom“ Hand anzulegen und sich das bunt gemischte Schmankerl-Angebot munden zu lassen.

„Wie freuen uns vor allem, wenn auch Kinder zu unserem Fest kommen und von den Eltern ermuntert werden, beim Ernten mitzumachen“, erzählte Eduard Strehl, der zum „harten Kern“ der vor zwölf Jahren gegründeten „bunten Truppe“ gehört: „So lernen sie, woher die Kartoffeln kommen und dass mit dem Anbau auch Arbeit verbunden ist.“ Der Wertschätzung für dieses Lebensmittel sei dies nur förderlich. Dass bei den Bulldogfreunden Jung und Alt zusammenhielten, gelte freilich nicht nur für das Kartoffelfest: „Vier Generationen machen bei uns mit – der Reiz der alten Maschinen wirkt auch auf die Kindern ‚ansteckend‘.“

Zwar sei die Gruppe in den vergangenen Jahren etwas geschrumpft, was vor allem familiäre und berufliche Gründe gehabt habe, bedauerte Strehl: „Aber unsere ‚20 Hartgesottenen‘ sind nach wie vor eifrig bei der Sache und pflegen eine gute Gemeinschaft untereinander und mit anderen Gruppen.“ Vor allem die alljährliche Urlaubsfahrt mit Schleppern und Wohnanhängern wolle möglichst niemand missen: „Heuer im August waren wir für eine Woche in Tiefenbach im Oberpfälzer Wald.“

Dass die Landmaschinen-Liebhaber nicht nur das Lenken, Schrauben und Ölen souverän beherrschen, bewies die Kartoffelfest-„Speisekarte“: Unter Kochlöffelführung von Hans Prösl und Eduard Strehl wurden Blut- und Leberwürste mit Kraut, „Schwammerbröih“, Semmelknödel, Dotsch und Apfelmus serviert, und für den Nachmittag erwartete ein Buffet mit nicht weniger als 22 verschiedenen hausgebackenen Kuchen die zahlreichen Gäste.

Info:

Trabitz. (bjp) Von der Geschichte des Bulldogfreunde-Schlupfwinkels zwischen Bahn und Haidenaab weiß Stefan Schwitalla, dem die gemütlich-verwunschene Parzelle gehört, manches zu erzählen: „Hier hat früher einmal ein Bahnwärterhaus gestanden, und aus dem Acker, auf dem wir jetzt unsere Kartoffeln anbauen, hat sich der Bahnwärter, der regelmäßig ein Stück der Bahnstrecke begehen musste, selbst versorgt.“

Nach einer „Ruhepause“ für den Ackerboden hätten die Bulldogfreunde im vergangenen Jahr ausnahmsweise Getreide angebaut und ihr Fest als Dreschfest organisiert: „Hierfür haben wir eine fast 70 Jahre alte Mengele-Kastendreschmaschine aus ihrem Unterstand hervorgeholt.“ Im kleineren Kreis habe die Gruppe heuer schon seit Freitagabend „vorgefeiert“ und die Nächte in den Wohnanhängern zugebracht. In der Nacht auf Sonntag habe sich sogar unerwarteter Besuch eingestellt: „Ein junger Fuchs hat sich dafür interessiert, was diese merkwürdigen ‚Nachtschwärmer‘ da treiben.“

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