Eschenbach
In großer Erwartung befinden sich die örtlichen Floriansjünger. In einer Woche, vom 1. bis 3. Juni, begeht die Freiwillige Feuerwehr ihr 150. Gründungsfest. In nicht minder großer und froher Erwartung waren sie vor 25 Jahren. Am Sonntag, dem 20. Juni 1993, dem Höhepunkt der 125-Jahr-Feier, sollte ihre im Jahr 1900 geweihte Fahne nach langer Abwesenheit wieder gezeigt und geweiht werden.
Was war vorgefallen? Nach dem Einmarsch der Amerikaner in den letzten Tages des II. Weltkrieges war sie als Beutestück und Soldatensouvenir aus dem Rathaus mitgenommen worden und hatte eine Fahrt nach Thüringen angetreten. Dort sicherte sie sich im wahrsten Sinn des Wortes in kameradschaftlicher Verbundenheit ein junger HJ-Feuerwehrmann. Er tauschte sie gegen ein Sortiment vermutlich wesentlich interessanter erscheinender Kriegsorden ein und hielt sie seitdem an stets wechselnden Orten versteckt. Er wollte verhindern, dass sie den Behörden in die Hände fallen.
Nach dem Mauerfall hatte Karl-Heinz Gebhardt nichts mehr zu befürchten. Er nahm Verbindung mit der Eschenbacher Feuerwehr auf, die sie am 8. April 1990 in die Rußweiherstadt zurückholte. Trotz des beklagenswerten Zustandes der Fahne, ließ sie die Wehr von einer Fahnenstickermeisterin begutachten. Die Bestandsaufnahme ergab, dass die Fahne sehr wertvoll ist und heute mit ihren Goldstickereien und aufwendigen Sticktechniken nicht mehr herzustellen wäre. Die Restaurierung der Fahne wurde beschlossen.
Als sich am 20. Juni 1993 ein etwa einen Kilometer langer Festzug mit 31 Feuerwehren, Festdamen, zwölf örtlichen Vereinen, zwei Blaskapellen, einem Spielmannszug und zahlreichen Ehrengästen von der Jahnstraße über Karls- und Marienplatz und Pressather Straße zum Festplatz im Gewerbegebiet Am Stadtwald bewegte, führten ihn die Eheleute Gebhardt aus Saalfeld als Ehrengäste in einer Pferdekutsche an. Vor Beginn der erneuten Weihe der damals 93 Jahre alten Fahne bezeichnete Pfarrer Andreas Uschold das Banner als ein „Zeichen, hinter dem sich die Mannschaft sammelt“ und das Kreuz als Zeichen der Gottes- und Nächstenliebe. Nach der Segnunsgzeremonie sprach Martina Koller die Worte: „Als Fahnenbraut beim Gründungsfest, wünsch‘ ich euch heut‘ das allerbest‘. Dass eure Fahn‘ von langer Dauer, euch stets begleit in Freud und Trauer. Zur Erinnerung, zum Dank, als Zier, nehmt jetzt das Fahnenband von mir. Dem Verein und der Fahn‘ ein langes Leb’n, das mag der Herrgott im Himmel geb’n.“ Weitere Erinnerungsbänder hefteten die Feuerwehren Auerbach und Speinshart an die Traditionsfahne.
Bei den Ansprachen im Festzelt würdigte Bürgermeister und Schirmherr Robert Dotzauer die Courage von Karl-Heinz Gebhardt und übergab ihm unter tosenden Applaus der regionalen Feuerwehrmacht den großen Ehrenteller der Stadt Eschenbach. Stadtverbandsvorsitzender Vinzenz Dachauer sah in der restaurierten Fahne das „Glanzstück des gelungenen Festes“.
Bild: rn













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