08.04.2020 - 19:16 Uhr
Trevesen bei PullenreuthOberpfalz

Pfarrer predigt im Netz

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Aktionen. Danach hat nun die Pfarrgemeinde Pullenreuth gehandelt.

Mesner Helmut Wopperer und Mariele Kuchenreuther hatten Palmzweige für die Gläubigen gebastelt.
von Autor TWGProfil
Pfarrer Josef Waleszczuk feierte den Palmsonntag in der Filialkirche Trevesen. Bei Lesen der Leidensgeschichte unterstützten ihn Alexander Hörl (links) und Johannes Bamberger (rechts).

Da zur Zeit die Gottesdienste unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefeiert werden müssen, hat sich die Pfarrei Pullenreuth etwas ausgedacht, um allen Gläubigen zu ermöglichen, an den Osterfeierlichkeiten teilzunehmen.

Am Palmsonntag, dem sechsten und letzten Sonntag der Fastenzeit, an dem die Christen den Einzug Jesus in Jerusalem gedenken, wurde in der Filialkirche Sankt Wendelin in Trevesen, ein feierlicher Gottesdienst begangen. Hobbyfotograf Helmut Greger, der auch für die Internetseite der Pfarrei verantwortlich ist und diese immer mit aktuellen Fotos bereichert, filmte ihn mit der Kamera und stellte den Beitrag mit Pfarrer Josef Waleszczuk, den Lektoren und Kommunionhelfern Johannes Bamberger und Alexander Hörl, Mesner Helmut Wopperer und Organistin Martina Nickl auf die Homepage.

Zu Beginn des Gottesdienstes zeigte sich Pfarrer Josef Waleszczuk betroffen, dass die Heilige Woche unter diesen Umständen gefeiert werden müsse. Er betete für alle, "die nicht dabei sein können", für diejenigen, die traurig, verängstigt und verunsichert sind. Er dachte an die älteren Menschen und die Kinder, die auch nicht wissen, ob ihre Erstkommunion stattfinden wird. Der Geistliche segnete die Palmbuschen, die Gläubige auf den Seitenaltären hinterlegt hatten. Mesner Helmut Wopperer und Mariele Kuchenreuther, Vorsitzende des Frauenbunds Trevesen, hatte kleine, grüne Zweige für die Allgemeinheit gebastelt. Johannes Bamberger, Alexander Hörl und Pfarrer Josef Waleszczuk lasen zusammen die Leidensgeschichte Jesus Christus und hielten auch dabei den gesetzlich vorgeschriebenen Abstand.

In seiner Predigt ging der Pfarrer auf die momentan schwere Zeit ein, da man die Messe nicht persönlich mitfeiern kann, sondern eben nur virtuell. Er erinnerte an die Leidensgeschichte Jesus Christus, in der es auch um Macht- und Kampfspiele geht, die letztendlich zum Todesurteil führten. "Angst ist kein guter Berater", so der Geistliche. Auch in der momentanen Situation geraten viele in Panik, werden aggressiv, Streitigkeiten häufen sich. Man müsse Ruhe und Geduld bewahren, an die Familie, die Großeltern und Eltern denken. Man könne in der Bibel lesen und beten. "An Gott glauben, der alles zum Guten führt", mahnte Pfarrer Waleszczuk. Er sprach von einer Verlängerung der Bußzeit, dies gebe den Gläubigen die Gelegenheit, sich auf das Wesentliche zu besinnen.

Zum Schluss bat der Pfarrer die Christen, "in Verbindung zu bleiben" und "füreinander zu beten". "Alles könnte noch viel schlimmer sein, wenn wir zum Beispiel keinen Strom mehr hätten." Es ist geplant, die Karfreitagsliturgie um 15 Uhr in der Klausenkirche Pullenreuth ebenfalls zu filmen und ins Internet zu stellen www.pfarrei-pullenreuth.de

Info:

Am Karfreitag, anno domini 2020 feiert die Pfarreiengemeinschaft Neusorg-Pullenreuth aufgrund der neuen Seuche und Krisensituation die Liturgie nicht wie gewohnt in der Pfarrkirche, sondern in der Heilig-Kreuz-Kirche in Dechantsees, genannt Klausenkirche. In der Klausenkirche feiern die Gläubigen bereits seit dreihundert Jahren ihr Patrozinium am Sonntag der Kreuzerhöhung im September. Nun soll zum ersten Mal zusätzlich zum Patrozinium die Liturgie des Kreuzes in der Karwoche -am Karfreitag- nicht wie üblich in einer der Pfarrkirchen, sondern in der kleinen Wallfahrtskirche gefeiert werden.

Dies hängt auch damit zusammen, dass das sogenannte Caravaca-Kreuz auf dem Dach und die mehr als 300 Jahre alte sanierte Linde in der Nähe des Eingangs von der geschichtsträchtigen Vergangenheit der Heilig-Kreuz-Kirche künden. Die Wallfahrtskirche feiert im Jahr 2020 nicht nur ihr 300-jähriges Bestehen, sondern sie eignet sich auch dank einem besonderen Kreuz mit einem doppeltem Querbalken - dem Caravaca-Kreuz, umso mehr für das Gebet der Gläubigen in der Zeit der Pandemie, wie wir sie jetzt erleben müssen.

Seuchen haben für die Menschen in den letzten 2000 Jahren zum Leben dazugehört, sie waren etwas Alltägliches. Kaum eine andere Katastrophe prägte die gesellschaftliche Vorstellung von Machtlosigkeit und Unglück so sehr wie die Heimsuchung durch die als Pest bezeichneten Seuchen. Die Große Pest von 1708 bis 1714 wütete in Siebenbürgen, Polen, Litauen, Ostpreußen, Kurland, Livland, Estland, Russland, Finnland, Schweden, Dänemark, Ungarn, Böhmen und Mähren, Österreich und auch in Bayern, insbesondere in der Oberpfalz; in diesen sieben Jahren kamen insgesamt mehr als eine Million Europäer ums Leben.

Auf diese Erfahrungen blickt also unsere Klausenkirche mit dem Caravaca-Kreuz zurück, das über die Gegend herrscht und uns allen Schutz schenken soll.

Caravacakreuze sind Nachbildungen einer Reliquie, die einen Partikel des Kreuzes Christi beinhaltet, dass in der Basilika über der Stadt Caravaca in Spanien aufbewahrt wird. Der Ursprung der Wallfahrt nach Caravaca geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Das Heiligtum von Caravaca wurde als Wetterkreuz verehrt und im 16. Jahrhundert mehren sich die Wunderberichte darüber. Neben der Wirkung gegen Unwetter, Hagel, Luft, Feuer werden noch Krankheiten wie Pest, Schutz von den Anfechtungen des Bösen besonders berichtet. Auf dem Kreuz befindet sich der sogenannte Benedictus Segen: "Das heilige Kreuz sei mein Licht", und der Zachariassegen, zur Abwehr von Krankheit und Gefahr.

Nun nachdem wir in unseren Wohnungen verbleiben müssen und nicht zur Kirche gehen können, laden wir alle ein die Karfreitags-Liturgie mit unserer Pfarreien-Gemeinschaft mitzubeten. Dies geht ganz einfach über die Onlineverbindung auf unserer homepage: www.pfarrei-pullenreuth.de.

Im Gebet verbunden, Ihr Pfarrer Josef Waleszczuk.

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