07.02.2020 - 13:52 Uhr
Tröbes bei MoosbachOberpfalz

Gäste aus Bayern schon Freunde

Drei Frauen besuchen den aus Tröbes stammenden Pater Ferdinand im Kongo. Eine davon berichtet nun über die aktuelle Situation dort.

Die Einheimischen begrüßen Gaby Hagn, Hanne Fleischmann und Waltraud Burger (von links) aus Bayern mit Blumen.
von Peter GarreissProfil

Bei der zweiten Kongoreise der „Missionsbrücke Moosbach – Ndendule, D.R. Kongo“ waren Entwicklungshelferin Waltraud Burger aus Oberbibrach, Hanne Fleischmann vom Missionsärztlichen Dienst in Würzburg und Gaby Hagn aus Tröbes fünf Wochen bei Pater Ferdinand und halfen ihm, wo Not am Mann war. Hagn berichtete im Gasthaus Bodensteiner, dass es große Fortschritte gebe. Jedoch leide die weitere Entwicklung in Ndendule an den schlimmen Straßenverhältnissen. Metertief und voller Morast sind die Unebenheiten. Ein Warenaustausch auf der Straße ist nicht möglich.

Ihr Aufenthalt beschränkte sich deshalb nur auf die Hauptorte Ndendule und Amadi. „Und trotzdem war es eine sehr abwechslungsreiche Zeit, die gefüllt war mit vielen Erlebnissen“, verriet Hagn. Schon beim Empfang bei der Ankunft mit dem Flugzeug waren alle Bewohner dabei. Die drei Frauen waren beeindruckt von den herzlichen und sehr gastfreundlichen Menschen. Im Laufe der Jahre sind schon Freundschaften zwischen den Gästen aus Bayern und den Einheimischen entstanden.

Gewöhnungsbedürftig war die Hitze mit 35 Grad im Schatten. Leider mussten sie zwei Todesfälle miterleben. Eine 20-jährige Frau starb an einer Bruchoperation. Auch Lodo, er war Tierarzt und engster Mitarbeiter von Pater Ferdinand, hinterließ eine große Lücke. Die Trauerfeiern waren herzzerreißend und dauerten tagelang. Hagn und ihre Begleiterinnen waren in den verschiedensten Bereichen eingesetzt. Sie lernten den Frauen das Backen von Weihnachtsplätzchen und besuchten die Grundschule oder auch die Kranken. Ganz herzlich war das Verhältnis zu den einheimischen Frauen.

Beim Putz der Krankenstation und des Labors stellten sie fest, dass im Labor und in der Apotheke kaum mehr etwas vorhanden war. Der Medikamentenschrank war fast leer, im Labor die Instrumente und Geräte sehr alt und meist nicht mehr einsatzfähig. Vieles war von Mäusen angefressen. In den Krankenzimmern fehlten Matratzen, Tische und Moskitonetze. Die gute Nachricht: Im zwölf Kilometer entfernten Amadi hat sich ein Arzt niedergelassen und einen sehr engagierten Eindruck machte.

Bau eines Internats

Eine weitere Aufgabe war es, zu schauen, was mit den laufenden Projekten und mit den Geldern der Missionsbücke geschieht. Dabei nahmen sie das laufende Projekt des Paters, den Internatsbau, in Augenschein. In Ndendule besuchten sie das von Pfarrer Josef Most 2009 eingeweihte „Institut Moosbach“, eine Art Berufsschule, in der die Ausbildungsbereiche Ackerbau, Viehzucht, Konstruktion und Mechanik angeboten werden. Die Schüler kommen aus weit entlegenen Dörfern zu Pater Ferdinand, um aufgenommen zu werden. Deshalb ist der Bau eines Internats für den Pater ein großes Anliegen.

Weder Baufirmen noch Maschinen

„So ein Bauvorhaben läuft aber nicht wie in unseren Zonen ab“, informierte Hagn. „Es gibt keine Firmen, die beauftragt werden können. Es gibt auch keine Baumaschinen, alles muss per Hand gemacht werden. Trotzdem sind die ersten Arbeiten schon erledigt.“ Der Sand wurde in der Trockenzeit aus dem Fluss Uele und die Steine aus der Savanne geholt. Die Ziegel wurden in Handarbeit in der eigenen Missions-Ziegelei gebrannt und das Bauholz (Balken und Dachlatten) eingeschlagen. Richard Reger aus Böhmischbruck, der mit Ulrike Guttenberger aus Moosbach ebenfalls einige Wochen bei Pater Ferdinand weilte, erstellte in dieser Zeit den Bauplan und ein Modell, nach dem das Internat gebaut wird.

Doch jetzt stocke der Bau, denn das notwendige Material könne bei den Straßenverhältnissen nicht angeliefert werden. Trotzdem gebe es Hoffnung, denn der neue Präsident des Kongo hat mit dem Straßenbau begonnen. Auch Pater Ferdinand hat Initiativen ergriffen um die Straßen zu reparieren. 20 Arbeiter durchlaufen eine Probezeit bei ihm. Die Fähigsten will er einstellen um die Straße wieder befahrbar zu machen. Wenn dies geschehen ist, kann der Internatsbau weitergehen.

Hagn schwärmte auch vom Zentrum in Ndendule. „Wenn ich da durchgehe, bin ich immer wieder beeindruckt, welche positive Atmosphäre der Ort ausstrahlt. Es ist wie im Park. Pater Ferdinand hat hier eine Oase geschaffen, die es wert ist auch weiterhin zu unterstützen.“ Für Hagn, die mittlerweile ihren fünften Kongoaufenthalt hinter sich hat, ist es schön zu sehen, dass es inzwischen vielen Menschen dort gibt, „die wir vor zehn Jahren als Jugendliche kennengelernt haben, nach ihrer Ausbildung in Ndendule geblieben sind und dort arbeiten, als Lehrer, Arbeiter oder in anderen Berufen“. Die Leute vertrauen Pater Ferdinand, bleiben bei ihm und sehen in Ndendule ihre Zukunft. Den nächsten Kongobesuch plant Hagn bereits.

Ihre Freude hatten die Kleinen im Kindergarten mit Gaby Hagn, die in Moosbach selbst Erzieherin ist.
Sehr interessiert waren die Frauen bei der Herstellung von Seifen.
Katastrophal sind die Straßenverhältnisse, Händler müssen oft aufgeben.
Katastrophal sind die Straßenverhältnisse, Händler müssen oft aufgeben.
So sah es im Medikamentenschrank der Apotheke in Ndendule aus, es fehlt an allem.
Es wurde schon vieles im Zentrum von Ndendule unter der Leitung von Pater Ferdinand geleistet wie diese Ansicht zeigt.
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