Tröbes bei Moosbach
07.04.2019 - 15:27 Uhr

Tierwohl nicht durch Verbote regeln

Die Verbraucher fordern ein großes Angebot an Bioprodukten, gehen aber zum Einkaufen zum Discounter. Diese Problematik ist ein Thema bei Bäuerlichen Schlachtgemeinschaft Moosbach-Waidhaus.

Landtagsabgeordneter Alexander Flierl (stehend) erörtert mit den Bauern aktuelle Probleme. Vorsitzende Erika Sauer (Dritte von rechts) und Amtsleiter Reinhold Witt (rechts) hören aufmerksam zu. Bild: gi
Landtagsabgeordneter Alexander Flierl (stehend) erörtert mit den Bauern aktuelle Probleme. Vorsitzende Erika Sauer (Dritte von rechts) und Amtsleiter Reinhold Witt (rechts) hören aufmerksam zu.

Vorsitzende Erika Sauer untermauerte in der Jahreshauptversammlung im Gasthaus Bodensteiner mit Zahlen ihren Rückblick auf 2018. Sie nannte 109 Rinderschlachtungen (im Vorjahr waren es 78) und 31 Gehegewildschlachtungen (22). Die Gemeinschaft zähle derzeit 128 Mitglieder.

Die hohe Schlachtzahl erfordere Organisationsgeschick und vorausschauende Planung. Eine Aufschnittmaschine, ein Vakuumiergerät und eine Konfiskat-Kühlung wurden angeschafft. Die Existenz der Schlachtgemeinschaft sei auch Teil der erfolgreichen Bewerbung Moosbachs als Genussort gewesen. Sauer dankte den Gründern für ihren Weitblick. "Wir sind stolz etwas zu haben, um das uns andere beneiden."

Kassier Anton Schmied erläuterte die geordneten Finanzen der Schlachtgemeinschaft. Kassenprüfer Rudi Schieder bestätigte einwandfreie Arbeit. Schmied wurde einstimmig entlastet.

Im Mittelpunkt stand ein Referat des CSU-Landtagsabgeordneten und Mitglied im Agrar- und Umweltausschuss, Alexander Flierl. Er fand zu Beginn Lobesworte für Erika Sauer, die rührige Vorsitzende der Schlachtgemeinschaft. Ihr Einsatz als Finanzbeamte, als Vereinsvorsitzende, ihre Verbandsarbeit in ganz Bayern suche ihresgleichen.

Der Verbraucher erwarte ein großes Angebot an Bioprodukten, er wolle gesunde Lebensmittel. Das Einkaufsverhalten passe aber damit nicht zusammen. Deshalb gäben viele Biobetriebe auf. Künftig müssten Forderungen und Anliegen der Landwirtschaft mehr in die Gesetze und Verordnungen einfließen. Allgemeinwohl-Leistungen wie die Weidetierhaltung, die Bewirtschaftung von Wiesen und Leistungen für den Artenschutz müssten zusätzlich honoriert werden. Dieser Ausgleich werde ein wichtiger Punkt sein, um bei den Biodiversität-Leistungen weiter voranzukommen. Immerhin werden derzeit 360 000 Hektar unter dem Gesichtspunkt der Biodiversität bewirtschaftet.

Der Abgeordnete bedauerte, dass das Volksbegehren "Bienen" für einen Stimmungsumschwung in der Landwirtschaft sorgte. Volksbegehren könnten Ziele setzen, nur diese Ziele müssten erreicht werden. "Und in diesem Falle brauchen wir den Verbraucher dazu. In ein paar Jahren haben wir 30 Prozent Bioprodukte in den Läden, aber wir wissen nicht, wie wir sie absetzen können." Dazu müssten wir die Wertschöpfungsketten stärker ausbauen. Neue Vorgaben und neue Entwicklungen seien nötig. Die bessere Vermarktung werde die Politik nicht schaffen.

Größere Herausforderungen sieht der Parlamentarier bei der Frage des Tierwohls. Es gehe um Anbindehaltung, Kastenstände bei Schweinen und andere Dinge. Nicht durch Verbote könne das geregelt werden, sondern durch bessere Stallbauten. Deshalb fördere Bayern diese Investitionen mit zusätzlich 30 Millionen Euro. "Trotzdem sind uns konventionell schaffende Betriebe in Bayern so viel wert wie biologische wirtschaftende Betriebe." Im Öko-Anbau sei Bayern führend. Es gebe 10 000 Biohöfe mit 300 000 Hektar ökologisch bewirtschafteten Flächen.

Bürgermeister Hermann Ach bedauerte, dass viele von Bio-Produkten schwärmten, aber im Supermarkt einkauften. Moosbach werbe erfolgreich mit seinem Prädikat "Genussort". Ausschlaggebend für die Verleihung waren das Angebot an regionalen Produkten, die örtliche Brauerei und die Schlachtgemeinschaft. In diesem Jahr will Moosbach mit den entsprechenden Betrieben eine Werbekampagne "Genussort" starten. Ach bedauerte auch, dass ein Großteil der Bevölkerung leider nicht mehr mit der Landwirtschaft verbunden sei.

Reinhold Witt, Leiter des Landwirtschaftamts, nannte die drei Schlachtgemeinschaften in seinem Bezirk besondere Schätze. Die Schlachtungszahlen seien erfreulich. BBV-Geschäftsführer Hans Winter appellierte an die Landwirte: "Nutzt die Chancen, eure weltweit besten Nahrungsmittel auf den Markt zu bringen."

 
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