19.02.2020 - 18:04 Uhr
UrsensollenOberpfalz

20. Februar 1945: Tödlicher Fliegerangriff auf Ursensollen

Georg Schaller aus Sulzbach-Rosenberg erlebte am 20. Februar 1945 mit seinem Bruder Erhard den Fliegerangriff auf den Personenzug Amberg–Lauterhofen. Damals starb Albert Augsberger (13). Zeitzeugen erinnern daran.

Die Zeitzeugen (von rechts) Hans Graf, Georg Schaller und Franz Hummel berichten vom Ende des Krieges in Ursensollen. Helmut Ludwig, seine Mutter stammt aus dem Unteren Wirtshaus in Hohenkemnath, besitzt noch viele Fotos aus dieser Zeit aus dem Nachlass seiner Münchener Tante. Die Senioren waren Klassenkameraden an der Volksschule Hohenkemnath.
von Josef SchmaußerProfil

Kurz vor Mittag hörten die Brüder damals, vor 75 Jahren, die Bomber. Georg Schaller, geboren am 6. Januar 1934, und sein Bruder Erhard, geboren am 30. November 1932, waren an diesem verhängnisvollen Dienstag, 20. Februar 1945, als Hütebuben beim Unteren Wirt in Hohenkemnath im Einsatz. Schon tags zuvor war den beiden aufgefallen, dass ein Güterzug, beladen mit Geschützen auf der Lokalbahn Amberg–Lauterhofen, den Haltepunkt Hohenkemnath passierte.

Im Blickpunkt:

Gedenktafel wird enthüllt

In Erinnerung an den Fliegerangriff auf den Personenzug Amberg–Lauterhofen wurde in Ursensollen eine Gedenktafel aufgestellt. Am Donnerstag, 20. Februar, dem Jahrestag, enthüllen die drei noch lebenden Brüder des damals getöteten Albert Augsberger, Josef, Hans und Alfons, um 17.30 Uhr die von ihnen gestiftete Gedenktafel am Bahnhof Ursensollen. Es gibt bereits eine weitere in der Nähe. Sie zeigt eine Seite aus der Amberger Zeitung, die Heimatpfleger Josef Schmaußer (Hohenkemnath) 2005 zum Jahrestag des Bombardements verfasst hat. Dem Gedenken am Bahnhof schließt sich um 18 Uhr ein Gottesdienst in der Pfarrkirche an. Darin wird für die beim Fliegerangriff 1945 ums Leben Gekommenen gebetet.

Flugzeuge und Gewehrsalven

Kurz vor Mittag sahen Georg und Erhard Flugzeuge am Himmel. Etwas später hörten sie Gewehrsalven. Was sie da noch nicht wussten: Diese Schüsse verletzen den 13-jährigen Albert Augsberger tödlich. Der Bub starb einen Tag später im damaligen Marienkrankenhaus in Amberg. Als die Schaller-Brüder die Salven hörten, machten sie sich auf den Weg nach Ursensollen – auf den Gleisen. Am Ursensollener Bahnhof bemerkten die damals 11- und 13-Jährigen noch nichts vom tragischen Geschehen um Albert Augsberger. Jemand sagte den Buben, dass der Zug kurz vor der Hoibrücke stehe: Es habe viele Tote gegeben. Kurz nach dem Bahnhof bemerkten die Brüder rechts im Graben einen Toten. Zwischen Kilometer 13 und 14, etwa beim Beginn des Waldes, stand der angegriffene Personenzug. Auf einem „Gummiwagen“ lagen 18 Tote, zählten die Ankommenden.

Auch Nürnberg bombadiert

Die Erwachsenen, darunter Zugführer und Heizer, schickten die Kinder weg. Daheim erzählten die Buben aufgeregt von dem tödlichen Angriff. In den folgenden Nächten bewegte das Gesehene und Erlebte die Brüder so sehr, dass sie nur noch im selben Bett schliefen.

Am Tag des Angriffs in Ursensollen war auch Nürnberg zum wiederholten Mal Ziel von Luftbombardements. Bei zwei schweren Luftangriffen warfen US-amerikanische Bomber 3800 Tonnen Bomben über der Stadt ab.

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