04.07.2019 - 14:25 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Asteroid Day in Ursensollen: Gefahr aus dem All

Rund 1800 potenziell gefährliche Asteroiden kreisen laut Experte Joachim Siegert um unseren Planeten. Woher sie kommen, woraus sie bestehen und was man im Falle eines Kollisionskurses tun kann, gab es jetzt in Ursensollen zu hören.

Asteroid Day in Ursensollen: Matthias Mändl (Zweiter von links) von der Volkssternwarte Amberg-Ursensollen präsentierte Interessierten Stücke aus der Meteoriten-Sammlung.
von PKMOProfil

"Wir hatten gehofft, diesen Asteroid Day schon in unserem klimatisierten Planetarium zu begehen", entschuldigte sich der Vorsitzende der Volkssternwarte Amberg-Ursensollen, Matthias Mändl, beim Publikum für die hohen Temperaturen im Atrium der Mittelschule. Spätestens zum nächsten Asteroid Day soll es aber soweit sein: Die Eröffnung des Planetariums ist für Herbst geplant.

Das "Tunguska-Ereignis"

Dieser drei Tonnen schwere Brocken soll ein Teil des Meteoriten sein, der 1908 über dem Fluss Steinige Tunguska niedergegangen war. Die Explosion über der unbesiedelten Waldregion, von der es keine Augenzeugen gibt, setzte die Sprengkraft von bis zu 1000 Hiroshima-Bomben frei.

Seit 2016 wird jedes Jahr am 30. Juni weltweit der Asteroid Day begangen, um für die Gefahren und Abwehrmöglichkeiten der Bedrohung aus dem Weltall zu sensibilisieren. Auch Prominente, wie Queen-Gitarrist und Astrophysiker Brian May, oder politische Organisationen wie die Vereinten Nationen (UN) beteiligen sich an der Kampagne. Das Datum ist kein Zufall: Am 30. Juni 1908 explodierte über der sibirischen Tundra, nahe des Flusses Tunguska, ein Asteroid, der mit seinen herabfallenden Trümmern eine enorme Druckwelle auslöste und ein Gebiet von 25 Kilometern Durchmesser verwüstete. Seit drei Jahren gilt das "Tunguska-Ereignis" nun als Asteroid Day.

Matthias Mändl erklärte, dass intensive Forschung bei den Asteroiden besonders wichtig ist: "Wir stehen erst am Anfang und wissen noch recht wenig über die physikalischen Eigenschaften. Dabei ist das so wichtig, da Asteroiden die einzige Naturkatastrophe sind, die die Menschheit verhindern kann". Nach neuer Definition gehören Asteroiden zu den Kleinkörpern, die um die Sonne kreisen. Sie können sich in jeder beliebigen Form und Bahn fortbewegen. Wegen ihrer geringen Masse und Gravitation bilden sie meist keine Kugelgestalt aus wie Planeten. Auf ihre Zusammensetzung gibt oft die Farbe einen Hinweis. Häufig bestehen sie aus Eisen, Olivin und Basalt, aber auch andere Stoffe sind möglich.

Experte Joachim Siegert klärte über die Gefahren von Asteroiden und Abwehrstrategien auf.

So entstand das Leben

Joachim Siegert, Experte der Volkssternwarte Amberg-Ursensollen, tauchte tief in die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems ein und reist fast 4,5 Milliarden Jahre in die Vergangenheit. Asteroiden gelten als Grund, dass auf unserer Erde überhaupt Leben entstehen konnte. Sie sollen das Wasser auf unseren Planeten gebracht haben. Ceres ist der derzeit größte bekannte Asteroid und hat einen Durchmesser von 950 Kilometern. Ständig kommen Neuentdeckungen hinzu, gerade bei den kleineren und weiter entfernten Asteroiden gibt es noch wenig Licht im Dunkel.

Rund 1800 potenziell gefährliche Objekte kreisen derzeit in der Nähe der Erde. Ob ein Asteroid gefährlich ist, wird mit der einfachen Formel "Einschlag-Wahrscheinlichkeit mal Größe" berechnet. Häufig fallen die Objekte unentdeckt herunter und landen in Gewässern. Um mehr über die Beschaffenheit der Himmelskörper zu erfahren, gibt es ständig neue Missionen. Der Hayabusa-Sonde zur Erforschung des Asteroiden "Ryugu" gelang es in diesem Jahr, den Körper zu beschießen und so Gesteinsproben aufzusammeln. 2020 soll die Sonde von ihrer Mission zur Erde zurückkehren. Nur mit Hilfe der Sonden können Radarbeobachtungen über die Asteroiden bestätigt oder widerlegt werden. Die Erforschung der Weltraumkörper ist sowohl für die Rekonstruktion der historischen Entwicklung unseres Sonnensystems als auch für künftige mögliche Zusammenstöße mit der Erde von größter Bedeutung.

Auf Kollisionskurs

Aber was tun, wenn sich ein großer Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde befindet? Laut Siegert gibt es zwei Möglichkeiten, einen Asteroiden abzuwehren: Ablenkung durch Beschuss oder totale Zerstörung. Während die erste Maßnahme eine lange Vorbereitungszeit erfordert, ist die Zweite eine relativ unkontrollierbare Aktion für spät entdeckte Objekte, die die Gefahr von Splitterhaufen birgt. Umso wichtiger sei es deshalb, Forschung zu betreiben, um Gefahren frühzeitig zu erkennen.

Am Ende des Vortrags durften die Zuhörer sogar noch "außerirdisches Material" berühren - und ausgewählte Schmuckstücke der Meteoriten-Sammlung der Sternwarte bestaunen.

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