18.07.2018 - 19:16 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Bürgerinitiative geht gegen Funkmast bei Hohenkemnath vor

Im Gemeinderat will keiner den Funkmast bei Hohenkemnath. In der Sitzung gibt es nur Stimmen dagegen. Kann aber sein, dass diese Meinung keine Rolle spielt und das Landratsamt die Baugenehmigung für das privilegierte Vorhaben erteilen muss.

Bei Littenschwang steht in der Gemeinde Ursensollen bereits ein Funkmast in der Art, wie er für Hohenkemnath beantragt ist.
von Markus Müller Kontakt Profil

(ll) Einer, dem das besonders sauer aufstößt, ist Achim Kuchenbecker. Der Hohenkemnather CSU-Gemeinderat hat rund um die Fraktionssitzung am Sonntag von dem vorliegenden Bauantrag der Deutschen Funkturm GmbH erfahren und am Montag eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen, die mit einer in der Metzgerei Hirsch aufliegenden Liste Unterschriften gegen das Vorhaben sammelt. In zwei Tagen haben bereits 120 der 527 Hohenkemnather ihren Namen auf das Papier gesetzt.

"Es geht um die Strahlenbelastung", macht Kuchenbecker die Befürchtungen der Projektgegner deutlich. Der Bauantrag im Gemeinderat lautete auf den Neubau eines 40 Meter hohen "Schleuderbetonmasts mit zwei Plattformen und Outdoor-Technik". Der Betonturm solle direkt oben bei der Autobahnbrücke stehen, sagt Kuchenbecker, etwa 210 Meter vom Ortsrand entfernt, rund 350 Meter vom nächsten Wohnhaus.

Dem Hohenkemnather ist klar, dass das mit der Strahlenbelastung bei Mobilfunkmasten irgendwo auch eine Glaubensfrage ist. Doch er hat im Internet recherchiert und die Angabe gefunden, ein Abstand von unter 500 Metern sei "gesundheitsbedenklich". Deshalb verfolgt er mit seiner Initiative das Ziel, den Standort "weiter nach oben zu rücken". Etwa auf eine Fläche, die rund 800 Meter von Hohenkemnath und 1000 Meter von Ursensollen entfernt liegt. "Das wäre ein vernünftige Lösung für alle." Denn in anderen Kommunen habe er noch nicht gesehen, "dass direkt an der Einfahrt zu einem Hauptort ein solcher Mast steht".

Mit der Diskussion über Mobilfunkabdeckung und Funkmasten kommt man auf gefährlich emotionales Terrain, das weiß Kuchenbecker nicht erst, seit auf der Facebook-Seite der "Bürgerinitiative Hohenkemnath gegen Errichtung eines Funkmastes" die Diskussion darüber losgebrochen ist. "Auch wir wollen Funkabdeckung, aber in einem gesunden Abstand", bemerkt er dazu.

Auf der erwähnten Seite ist eine Fotomontage zu sehen, auf der sich ein überdimensionierter Funkturm gleich hinter Hohenkemnath in gewaltige Höhen in den Himmel schraubt. Das sei natürlich ein "plakatives Bild", damit wolle man niemand verunsichern", hält Kuchenbecker fest. "Selbstverständlich stellt die Fotomontage eines übergroßen Funkturms nur den plakativen Aufmerksamkeitswecker dar!", beschwichtigt die BI im Text.

Wenn man die Leute in Hohenkemnath befrage, stoße man in Sachen Funkturm durchweg auf Ablehnung, sagt Kuchenbecker. "Auch die Dorferneuerung ist komplett dagegen." Er wolle deshalb versuchen, den Beistand von Abgeordneten und von Landrat Richard Reisinger gegen das Bauvorhaben zu bekommen. Und die BI werde kommende Woche in Hohenkemnath eine Bürgerversammlung abhalten, um über die Situation zu informieren.

Ein Aspekt an der Geschichte ärgert Kuchenbecker besonders. Er nennt es die Intransparenz und meint damit, dass er von der Gemeinde frühere Informationen zu dem Bauvorhaben erwartet hätte, nicht erst im Zuge der Einladung zur Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. "Vorher ist das komplett an uns vorbeigegangen."

Seltsam kommt Kuchenbecker vor, dass es für den Funkturm keine Bauvoranfrage gegeben habe, sondern dass gleich ein Bauantrag eingereicht worden sei. "Das ist nicht gängige Praxis." Mit dem vorliegenden Antrag könne man jetzt auch nicht mehr von dem Projekt abrücken, "außer im Einvernehmen mit der Firma". Und dass die an einer Standort-Verlegung Interesse hat, bezweifelt Kuchenbecker. Denn sie wisse natürlich, dass es sich um ein privilegiertes Vorhaben handle, das auch ohne gemeindliches Einvernehmen eine Baugenehmigung erhalten könne. Die BI sieht deshalb die Gemeinde in der Pflicht, "einen noch besser geeigneten Alternativstandort" vorzuschlagen. Vielleicht lasse sich damit noch etwas ändern.

"Die Gemeinde wird wegen anderer Standorte mit der Telekom reden", sagt Bürgermeister Franz Mädler (FW) zu diesem Anliegen. "Da muss man Alternativen suchen." Denn der ganze Gemeinderat und die Verwaltung seien sich einig, dass ein 40-Meter-Funkmast nicht an diese Stelle passe. Zum Schluss werde allerdings das Landratsamt als zuständige Baubehörde über die Genehmigung entscheiden.

So weit herrscht Einigkeit. Was Mädler allerdings nicht auf der Kommune sitzen lassen will, ist der Vorwurf, sie habe die Mitglieder des Gemeinderats nicht früh genug informiert: "Die Verwaltung hat absolut korrekt gehandelt." Der Antrag sei im Juni eingegangen und dann sofort auf die Tagesordnung für die nächste Sitzung genommen worden. Dass geplant sei, in Ursensollen eine "Funkstelle" aufzubauen, darüber sei man Ende vergangenen Jahres informiert worden. Davon habe man allerdings im Gebiet der Gemeinde auch schon ein knappes Dutzend. Von einem großen Schleuderbetonmast - diese Bauweise gibt es in Ursensollen bisher nur einmal bei Littenschwang - habe man überraschend erst im Juni durch den Antrag erfahren.








Was das Landratsamt sagt:

Der Ursensollener Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Dienstag dem Bau des Funkturms bei Hohenkemnath das gemeindliche Einvernehmen nicht erteilt. Da es sich um ein privilegiertes Vorhaben handelt (wie es früher einmal die Windräder waren), könne das Landratsamt grundsätzlich das gemeindliche Einvernehmen ersetzen, erläutert Harald Herrle, der Pressesprecher der Behörde, auf AZ-Nachfrage. Voraussetzung sei, dass es sich um eine genehmigungsfähige Anlage handle. Diese Einschätzung könne man aber im Moment nicht vornehmen, da noch keine Antrags-Unterlagen eingegangen seien. (ll)

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