11.10.2018 - 16:45 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Mehr Mut zum Mut

Die „neue deutsche Ängstlichkeit“ überrascht und erschüttert ihn. Abtprimas Notker Wolf stellt nicht nur sein Buch vor, sondern fordert Mut von der Gesellschaft – auf seine sanfte und humorvolle Art.

"Schluss mit der Angst", fordert Abtprimas Notker Wolf in seinem jüngsten Buch. Sein starker Vortrag im Kubus regt zum Nachdenken an.
von Dagmar WilliamsonProfil

Notker Wolf war bis vor zwei Jahren als Abtprimas des Benediktinerordens mit Sitz in Rom der höchste Repräsentant von mehr als 800 Klöstern und Abteien weltweit. Außerdem ist er auch dafür bekannt, mit E-Gitarre und Querflöte das ein oder andere Rock-Konzert zu bereichern. Der Abt weiß um seine Fähigkeit als Sprachrohr und setzt dieses Talent bewusst ein. Die Katholische Erwachsenenbildung, das Evangelische Bildungswerk und die Gemeinde Ursensollen haben den Benediktiner ins Kubus eingeladen, seine Sicht der aktuellen Begebenheiten zu schildern. "Schluss mit der Angst" appelliert er in seinem jüngsten Buch - und bezieht sich nicht nur auf die Christen.

"Oh, das regte mich so auf", erzählt der Autor mit geballten Fäusten, aber einem Schmunzeln. Der Grund für die Schreibwut des Abtes war Thilo Sarazzin. Dieser schmeiße in seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" mit Unwissenheiten nur so um sich und bekräftigte den Leser mit der neuen deutschen Ängstlichkeit, wie Wolf es ausdrückt.

"Dabei hat er noch nie eine lange Zeit irgendwo anders auf dieser Welt verbracht!" Es ist aber nicht nur der Mangel an Kenntnis, sondern auch fehlende Aufklärung, die zum Angstzustand der Gesellschaft führe. Und dieses wiederum würden Politiker, vor allem jetzt im Wahlkampf, für sich nutzen und weiter anfeuern. Je mehr Ängste, wie vor sozialem Abstieg, vor kultureller Überfremdung oder davor, im Leben zu kurz zu kommen, desto größer wird die Abwehr.

Wer Angst hat, sehe eine Katastrophe auf das Land zukommen und werde wütend. Die Verärgerten neigten dazu, zu hetzen und am lautesten zu schreien. Der Spielball der Politik sei die Gesellschaft - da werde keiner ausgenommen.

"Fürchtet euch nicht." Gleichermaßen hätte Wolf auch diesen Titel für sein Buch wählen können, erklärt er. Der 78-Jährige verweist kurz auf das Neue Testament und erzählt die Anekdote von Jesus und seinen Jüngern auf dem See Genezareth. Ein Sturm brach auf, die Mannschaft macht sich Sorgen und sucht nach Jesus. "Und da macht der einfach a Natzerl - was bildet der sich ein?" Mit diesem Gleichnis erklärt er die entstandene Wut und Sorge. Jesus hingegen blieb ruhig und vertraute auf Gott und sich, dass alles gut werde. So solle auch jeder Einzelne das Vertrauen in sich und Gott wieder finden. "Wir brauchen mehr Mutmacher! Die Zuversichtlichen helfen und sind davon überzeugt, dass sie es schaffen." Umso mehr man sich mit Angst beschäftige, desto eher verliere der Mensch den Überblick über das Wesentliche.

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