23.10.2018 - 19:05 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Stephan Zinner kann mehr als nur södern

"Cool, dass ihr da seid": Stephan Zinner ist froh, am Sonntagabend im Kubus in Ursensollen sein zu dürfen. Denn damit bleibt ihm ein Elternabend erspart, an dem eh bloß über die Lehrer geschimpft wird.

Allround-Kabarettist Stephan Zinner (links) und „der Andi“ am Schlagzeug laufen im Kubus in Ursensollen zur Höchstform auf.
von Karin HegenProfil

Innerhalb von zwei Stunden erfährt das Publikum, dass Zinner mit einer Neurochirurgin aus Sachsen - seiner Christina - verheiratet ist, drei Kinder hat. Gegenseitige Sympathie herrscht von der ersten Minute an. "Stephan Zinner - relativ simpel" heißt sein aktuelles Programm: Es erzählt ganz einfach aus seinem Leben mit der Familie in Minga. Für Menschen ohne Dialektsicherheit sei angemerkt, dass es sich um München handelt - und sie an diesem Abend wahrscheinlich maximal die Hälfte verstanden haben.

Wer Stephan Zinner bisher nur als Metzger Simmerl aus den Eberhofer-Krimis oder als Markus-Söder-Double vom Nockherberg kennt, staunt über den Tausendsassa an der Gitarre, als Sänger, Komponist, Schauspieler und Kabarettist. Für die Optik und zur musikalischen Verstärkung hat er den "Ausländer, der sich aber vom Hintergrund abhebt" dabei: Andi ist Schweizer, mit von der EU anerkanntem Trommeldiplom aus Österreich und begleitet Zinner am Schlagzeug oder auf der Harmonika. Mit seinen trockenen Kommentaren würzt er eine letzte Prise Salz in den Kulturtopf. Den Blues, jazzig angehaucht, lieben beide ganz besonders. Er gibt den Rhythmus für witzige Texte, die allerdings nicht immer zu verstehen sind.

Doch das macht nichts. Denn dafür erzählt Zinner so bildlich von Radlern, Bodybuildern, der Gesellschaft im Allgemeinen in der Landeshauptstadt. Er pfeffert wirklich jeden Satz so ab, dass man mit dem Lachen nicht mehr nachkommt - und die anspruchsvollen Songs eine willkommene Verschnaufpause bieten. Außerdem tanzt er sehr gerne und kann nicht verstehen, warum seine Kinder das peinlich finden. Als er dann seine Leidenschaft dem Publikum zeigt, gibt es kein Halten mehr. Der Saal tobt und Zinner nennt seinen Nachwuchs "Spießerkinder".

Sicherlich bekommt nach der Vorstellung keiner mehr den Stephan - rosa duftend mit Winnie-the-Pooh-Handtuch um die Lenden - aus dem Kopf. Oder den Lackschaden am weißen Range Rover Evoque von dem Bürscherl aus der höheren Kaste, das eigentlich um a Watschn gebettelt hat. Und falls Sie einmal einen mit Münchener Kennzeichen sehen, auf dem mit Permanentmarker "Volldepp" am Heck geschrieben steht, dann ist er das.

Mit einem beinahe philosophischen Satz bringt es Zinner schließlich auf den Punkt: "Man kann ganz gut durch das Leben kommen, wenn man sich nicht zu wichtig nimmt."

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