22.05.2018 - 16:31 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Ein Zuhaus' für die Fledermaus

(anv) Wo bis vor etwa 100 Jahren noch Bierfässer der Brauerei Gehr aus Ursensollen lagerten, sollen jetzt Mopsfledermaus und das Große Mausohr ein neues Zuhause finden. In den Sommerferien versammeln sich 16 Jugendliche aus aller Welt in der Gemeinde, um den Bräukeller fledermausgerecht umzubauen.

Im Bräukeller sollen die Fledermäuse wohnen. Armin Friedrich, Huberta Bock (beide Amt für ländliche Entwicklung), Nina Forster (Projektleitung), Bürgermeister Franz Mädler und Jacqueline Langhorst (Internationale Jugendgemeinschaftsdienste) sind voller Vorfreude auf das Workcamp in den Sommerferien, bei denen Jugendliche aus aller Welt eine Brutstätte für Fledermäuse sanieren.

Gleich in der ersten Woche der bayerischen Sommerferien starten die 16 bis 26-Jährigen durch. Sie kommen aus Ländern wie Mexiko, Armenien, der Ukraine, Spanien und anderen Teilen der Welt. Teilweise reisen sie zwei Tage an, mit dem Flugzeug, der Bahn und dem Bus. Sie sind Teilnehmer der Workcamps des IJGD (Internationale Jugendgemeinschaftsdienste).

Kultur und Natur vereint

Interkultureller Austausch und Naturschutz stehen laut Jacqueline Langhorst, Projektreferentin für internationale Workcamps, im Vordergrund dieses Projekts. "Es ist eine tolle Erfahrung, die die Jugendlichen da machen", findet auch Nina Forster, Leiterin des Fledermaus-Projekts. Es ist das zweite Mal, dass die Gemeinde Ursensollen mit der IJGD zusammenarbeitet.
Angefangen hat alles 2015 mit der Errichtung des Artenschutz-Turms. Auch hier gab es ein Workcamp. Noch heute schwärmen die Beteiligten von diesem Erlebnis. Vor allem die kulinarischen Raffinessen der Jugendlichen, die stets selbst und landestypisch gekocht haben, sind noch im Gedächtnis. "So manch einer hat hier auch sein Herz verloren", schmunzelt Bürgermeister Franz Mädler. Neben der Arbeit an der Höhle steht wieder ein bunt gestaltetes Freizeitprogramm an. Als Gruppe besuchen sie Amberg und Regensburg und, als besonderes kulturelles Highlight, die Kirwa in Hohenkemnath, die sich nicht ganz zufällig mit dem dreiwöchigen Workcamp überschneidet. "Ein Mädel aus Moskau war so begeistert, dass sie sich unbedingt ein Dirndl kaufen musste", erinnert sich Mädler.
Dem war es auch besonders wichtig, den geschichtsträchtigen Bräukeller aufzuwerten. "Dafür wollten wir nicht irgendeine auswärtige Firma beauftragen", sagt das Gemeindeoberhaupt. Lieber sei es ihm, das Ursensollen das selbst in die Hand nimmt. Unterstützung, nicht nur finanzieller Art, bekommen sie vom Amt für ländliche Entwicklung, vertreten durch Armin Friedrich und Huberta Bock.

73.000 Euro rechtfertigen

Die Sanierung des "Kellerhäusl", wie es auch im Volksmund genannt wird, zu einer Fledermaushöhle kostet um die 73.000 Euro. Das Amt für ländliche Entwicklung beteiligt sich mit 40.000. Ein Fledermausprojekt mit einer Fördersumme von über 70.000 Euro zu rechtfertigen sei gar nicht so leicht, gibt Isabel Lautenschlager vom Naturpark Hirschwald, die das Projekt ebenfalls unterstützt, zu bedenken. Der Großteil davon seien Materialkosten, da die Jugendlichen ja freiwillig arbeiten. Lautenschlager merkt an, dass das Fledermaushaus in Hohenburg circa eine Millionen gekostet hätte, somit relativiere sich die Summe wieder. Auch aus ihrer Sicht sei es "ein tolles Naturpark-Projekt." Später sollen auch Schautafeln aufgestellt und, zu Zeiten in denen es die Fledermäuse nicht stört, Führungen für Schulklassen, Kindergärten und andere Gruppen angeboten werden. So wird aus einem maroden, unbenutzten, jahrhundertealten Felsenkeller ein Ort des Lernens und des Naturschutzes.
Was eine Fledermaus so braucht, um sich wohl zu fühlen, das verrät der Experte Rudi Leitl, mit dem die Gemeinde eng zusammenarbeitet. So erhoffen sich alle Beteiligten, dass sich bald viele Fledermäuse im Bräukeller und in den geplanten Brutkästen einnisten und "vielleicht können wir sogar die Große Hufeisennase in den Norden locken", sagt Mädler und lacht.

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