21.08.2019 - 13:51 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

"Verbrannte Wörter": Wo benutzen wir noch Nazi-Sprache?

Anglo-amerikanisch, Hiwi, bis zur Vergasung. Alles Begriffe und Redewendungen, die zur Nazi-Sprache gehörten. Matthias Heine erläutert die Bedeutung von 87 Wörtern, die wir im Alltag oft unbedacht benutzen.

Matthias Heine hat ein Buch über Nazi-Begriffe in der heutigen Sprache verfasst.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Der Autor Matthias Heine erklärt in seinem Buch „Verbrannte Wörter – Wo wir noch reden wie die Nazis und wo nicht“ die Verwendung der Begriffe in der Sprache des Dritten Reichs und wie sie heute noch gebraucht werden – von A wie Absetzbewegung bis Z wie zersetzen. Aber gab es überhaupt eine NaziSprache? „Die Zeitgenossen hatten an der Existenz einer NS-Sprache und von Nazi-Wörtern nicht den geringsten Zweifel“, schreibt Heine in einer ausführlichen Einleitung zum Wörterbuch. Schon 1933 hat der Philologe Victor Klemperer damit begonnen, Belege dafür zu sammeln.

Hein ordnet die von Klemperer und anderen Forschern gesammelten Nazi-Wörter in vier Typen ein: Wortneuschöpfungen wie „Kulturschaffende“. Wörter, deren Bedeutung die Nationalsozialisten bewusst verändert haben wie „fanatisch“, das Hitler in „Mein Kampf“ positiv belegen wollte. Sogenannte Hochwertwörter, „die in der Ideologie einen besonderen Stellenwert hatten und entsprechend häufig verwendet wurden, etwa Volk, Rasse oder Reich.“

Und Begriffe, die vor den Nazis von einer anderen Gruppe geprägt worden waren und deren Sinn die Nazis dann verengt haben wie „Führer“ oder „Konzentrationslager“. In seinem Wörterbuch bespricht Hain zum Teil Begriffe, die der Leser sofort in die Nazi-Ecke stecken würde, etwa „Arier“. Bei dem Ausdruck „am Boden zerstört“ sei das nicht so. Er werde heutzutage verwendet, wenn man ausdrücken will, dass man wegen einer Sache sehr traurig ist. Das sei auch zur NS-Zeit so gewesen. „Seit den Dreißigerjahren stieg die Gebrauchshäufigkeit der Wendung abrupt um ein Vielfaches an“, beobachtet Heine. Der Grund dafür waren die täglichen Wehrmachtsberichte und Nachrichten darüber, dass die feindliche Luftwaffe bereits am Boden zerstört wurde.

Der Autor ist der Geschichte hinter den Wörtern auf der Spur, illustriert sie mit Zitaten aus Zeitungsartikeln, Reden oder Hitlers „Mein Kampf“. Dabei geht es dem Journalisten nicht darum, eine Fahndungsliste von Begriffen zu erstellen, die der Leser künftig meiden sollte. Und gibt stets seine Einschätzung ab. Nach jedem Eintrag gibt Heine seine Meinung zur Verwendung des Begriffs heute ab.

Bei „am Boden zerstört“ heißt es etwa: „Die Redensart, deren militärischer Sinn verblasst ist, kann verwendet werden. Man sollte aber ihren Hintergrund bedenken.“ Und über den „Parteigenossen“ urteilt Heine: „Wer das Wort unbefangen für Nicht-Nazis benutzt, verrät geschichtliche Ahnungslosigkeit.“ Doch ahnungslos ist der Leser dieses Buches nicht.

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