27.01.2021 - 18:06 Uhr
Oberpfalz

Verwirrung um Maskenbezugsschein: Kerngesunde Risikopatienten?

Gehöre ich zur Corona-Risikogruppe ohne es zu wissen? Diese Frage stellen sich derzeit viele Menschen in der Region. Grund sind Bezugsscheine für FFP-2-Masken – die die Bundesregierung auch an junge Gesunde verschickt. Dafür gibt es Gründe.

Bezugsschein und Anschreiben für die FFP-2-Masken.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Seit in Bussen, Bahn und Einzelhandel FFP-2-Masken getragen werden müssen, sind sie in - oder besser - auf aller Munde. Die Pflicht gilt seit vergangener Woche. Risikogruppen hilft der Staat mit sogenannten Bezugsscheinen. Rund 2,5 Milliarden Euro lässt sich der Bund das kosten - und überrascht damit einige Empfänger.

Mehrere Leser haben Briefe bekommen, obwohl sie zwischen 25 und 50 Jahre alt sind, nichts von chronischen Krankheiten wissen und sich fit fühlen. Dennoch bekamen sie je zwei Bezugsscheine: Für vier Euro Eigenbeteiligung gibt es zweimal sechs FFP-2-Masken. "Die Corona-Pandemie schränkt unser aller Alltag ein. Ganz besonders gilt das für diejenigen, für die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht", heißt es im Anschreiben.

Wenn man Mitte 40 ist und nichts von einer Vorerkrankung weiß, sorgen solche Schreiben für Verunsicherung, berichtet ein Mann aus dem Landkreis Neustadt/WN. Er hat ebenso wie seine Frau den Brief "der Bundesregierung" erhalten. "Da schaust schon erstmal blöd", sagt auch eine 31-Jährige aus Cham, die im vergangenen Jahr etwas Husten hatte. "Ich dachte eigentlich, für andere wäre es dringender als bei mir."

Vorerkrankungen entscheidend

Aufklärung bringt eine Nachfrage bei der Krankenkasse, die von der Bundesregierung mit dem versenden der Scheine beauftragt sind: Das Problem ist die Definition der Vorerkrankungen, erklärt der Weidener AOK-Direktor Jürgen Spickenreuther. Schließlich sei bisher nicht klar festgelegt, welche Diagnose aus der Vergangenheit für eine zukünftige Covid-Infektion ein Risiko bedeuten könnte. Deshalb behelfe man sich mit Diagnosen aus dem sogenannten Fachverfahren, die die Kassenärztliche Vereinigung (KVB) hierfür zur Verfügung gestellt hat.

Konkret geht es um den Zeitraum von Juli 2019 bis Juni 2020. Je nach den Diagnosen aus dieser Zeit, könne es sein, dass man plötzlich in die Risikogruppe rutscht. Spickenreuther kennt selbst ein Beispiel. Der Sohn eines Bekannten wurde im vergangenen Jahr auf Asthma untersucht. Obwohl die Lungenkrankheit ausgeschlossen wurde, habe der Bub nun ebenfalls einen Bezugsschein erhalten.

Eher geringe Summen

Ein größeres Problem sieht Jürgen Spickenreuther dabei aber nicht. "Es geht hier schließlich um vergleichsweise geringe Summen." Außerdem sei es in diesem Fall wichtiger gewesen, dass die Masken schnell an die Bedürftigen gehen. Dass nun auch Menschen profitieren, die bei einer genaueren Prüfung vermutlich nichts bekommen hätten, sei dagegen sicherlich das kleinere Problem. Wer ebenfalls einen solchen Bezugsschein bekommen hat und genauer wissen will, was dafür die Gründe sind, dem rät der AOK-Experte Spickenreuther zu einer Nachfrage beim Hausarzt.

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