21.07.2019 - 10:33 Uhr
VilseckOberpfalz

60 Jahre Gnadenkirche Vilseck

Mit einem feierlichen Gottesdienst und einem Gemeindefest feierte Vilseck das 60-jährige Bestehen der Gnadenkirche. Dass der Bau möglich wurde, war tatsächlich eine Gnade. Pfarrer Matthias Weih erklärte, warum.

Dritter Bürgermeister Heiner Ruppert hob die gute Zusammenarbeit der Kirchengemeinde mit der Stadt hervor und dankte mit einer Jubiläumsspende.
von Siegfried BockProfil
Der erfreulich gute Besuch beim Gottesdienst als auch beim Gemeindefest auch von Seiten der Katholischen Pfarrgemeinde unterstrich das gute Miteinander im Sinne Jesu Christi. Alle zeigten sich überdies von Pfarrer Weihs Ansprache begeistert. Abgeräumt wurde die mit 450 Preisen bestückte Tombola.

"Schaut an die Mauer dieser Kirche! Dieser Name ist Programm. Gnadenkirche steht für neu gefundene Heimat, für Glaubensfreiheit. Sie mahnt einen guten Umgang miteinander." Das betonte Pfarrer Matthias Weih zum 60. Geburtstag des evangelischen Gotteshauses in Vilseck. Höhepunkte bildeten der vom Kaltenbrunner Kirchen- und Posaunenchor musikalisch gestaltete Gottesdienst und das Gemeindefest.

"Vor 60 Jahren haben sich Leute daran erinnert, dass es hier in Vilseck vorwiegend Schlesier waren, die im Grunde unsere Gemeinde begründet haben", sagte Weih. "Würde man in dieser katholisch geprägten Gegend, in dieser Stadt einmal das haben, was man von Zuhause kannte: Eine eigene Kirche auf eigenem Grund, wo man frei seinen Glauben, seine Frömmigkeit leben durfte? 1959 gehen diese Wünsche mit der Weihe der Gnadenkirche in Erfüllung", blickte Weih zurück.

Die von den Katholiken verwaltete Spitalstiftung hatte den Erwerb der ehemaligen Bummelwiese möglich gemacht. Der Preis war ein guter Umgang miteinander. "Da kann man sich dankbar verneigen, so wie in der biblischen Abraham-Erzählung; denn für die damaligen Menschen war das durchaus eine Gnade, die ihnen widerfahren ist", bemerkte der Pfarrer.

Er war zuvor der Frage nachgegangen: Warum der Name Gnadenkirche? Diese Bezeichnung erhielten ursprünglich nur sechs evangelische Kirchen in Schlesien. Die Errichtung beruhte auf einer Erlaubnis, auf einer Gnade, die der katholische Landesherr, Kaiser Josef I., 1707 gewährte. Und, was noch wichtiger war, er gewährte Glaubensfreiheit. Infolge von Flucht und Vertreibung fanden Schlesier hier eine neue Heimat. Auch Abraham habe seine Heimat nicht ganz freiwillig verlassen. Ihn habe Gott auf die Reise ins gelobte Land Kanaan geschickt. "Dort ist Abraham mit den Seinen das, was die Schlesier hier waren: Fremde. Erst mit dem Tod seiner Frau Sara beginnt für ihn, was wir als Heimat bezeichnen. Der gepflegte Umgangston aller Beteiligten hat mich beeindruckt", sagte Weih.

Denn dieser verrohe in unserer Gesellschaft immer mehr, verdeutlichte er an aktuellen Beispielen. So sei der Festtag zum Jubiläum nicht nur ein freudiges Ereignis, er lege auch den Finger in die Wunden unseres Landes. Und das sei gut so, denn gute christliche Tradition sei, dass man sein Tun immer wieder hinterfragt: "Ermöglicht mein Handeln ein gutes Leben vor Gott und mit den Menschen? Wo bleiben bei uns die Schwachen, die auf Hilfe angewiesen sind? Gnadenkirche - ist das bloß ein Wort oder soll es auch künftig unser Programm sein?"

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.