17.11.2019 - 13:48 Uhr
VilseckOberpfalz

Ausstellungseröffnung „Helden und Opfer“

„80 Jahre sind seit Kriegsbeginn vergangen, doch dürfen wir jene nicht vergessen, die ihr Leben für Volk und Vaterland hingegeben haben“, so Elisabeth Hammer, die Initiatorin einer ungewöhnlichen Ausstellung.

Die Ausstellung „Helden und Opfer“ im Zehentkasten auf Burg Dagestein ist eröffnet. (von links): Hartmut Schendzielorz (Volksbund deutscher Kriegsgräber), Gästeführerin Dorothee Schulze Zumhülsen, Heinrich Deinzer (Krieger- und Reservistenkameradschaft), Initiatorin Elisabeth Hammer und Bürgermeister Hans-Martin Schertl.
von Rosi HasenstabProfil

(rha) In jahrelanger Kleinarbeit hatte die ehemalige Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins 180 Sterbebilder von etwa 230 Gefallenen der Großgemeinde Vilseck und Umgebung zusammengetragen. Nun sind diese auf Anregung von Adolfine Nitschke, Kulturbeauftragte der Stadt, im Zehentkasten auf Burg Dagestein der Öffentlichkeit zugängig.

Hammer dankte allen, die ihr bei der Recherche geholfen und Sterbebilder sowie weitere Dokumente zur Verfügung gestellt haben. Dr. Ludwig Walter sprach sie ein besonderes Lob für seine Mithilfe beim Digitalisieren aus. Hammer freute sich auch über das Kommen der beiden Ortsheimatpfleger Josef Schmaußer (Hohenkemnath) und Sepp Strobl (Hirschau).

Namens der Stadt hieß Gästeführerin Dorothee Schulze Zumhülsen die Besucher willkommen und dankte den städtischen Mitarbeitern für die Unterstützung bei Vorbereitung und Aufbau. Die Online-Gräbersuche des Volksbundes deutscher Kriegsgräber gäben der Ausstellung eine besondere Note, erwähnte sie dankbar.

Viele Totenzettel im Album

Die Idee zu dieser Ausstellung entstand durch das Sterbebilder-Album von Elisabeth Hammers Mutter, Anna Engelhardt, deren Bruder, Georg Kredler, am 21. Oktober 1939 der erste Gefallene aus dieser Gegend war. Schon am 1. September 1944 starb ein zweiter Bruder, und ein dritter überlebte den Krieg schwerverletzt. Bis 1945 hatte sich das Album mit vielen weiteren Totenzetteln gefüllt.

Das Abschiedsgedicht, in dem Anna Engelhardt ihren Schmerz über den Tod ihrer Brüder zu verarbeiten versuchte, endete mit dem treffenden Satz: "Nur der Friede ist ein Sieg". "So wie meine Mutter haben viele Angehörige ihre Kriegstoten auf den Soldatenfriedhöfen Europas besucht", erzählte Hammer. Auch die Hinterbliebenen seien Opfer dieses schlimmsten Verbrechens der Menschheit gewesen, fügte sie hinzu.

Dem stimmte Hartmut Schendzielorz, Kreisvorsitzender des Volksbundes deutscher Kriegsgräber und Leiter des Europäischen Jugendprojekts Oberpfalz, zu. Diese ungewöhnliche Ausstellung diene nicht nur der Erinnerung an die Opfer, sondern auch der Bewusstseins-Schärfung für den Frieden, den es gemeinsam zu bewahren gelte, sagte Schendzielorz.

Über den langen Weg bis zur Entstehung des Vilsecker Kriegerdenkmals im Jahr 1923 berichtete Heinrich Deinzer, der stellvertretende Vorsitzende der Krieger- und Reservistenkameradschaft.

Alle drei Sekunden ein Opfer

Bürgermeister Hans-Martin Schertl dankte abschließend den Organisatorinnen für ihr Engagement. Zum Volkstrauertag und Totensonntag ergänze die Ausstellung perfekt das Gedenken an die Kriegstoten. In Europa hätten im zweiten Weltkrieg unvorstellbare 55 Millionen Menschen ihr Leben verloren, sagte Schertl. Das seien in jeder Minute 17 Tote gewesen; alle drei Sekunden habe es ein Opfer gegeben, fügte er nachdenklich an. Die Erinnerung könne nur mit Sterbebildern aufrechterhalten werden. "Ich hoffe aber, dass nie wieder Krieg über unser Land kommt und dass wir nie wieder Sterbebilder von Soldaten drucken müssen".

Die Ausstellung ist noch geöffnet von Freitag, 22. bis Sonntag, 24. November, jeweils von 14 bis 17 Uhr, sowie nach Vereinbarung. Der Eintritt kostet drei Euro. Neben den chronologisch angeordneten Sterbebildern sind zusätzliche Dokumente aus dem Stadtarchiv zu sehen, sowie Auskünfte aller Art erhältlich.

Am Totensonntag, 24. November, findet um 16 Uhr eine Führung mit Dorothee Schulze Zumhülsen statt, die sich unter anderem auch mit den geschichtlichen und überregionalen Zusammenhängen befassen wird. Elisabeth Hammer wird danach alle Exponate dem Stadtarchiv übergeben.

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