05.05.2019 - 17:33 Uhr
VilseckOberpfalz

Respekt und Ehrfurcht vor dem Wild

Prominenz, wohin das Auge blickt: Spitzen-Funktionäre geben dem Rotwild die Ehre, es lockt sie herbei, inklusive Landwirtschaftsministerin. Es gibt klare Aussagen beim Oberpfälzer Rotwildtag. Geweihe sind fast Nebensache. Aber nur fast.

Über 200 Jagdhornbläser umrahmten die Veranstaltung, ein Konzert unter Leitung von Ilona Rothballer schloss den Tag ab.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil
Das Wild stand im Mittelpunkt – ein Groß-Diorama verdeutlichte das in der Ausstellungshalle auf Gut Heringnohe bei Vilseck.
Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber wurde von Bezirks-Vorsitzendem Alexander Flierl durch die Schau geführt.
Ein Hingucker war die Präsentation der Jagdhunde, bei der auch sonst eher selten gesehene Rassen auf den Laufsteg kamen.
Forstdirektor Ulrich Maushake bestritt den jagdfachlichen Teil der Hege- und Naturschutzschau.

Es war der gemeinsame Versuch, die größte deutsche Rotwildschau mehr für die Bevölkerung zu öffnen, und die nahm das gerne an: Trotz des Regens füllte sich Gut Heringnohe bei Vilseck schon am Morgen. Die Bezirksgruppe des Bayerischen Jagdverbandes und die Staatsforsten hatten den Tag perfekt organisiert und ein attraktives Rahmenprogramm auf die Beine gestellt.

Vorsitzender Alexander Flierl zeigte sich dementsprechend stolz, als er die vielen Hundert Menschen im Stadel begrüßte. Ein Blick in die Gästeliste zeigte, dass das Thema Rotwild bei der Hege- und Naturschutzschau alle anzieht: Eine Vielzahl von Behördenleitern und Verbandspräsidenten, Vertreter der US Army und Bundeswehr, der Fischer, Imker, des Bauernverbandes, der Waldbesitzer, der Naturschutzverbände, der Naturnutzer und natürlich des Jagdverbandes füllten die ersten Reihen.

"Die Jagd ist als Thema in der Gesellschaft angekommen", stellte Alexander Flierl fest, und MdL Harald Schwartz, der mit seiner Kollegin Barbara Regitz aus Nürnberg, Ernst Weidenbusch und Staatssekretär Roland Weigert,den Landtag vertrat, sparte nicht mit Lob für den neuen Bezirksvorsitzenden, der sich auch im Parlament energisch für die Natur einsetze. Landrat Richard Reisinger bescheinigte, man könne hier mit jedem Wiesenzelt mithalten, und Vilsecks Bürgermeister Hans-Martin Schertl freute sich über Waidmänner aus dem ganzen Bundesgebiet.

Kritik an Schulze

Deutschlands Jäger-Präsident Hartwig Fischer griff gleich ein heißes Eisen auf, den Wolf: "Es kann doch nicht sein, dass eine Ministerin alle Fortschritte beim Wolfsmanagement blockiert und mit ihren NABU-Kontakten wie in einer Bananenrepublik agiert!", griff er Bundesumweltministerin Svenja Schulze wegen der ausufernden Bürokratie bei einem genehmigten Wolfsabschuss an.

Bayerns Jäger-Chef Jürgen Vocke lobte Alexander Flierl, der sich im Landtag maßgeblich für den Erhalt der Hegeschauen eingesetzt habe, und erinnerte daran, den Tierschutzgedanken auch bei der Jagd nie zu vergessen. Zum Stichwort Nachtzielgeräte meinte er: "Wenn wir die Nacht zum Tag machen, verlieren wir an Akzeptanz!" Die Gemeinsamkeit von Waldbesitzern, Jägern und den Bayerischen Staatsforsten beschwor deren Vorsitzender Martin Neumeyer als Credo.

Abschuss leicht gesenkt

"Wenn wir ein konfliktfreies Miteinander von Wölfen und Menschen erreichen wollen, muss es auch genug wilde Beutetiere geben", stellte der Leiter der Hegegemeinschaft Nord, Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, klar. Er bezifferte die Gesamtstrecke des Jagdjahres 2018 in Nord und Süd auf 1960 Stück von 2200 geplanten. Der neue Plan umfasse nur mehr 2160.

Zum Wolf meinte er: "Wir werden die Herausforderung annehmen und uns mit den Wölfen arrangieren." Artenvielfalt dürfe sich nicht nur auf Feldlerchen, Bienen oder eben Wölfe beschränken, sondern auch Rotwild-, Schwarz- und Rehwild sei ein wichtiger Teil des Ökosystems. Für den Süden berichtete Dr. Markus Perpeet von einer 85-prozentigen Abschusserfüllung mit 991 erlegten Stücken.

Der Dank der Veranstalter galt abschließend den 200 Bläsern für die Umrahmung, den Hausherren Joachim und Julian Götz sowie der Kirwagemeinschaft Sorghof für die Bewirtung.

Info:

Ministerin will Wölfe regulieren

„Ich stehe voll zu den Hegeschauen“, machte die Hauptrednerin, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, gleich eingangs deutlich. Die Jagd sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie dankte den Beteiligten aus den Reihen des BJV und der Waldbesitzer für ihr Engagement beim Volksbegehren. Die Hochwild-Hegegemeinschaften seien unverzichtbar für den Erhalt und die Vernetzung der Rotwild-Lebensräume.

Auch sie sprach den Wolf an: Es müsse wolfsfreie Zonen geben, und es gelte auf jeden Fall, die Weidetiere zu schützen. Sie wolle sich für eine Senkung des Schutzstatus’ auf EU-Ebene einsetzen, was eine Entnahme erleichtern werde. Auch ein EU-weites Monitoring sei nötig. „Es gibt Bereiche, wo der Wolf leben kann, aber für Bayern müssen wir ihm eine Absage erteilen!“

„Wir wollen die Wolfsbestände eigenverantwortlich regulieren können“, meinte sie im Hinblick auf mittlerweile 700 Wölfe in Deutschland. Die Zahl der Angriffe auf Nutztiere sei bundesweit dramatisch gestiegen – Hinweise, dass der Wolfsbestand präventiv kontrolliert werden müsse. Die Staatsregierung habe mit dem Aktionsplan Wolf einen wesentlichen ersten Schritt zu mehr Rechtssicherheit unter Anwesenheit des Großräubers getan.

Wetterextreme und ihre Auswirkungen aufs Wild beschäftigten die Ministerin ebenso, vor allem seit dem starken Wintereinbruch Anfang Januar. Ihre neue Forschungsinitiative werde sich mit dem Einfluss der Witterung auf das Gams-, Rot- und Rehwild im Bergwald befassen. Sie lobte die Jäger für die Regulierungsjagd auf das Schwarzwild, bei der alleine in der Region Amberg-Sulzbach 2900 und in ganz Bayern 95 000 Sauen zur Strecke gekommen waren.

Ausbauen wolle sie das Erfolgsmodell der Wildlebensraumberatung. Am Ende appellierte sie an Naturnutzer, Rücksichtnahme und Augenmaß beim Naturerleben walten zu lassen und die Bedürfnisse von Wildtieren zu respektieren

Info:

Starke Hirsche an der Wand

Prachtvolle Geweihe stellte Grafenwöhrs Forstdirektor Ulrich Maushake vor, ein Zeichen für die Vitalität und das ausgewogene Verhältnis beim Rotwild, das in und um die beiden Truppenübungsplätze lebt. 127 Hirsche habe die Kommission begutachtet, und der Experte stellte ausgewählte, interessante Trophäen vor. „Man kann in der Oberpfalz alte Hirsche erlegen“, konstatierte Maushake, der den stärksten Hirsch der Schau mit sieben Kilo Geweihgewicht und 207 Internationalen Punkten präsentierte. Die Ergebnisse sprächen insgesamt wieder klar für die selbst erarbeiteten Hegerichtlinien der Gemeinschaft Oberpfalz-Nord (Grafenwöhr)/Veldensteiner Forst und Oberpfalz Süd (Hohenfels). Es komme hier auf die Geweihmasse als Indikator an, nicht auf die Endenzahl wie anderswo.

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