04.07.2019 - 19:08 Uhr
VilseckOberpfalz

Seit 20 Jahren ohne Herbizide: Ein Getreidefeld blüht

Wintergerste und dazwischen Streifen aus rotem Mohn: Karl Trummer, der derzeit einzigen Biobauer im Gebiet der Stadt Vilseck bewirtschaftet seit 20 Jahren seine Äcker ohne Herbizide.

So schaut ein Bio-Acker von Karl Trummer in Oberweißenbach aus: Wintergerste mit Mohn-Streifen. Das Streifenmuster ergibt sich durch die besondere Anbauweise der Dammkultur. Dabei bleibt zwischen den Getreidereihen viel Platz für Wildkräuter und Feldlerchen.
von Öko-Modellregion Barbara StröllProfil

Das Getreidefeld auf der Kuppe südlich von Oberweißenbach fällt ins Auge: gelblich schimmernde Wintergerste und dazwischen Streifen aus rotem Mohn. Ein Acker von Karl Trummer, dem derzeit einzigen Biobauern im Gebiet der Stadt Vilseck. Seit 20 Jahren bewirtschaftet er seine Äcker ohne Herbizide. Daher findet man dort auch viele Ackerwildkräuter.

Der bunteste Acker sei heuer der "Teufelsacker" auf der Kuppe, schreibt Barbara Ströll von der Ökomodellregion Amberg/Amberg-Sulzbach in einer Presseinfo. "Der heißt bei uns so. Schon bei meinem Vater war das der Teufelsacker", sagt Trummer. Dass der Mohn in Streifen zwischen dem Getreide steht, ergibt sich durch die Dammkultur, eine besondere, pfluglose Anbauweise, die in der Region nur Trummer praktiziert. Dabei wird der Boden nahe der Oberfläche gelockert und zu 10 Zentimeter hohen, 60 Zentimeter breiten Dämmen aufgehäufelt. Auf den Kuppen werden je zwei Reihen Getreide gesät. Jetzt steht die Gerste mit 1,35 Meter Höhe gut da und reift langsam ab. Zwischen den Kuppen findet man viele Ackerwildkräuter.

Schon kurz nach Sonnenaufgang kann man die ersten Stein- und Erdhummeln beim Pollensammeln im Klatschmohn beobachten. Kornblumen bieten Pollen und Nektar und sind daher auch für Honigbienen attraktiv. Auch einige Ackerkratzdisteln stehen hier. Viele Bauern fürchten sie als Unkraut, da sie sich schnell stark vermehren kann. Trummer macht die Distel keine Sorgen. "Da hab' ich schon mehr gehabt. Ich baue alle vier Jahre Kleegras an. Das steht dann für zwei Jahre in der Fruchtfolge. Danach ist die Distel weg."

Disteln sind mit ihrem reichen Angebot an Nektar und Pollen sehr attraktiv für Blütenbesucher. Wildbienenspezialist Karl-Heinz WickI aus Schnaittenbach weiß, dass die Distelblüten von 292 verschiedenen Insektenarten besucht werden. Etwa ein Drittel der typischen Ackerwildkräuter steht in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Karl Trummer hat heuer einige seiner Äcker untersuchen lassen. Auf dem Teufelsacker sind etwa 40 Arten erfasst worden. Darunter auch zwei der Roten Liste: der Acker-Hahnenfuß und die Ackerröte. Scheinbar profitiert hier auch die Feldlerche von Trummers Wirtschaftsweise: Über dem Teufelsacker sind außergewöhnlich viele Lerchen zu sehen.

Und wie schaut es mit der Ernte aus? "Meine Getreideerträge liege mit 25 bis 35 Doppelzentner pro Hektar im üblichen Bereich für den Ökolandbau", erklärt Trummer. Seine Milchkühe bekommen die Körner als ergänzendes Kraftfutter und das Stroh als Einstreu. Die Milch vom Biohof Trummer holt die Bayernland-Genossenschaft ab, sie wird im Amberger Milchhof verarbeitet Und Trummer erhält jedes Jahr Honig - ein Geschenk der Oberweißenbacher Imkerfamilie Merkl. Diese hält derzeit fünf Bienenvölker und freut sich, dass sie von ökologisch bewirtschafteten Flächen umgeben sind.

Hintergrund:

Ökologischer Landbau

Im ökologischen Landbau dürfen keine Herbizide eingesetzt werden. Unkräuter werden durch Bodenbearbeitung mit Striegel oder Hacke sowie durch eine passende Fruchtfolge unterdrückt. Viele Biobauern verzichten auf das Striegeln. Dann findet man im ganzen Acker typische Wildkräuter. Das können Mohn und Kornblume sein, die für jeden sichtbar sind, oder kleine Wildkräuter, die man nur in Bodennähe sieht.

Wildbienen

Während die Hummeln vor allem Nektar sammeln, um ihr Volk zu ernähren, brauchen die einzeln lebenden übrigen Wildbienen-Arten vor allem Blütenstaub. Den sammeln sie und legen damit Proviant-Päckchen für den Nachwuchs an. Solche Pollenpäckchen findet man in den meist röhrenförmigen Nestern der solitären Bienen in Halmen, Erdhöhlen oder Holz.

Auch der gelb blühende Acker-Hahnenfuß ist auf Trummers Äckern zu finden. Charakteristisch sind die stacheligen Früchte dieser zarten Pflanze. Er steht auf der Roten Liste der in Deutschland gefährdeten Arten.
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