10.07.2020 - 11:05 Uhr
VilseckOberpfalz

Uhr am Vilsecker Vogelturm macht wieder Dong

Die historische Uhr im Vogelturm schlägt wieder. Einige Tage stand sie still, weshalb eine Spezialfirma aus Ulm anrücken musste und die Uhr wieder zum Laufen brachte.

Der städtische Mitarbeiter Michael Nutz, Marianne Fenk, Reinhold Rittmeier von der Firma Hörz und Bürgermeister Hans-Martin Schertl (von links) vor dem historischen Uhrwerk im Vogelturm.
von Redaktion ONETZProfil

Reinhold Rittmeier von der Firma Hölz repariert seit 20 Jahren historische Uhrwerke und überholte nun auch das Exemplar im Vogelturm professionell. Bei dieser Gelegenheit wies er auch gleich den für die städtischen Liegenschaften verantwortlichen Mitarbeiter Michael Nutz in die Funktionsweise des Uhrwerks ein, so dass er kleinere Wartungsarbeiten künftig selbst erledigen kann.

Die historische Uhr im Vogelturm stammt aus dem Jahr 1881 und ist die Stiftung eines gewissen Hirsch aus München, eines gebürtigen Vilseckers. Die Beleuchtung der Anlage stiftete 1932 der Apotheker Otto Eckstein. Die Zifferblätter wurden in den Jahren 1912 und 1933 erneuert, das Uhrwerk bei der Sanierung des Vogelturms in den 90er-Jahren überholt.

Die Turmglocke – sie ist 90 Pfund schwer und hat einen Durchmesser von 32 Zentimetern – wird im Volksmunde auch Hussiten- oder Feuerglocke genannt. Wegen ihres Bronzegehalts musste sie am 1. Juli 1942 als Kanonenmetall abgeliefert werden. Von der Glockensammelstelle im Baugeschäft Strobl in Sulzbach gingen die Glocken nach Hamburg. Ein gütiges Geschick bewahrte die Vilsecker Glocke aber vor dem Einschmelzen und führte sie Ende des Jahres 1947 wieder in die alte Heimat zurück. Eine Zeit lang lagerte sie im Rathaus, ehe sie wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückkehrte. Dies war der 13. Juli 1948. Viele Jahre tat sie ihren Dienst als Stundenglocke. Früher wurde sie bei einer Feuersnot im Orte geläutet. Ihr wimmernder, durch Mark und Bein gehender Ton rief die Bürger zur tätigen Hilfe auf. Eine Jahreszahl zeigt die Glocke nicht.

Seit vielen Jahrzehnten den Vogelturm hoch

Auch heute noch wird die Uhr jeden Tag per Hand aufgezogen. Seit mittlerweile 50 Jahren steigt die 84-jährige Marianne Fenk um die Mittagszeit die vielen Stufen hinauf ins Obergeschoss des Vogelturms und verrichtet diese Arbeit mit einer Handkurbel. Der Vogelturm wurde früher von zwei Familien bewohnt, die sich auch darum kümmerten. Nach deren Verlassen im Jahr 1970 fragte der damalige Bürgermeister Müller bei der Nachbarsfamilie Fenk an, ob sie nicht weiterhin diese Aufgabe übernehmen könnte. Die Fenks stimmten zu. Einige Jahre lang beteiligten sie auch die Kinder am Aufziehen. Seit deren Auszug übernahm Marianne Fenk allein diese Aufgabe und müht sich jeden Tag die vielen Stufen hoch in das oberste Turmgeschoss.

Der historische Uhrenkasten kann mit vielen anderen Exponaten aus der damaligen Zeit besichtigt werden. Das Erste Deutsche Türmermuseum ist jeden Freitag, Samstag und an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Diese Gewichte zieht Marianne Fenk täglich mit ihrer Handkurbel hoch nach oben in die Turmspitze.
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