29.11.2019 - 10:26 Uhr
VohenstraußOberpfalz

60 Jahre evangelischer Posaunenchor

Am ersten Adventssonntag jährt sich heuer zum 60. Mal der erste Auftritt des Posaunenchors in Vohenstrauß. Seither wirken die Musiker erfolgreich in der Kirchengemeinde und darüber hinaus.

Auf dem Bild ist die erste Mannschaft des evangelischen Posaunenchors zu sehen. Hintere Reihe, von links: Lorenz Münchmeier, Hermann Fuchs, Helmut Reinl, Wolfgang Meierhöfer, Max Höllerer, Herbert Reinl, Sieglinde Fuchs, Hans Lang. Vordere Reihe, von links: Hans Zwick, Erika Böhmert, Karl Höllerer, Ursula Scholz und Helmut Roder
von Elisabeth DobmayerProfil

Der erste Advent ist in der evangelischen Gemeinde heuer mit einem ganz besonderen Jubiläum verbunden: 60 Jahre evangelischer Posaunenchor Vohenstrauß. Das 60-jährige Bestehen ist sicher ein Anlass dankbar zurückzublicken und mit Pauken und Trompeten festlich zu feiern. Es verdient Respekt, wenn eine musikalische Gemeinschaft wie der Posaunenchor so viele Jahre segensreich in der Kirchengemeinde wirkt und die Mitglieder sich ins Kirchenleben einbringen. Einer der sich noch sehr gut an diesen ersten Adventsonntag 1959 erinnern kann, ist Erwin Scholz, der heute selbst an vorderster Front als Posaunenchorleiter seinen Dienst verrichtet. Als er damals mit Spannung die Stadtkirche betrat, hörte er den Choral „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ aus dem altehrwürdigen „Zahn“-Choralbuch. Drei Jahre dauerte es, bis Gründervater Karl Höllerer im Hause Scholz vorsprach und anfragte, ob nicht Erwin Scholz zum Posaunenchor kommen wolle. Er lernte damals gerade Klavier. „Für Dich ist das doch kein Problem“, lautete seine Aussage. Doch weit gefehlt, meinte Scholz. „Das Blasen auf einem Flügelhorn und der Anschlag auf einem Klavier sind zwei Paar Schuhe.“

Wer Posaunenchor hört, denkt unweigerlich an viele schöne aber genauso traurige Momente. Wie viele Jubelfeiern oder Geburtstagsständchen wurden durch die Musiker schon gestaltet und zu einem Erlebnis, aber auch wie viele traurige Auftritte wie Begräbnisfeiern wurden von ihnen bewältigt. Wie viel Kraft, Geduld und Mut war nötig, um all diese Einsätze, auch auf katholischer Seite, zu begleiten. Seit etwa 250 Jahre gibt es Posaunenchöre. In Bayern wurde der erste Posaunenchor 1865 in Neuendettelsau gegründet, 20 Jahre später der zweite in Wettelsheim. Seit 60 Jahren gibt es auch in der Pfalzgrafenstadt einen Posaunenchor. Dies bedeutet sechs Jahrzehnte Verschönern und Verlebendigen großer Ereignisse des Gemeindelebens, aber auch Gemeinschaftspflege im musikalischen Miteinander. Es war im Jahr 1958 als ein Pfarrer und zwei Männer die Idee hatten, einen Posaunenchor zu gründen. 10 Jungen und 3 Mädchen wollten es wagen und erlernten ein Blechblasinstrument.

Dem Einsatz und Eifer von Jakob Fischer, Pfarrer Werner Steib und Karl Höllerer war es zu verdanken, dass die Gründung, ein Jahr später im Jahr 1959 schnell verwirklicht werden konnte. Um die Kosten für die Anschaffung der Instrumente zu finanzieren, wurde eine Sammlung in der Kirchengemeinde gestartet.

Dabei kamen im März 1959 rund 2620 Mark zusammen. Mit diesem Grundstock wurden zehn neue und vier gebrauchte Instrumente sowie Notenständer- und taschen aber auch Noten gekauft. Weitere Spenden kamen bis 1961 in Höhe von 268 Mark von 23 Personen dazu.

Die Ausgaben für die Gründung betrugen laut Kassenbuch 4054,75 Mark. Davon konnten 2888 Mark allein durch Spenden finanziert werden, den Rest steuerte die evangelische Kirchengemeinde bei. Mit den Mitteln wurden fünf Trompeten, beziehungsweise Flügelhörner, drei Tenorhörner und zwei Posaunen gekauft.

Der Gründung kam zugute, dass in der Gemeinde drei Bläser der ehemaligen Stadtkapelle beheimatet waren, die sich für den Aufbau eines Posaunenchors zur Verfügung stellten. Als erster ist hier Karl Höllerer, auch als "Bene" bekannt, zu nennen, der sich bereiterklärte, die Leitung zu übernehmen.

Max Höllerer versprach, die Posaunisten auszubilden und Lorenz Münchmeier stellte sich als ehemaliger Bassbläser für den neuen Chor zur Verfügung.

Zur ersten Mannschaft gehörten: Helmut Reinl, Manfred Höllerer, Wolfgang Meierhöfer, Günther Zwick, Ulrich Skriebeleit, Hans Lang, Hermann Fuchs, Lorenz Münchmeier, Ursula Scholz, Erika Böhmert, Fritz Peugler, Hans Zwick, Helmut Roder, Herbert Reinl, Sieglinde Fuchs, Erich Hilburger und Max Höllerer.

Im Mai 1959 begannen die Proben. Bis zu dreimal in der Woche trafen sich die Musiker zum Spielen. Der Lohn blieb nicht aus. Schon am ersten Adventssonntag 1959 gestaltete der Posaunenchor den Gottesdienst festlich mit und seither ist die Gruppe nicht mehr aus der evangelischen Kirche und darüber hinaus wegzudenken.

Karl Höllerer, Schneider und Landwirt, übergab nach fünf Jahren wegen einer Krankheit und seines Alters die Leitung an Hauptlehrer Johannes Bittig. Schon ein Jahr später, am 23. Oktober 1965, verstarb er im Alter von 74 Jahren. Doch auch Johannes Bittig erkrankte und verstarb im Jahr 1969.

Mit Nachfolger Hermann Fuchs wuchs ein Schüler des Gründers aus dem Posaunenchor hervor, der für die folgende Zeit die Leitung in seine Hände nahm. Er verstand es die Bläsergruppe zusammenzuhalten und weiteren Nachwuchs auszubilden. So zählte der Chor zum zehnjährigen Bestehen 24 Aktive. Aus beruflichen Gründen und wegen des Umzugs nach Mittelfranken verlor der Chor aber 1970 auch diesen Leiter.

Nach dessen Ausscheiden übernahm Heinrich Hofmann die Verantwortung, bis Albert Sommer als Studienreferendar der Musikerziehung, die musikalische Leitung bis 1978 übernahm. Von 1978 bis 1985 kam schließlich Erwin Scholz als Nachfolger, bevor von 1985 bis 2003 Pfarrer Hermann Bock das musikalische Zepter in den Händen hielt.

Während unter Erwin Scholz das 25-jährige Bestehen mit einem "herausragenden musikalischen Höhepunkt" gefeiert wurde, war der ehemalige evangelische Stadtpfarrer mit 18 Jahren an der Spitze des Posaunenchors der dienstälteste Leiter. Nach der Pensionierung von Pfarrer Bock übernahm erneut Erwin Scholz den Taktstock und leitet die Gemeinschaft seither souverän durch die Zeit.

Zum 60-jährigen Jubiläum findet am 1. Dezember, um 10 Uhr, ein Festgottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche statt. Im Anschluss an den Gottesdienst lädt die Kirchengemeinde alle ehemaligen Bläser zum gemeinsamen Mittagessen ein.

Erwin Scholz gibt derzeit wieder den Takt an beim evangelischen Posaunenchor. Zum zweiten Mal sprang er in die Bresche als der Posten vakant war. Er freut sich mit seinen Musikern auf das bevorstehende Jubiläum.
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