28.05.2020 - 19:06 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Ärger über Notbetreuung in den Ferien: "Wir sind die Lehrer, nicht die Betreuer"

Die Lehrer in Bayern sollen sich in den Pfingstferien um Schulkinder kümmern, deren Eltern Anspruch auf die Notbetreuung haben. Ihr Verband sorgt sich um die Gesundheit der überlasteten Pädagogen und fordert freie Tage zur Erholung.

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnen-Verband in der Oberpfalz bespricht die geplante Notbetreuung von Schulkindern während der Ferien in einer Videokonferenz.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Digitaler Unterricht, Präsenzunterricht für bestimmte Jahrgangsstufen und nun Notbetreuung in den Pfingstferien. "Das ist jetzt fast nicht mehr machbar", schimpft Katja Meidenbauer. Seit 13. März, als Ministerpräsident Markus Söder die Schließung der Schulen angekündigt hat, habe sich das Leben der Lehrer komplett verändert. "Lehrer und Schulleitungen sind im Dauereinsatz", eine Pause zur Erholung sei dringend nötig.

Laut Meidenbauer, die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband in der Oberpfalz (BLLV), seien viele Lehrkräfte überlastet. Zuerst mussten sie mit dem Homeschooling zurechtkommen. Nicht an jeder Schule habe es bereits vor der Pandemie Systeme und Geräte gegeben, mit denen Lehrer und Schüler arbeiten konnten. Die Pädagogen mussten lernen, wie sie ihren Präsenzunterricht in eine digitale Form übersetzen, klären, welche Programme sie verwenden dürfen und was nicht, wie sie diese bedienen. Diese Hürden seien überwunden.

Dann musste die "sukzessive Schulöffnung nebenbei von den Schulleitungen organisiert, Hygienepläne unter Zeitdruck entwickelt und vor Ort passgenau umgesetzt werden", erläutert die BLLV-Vorsitzende. Nun halten viele Lehrer Unterricht für die Schüler, die in die Schulen zurückkehren durften. Aber: "Es gibt immer weniger Schultern, die im Präsenzunterricht da sind", sagt die Leiterin der Grundschule Bechtsrieth (Kreis Neustadt/WN). Denn ausgenommen davon sind Kollegen über 60 Jahre und Schwangere.

Diese Pädagogen, die Präsenzunterricht halten müssen, sollen in den Pfingstferien nun auch die Notbetreuung der Kinder von der ersten bis zur sechsten Jahrgangsstufe übernehmen, deren Eltern Anspruch darauf haben. Der Aufwand dafür ist recht unterschiedlich: An mancher Schule müssen sie nur ein Kind beaufsichtigen, woanders werden drei Gruppen gebildet, weiß die Grundschulleiterin.

Digitaler Unterricht, Präsenzunterricht, Notbetreuung an Werktagen von 8 bis 16 Uhr: "Drei Mal 100 Prozent geht einfach nicht." Es gebe Mittelschulen mit 100 Abschlussschülern, die eine Projektprüfung in kleinen Gruppen ablegen müssen. Immer seien zwei Lehrer anwesend. Der hohe personeller Aufwand - "das geht sich nicht mehr aus."

Die Belastung sei zu hoch. Der Dienstherr müsse auf die Gesundheit seiner Mitarbeiter achten, habe eine Fürsorgepflicht, erinnert Meidenbauer, die aus Vohenstrauß stammt. Zudem herrscht Lehrermangel. Die meisten Lehrkräfte und Schulleitungen seien durch ihr hohes Engagement ständig überbelastet und gefährden ihre Gesundheit. Aber: "Im September brauchen wir fitte Lehrer", betont sie.

Die Notbetreuung in den Osterferien hätten die Lehrer gerne übernommen. Doch jetzt fordert die BLLV-Vorsitzende eine andere Lösung, damit sich ihre Kollegen in den Ferien erholen können. Sie schlägt vor, dass Einrichtungen und Organisationen, die die Nachmittagsbetreuung oder in normalen Ferien eine professionelle Ferienbetreuung angeboten hätten, die Notbetreuung übernehmen. Erzieher und Sozialpädagogen seien dafür auch besser ausgebildet. "Wir sind die Lehrer, nicht die Betreuer."

Dass sich Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) spontan anders entscheidet, glaubt Meidenbauer nicht. Aber eine Notbetreuung in den Sommerferien? "Das ist nicht machbar."

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