24.02.2020 - 12:32 Uhr
VohenstraußOberpfalz

"Die alte Dame" in Vohenstrauß

Das Forum-Theater Wien begeisterte Schüler und Lehrer bei der Präsentation des Werks von Friedrich Dürrenmatt. Demnach ist der "Besuch der alten Dame" ein Werk, das auch heute noch eine Botschaft in sich trägt.

In der Komödie "Der Besuch der alten Damen" rechnet Friedrich Dürrenmatt mit der Heuchelei und Ehrlosigkeit einer scheinbar integeren Gesellschaft ab.
von Josef PilfusekProfil

„Der Besuch der alten Dame“ hat bei den Schülerinnen und Schülern der Klassen 7 bis 10 der Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule nachhaltige Eindrücke hinterlassen. Und so sprach Lehrerin Martina Maier nach der Aufführung des Forum-Theaters Wien am Freitag von einer beeindruckenden Leistung der Akteure Erika Duma, Peter Arnt und Valentin Haiden und freute sich über die Aufmerksamkeit der jungen Leute.

Die Tragikomödie zählt zu den bekanntesten Werken von Friedrich Dürrenmatt. Der Schweizer Autor lebte von 1921 bis 1990 und schrieb in dieser Zeit dutzende Theaterstücke und Prosatexte. Zudem ist er für seine Dramentheorie bekannt geworden. Ähnlich wie Berthold Brecht vertrat Dürrenmatt die These, dass Theater den Zuschauer zum Nachdenken anregen soll. Im Zuge seiner Dramentheorie entwickelte er die Form Tragikomödie, die Elemente der Komödie und Tragödie verbindet. Genau dazu zählt „Der Besuch der alten Dame“ aus dem Jahr 1956.

Dürrenmatts Werk entstand in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg während des sogenannten „Wirtschaftswunders“ und steht im Zeichen von Geldgier und Käuflichkeit der Menschen. Als die in Güllen /Schweiz als Klara Wäscher aufgewachsene und zur Milliardärin gewordene „Alte Dame“ (Erika Duma) zurückkommt, will der Bürgermeister (Valentin Haiden), dass ihre alte Jugendliebe Alfred Ill (Peter Arnt) sie zu einer Spende in Millionen-Höhe überredet.

Claire und Alfred besuchen Orte ihrer gemeinsamen Vergangenheit, und schließlich verkündet die „Alte Dame“, Güllen gar eine Milliarde zu schenken, allerdings mit der Bedingung, dass jemand Alfred töten muss. Grund: Er hatte als damals 19-Jähriger die zwei Jahre jüngere Claire geschwängert, jedoch die Vaterschaft geleugnet und sogar das Gericht manipuliert, sodass Claire verstoßen worden war. Mit der Tötung Alfreds möchte sie nun die Ungerechtigkeit sühnen und ist sicher: „Mit Geld kann man alles kaufen.“

„Ich lasse das Städtchen meiner Jugend nicht im Stich“, verspricht der reiche Gast, bevor sich herausstellt, dass dieser schon alle Häuser und Betriebe in Güllen gekauft hat. Damit erhöht Claire den Druck auf die Bürger, ihrer Forderung zuzustimmen. Und sie hat recht. Die Leute stimmen für sie.

Als Alfred schließlich stirbt, verkündet der Bürgermeister Alfred Ableben als „Tod aus Freude“.

Peter Arnt als Leiter des Ensembles stellt am Ende die Frage, was oder wie viel ein Menschenleben wert ist und bezieht sich dabei auf aktuelle Ereignisse, wie das Ertrinken zahlreicher Bootsflüchtlinge im Mittelmeer oder Hungerkatastrophen in Afrika. „Dürrenmatt wollte den Menschen den Spiegel vorhalten“, beschreibt er dessen Werk und betont: „Wenn wir uns alle wertschätzen, gibt es weder Hass noch Krieg.“

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