David Höner (66) – Koch, Journalist, Autor – hat 2005 die Hilfsorganisation „Cuisine sans frontières“ (CSF) gegründet. Das „CSF“ prangt am Revers des schwarzen Sakkos, das er bei einem Besuch im „Friedrich“ trägt. Und anbehält: Ursprünglich war geplant, dass er das abendliche Menü zusammen mit der Küchenchefin „Milly“ Rinaldi kocht, aber Höner sagt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien: „Was soll ich dabei? Das ist ein Spitzen-Menü, damit könnte man viele Blumentöpfe holen. Chapeau!“ Er sagt das in diesem wunderbar warmen, gleichsam einlullenden Schweizer Dialekt, zu dem so gar nicht passen will, was der Mann wenig später unverbrämt auf den Tisch schleudert. Dass nämlich die Welt an der Gastronomie entweder genesen kann oder endgültig scheitert.
Nichts gegen den Imbiss-Stand
Höners Mantra klingt wie ein „Großer Gott, wir loben dich“, umgedichtet auf die Gastronomie. Eine Gastronomie, die den Namen verdient. Ob in der Küche ein Sterne-Koch steht oder ein No-Name werkelt, ist nicht wichtig. Gastronomie im Sinne Höners kann auch ein Imbiss-Stand am Stadtrand von Weiden sein, sofern das, was über den Tresen geht, etwas mit Lebensmitteln zu tun hat. Eine Sache, die Höner Fast-Food-Ketten wie der oben genannten abspricht.
Gastronomie als wesentlicher Faktor für eine gesunde Volkswirtschaft, das war Höners Worten zufolge der Ansatz für die Gründung von „Cuisine sans frontières“, einer Hilfsorganisation, die in Krisengebieten Dorfrestaurants, Wirtschaften, Garküchen aufgebaut hat - immer mit der Überzeugung im Hinterkopf: Wo Menschen miteinander essen, schießen sie nicht aufeinander. Wo Menschen unter dem Schutz eines neutralen Gastgebers die Möglichkeit haben, miteinander über einer Mahlzeit ins Gespräch zu kommen, verstummen die Waffen, entstehen möglicherweise Brücken. Höner bezeichnet sich als „Friedensarbeiter im weitesten Sinn“. Denn seine Küchen in Krisengebieten seien, wie sich gezeigt habe, ein Bindeglied für einsame Menschen in Angst, Menschen, die nichts mit den Kriegen um sie herum zu tun hätten, die nur Spielbälle der feindlichen Gruppen seien.
Höner lebt seit 1994 mit seiner Frau, einer Regisseurin und Schauspielerin, in Quito, Ecuador; mit seinen Einsätzen für „Cuisine sans frontières“, längeren Aufenthalten in umkämpften Krisengebieten mit extrem eingeschränkter Kommunikation nach Hause, riskierte er beinahe seine Ehe, seit ein paar Jahren steht er nicht mehr in vorderster Front der Küchen zwischen den feindlichen Linien. Seither bleibt mehr Zeit zum Schreiben und zu Touren durch eine Gastronomie („die Wissenschaft von der Pflege des Bauches“), wie Höner sie sich vorstellt und von der er glaubt, „dass sie die Welt retten wird“. Eine Gastronomie, die „Verwerfungen“ gegenüberstehe wie den Imperien namens Nestlé oder McDonalds. Eine Gastronomie, „die sich nicht abtrennt von den lokalen und sozialen Bedürfnissen einer Gesellschaft, für die sie arbeitet“.
Wie kommt einer wie Höner ins „Friedrich“? Hier kommt der politisch engagierte Münchner Weinhändler Jörg Linke (mut, Slowfood) ins Spiel. Er hat den Kontakt hergestellt. Er kocht an diesem Tag auch mit am Menü, wenn auch nur als Handlanger Milly Rinaldis.
Verrückt, aber zukunftsweisend
David Höner bezeichnet Reisbergers Konzept als ebenso „verrückt“ wie ein exaktes Beispiel für die Art von Gastronomie, die seiner Ansicht nach die Welt retten kann. Und das ist in den Augen Höners eine Gastronomie, die mit Lieferanten aus ihrem unmittelbaren Umfeld zusammenarbeitet und bestenfalls auch noch „ein sozialer Arbeitgeber“ ist. Dafür lohne es sich zu kämpfen, sagt der Schweizer.
Am Rand bemerkt Höner, entscheidend sei, dass man dabei Unterstützung erfahre. So wie an diesem Tag, als Bürgermeister Andreas Wutzlhofer persönlich die kleine Bühne für diesen Abend vorbeigebracht und mit aufgebaut habe.
Das Menü
- Vorspeise: Ceviche von der Forelle (alternativ: Ceviche de Champiñones) mit Schichtsalat aus Kartoffelpüree und gelber Chili
- Hauptgang: Picanha vom Oberpfalz-Rind (alternativ: veganes Burgerpattie) mit Chimichuri und Salzkartoffeln
- Dessert: Dreierlei von Zwetschge (Eis, Tarte, lauwarmer Schokokuchen)













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