11.10.2018 - 14:08 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Briefe wieder in Mode

Immer mehr Bürger geben schon vor dem Wahlsonntag ihre Stimme ab. Im Altlandkreis hat sich die Zahl der Briefwähler im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl deutlich erhöht. Nur eine Gemeinde schert aus.

Immer mehr Bürger sparen sich den Gang zur Urne und wählen per Brief.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Thomas Herrmann ist Leiter des Wahlamts für die Stadt Vohenstrauß. Ihn wundert der Anstieg der Briefwähler nicht. Vor fünf Jahren hatten bei rund 6000 Wahlberechtigten noch etwa 1600 per Brief gewählt. Nun sind es 2100. "Früher hat man für die Briefwahl einen wichtigen Grund gebraucht. Das ist jetzt weggefallen", sagt Herrmann. Außerdem könne man inzwischen sogar die Wahlunterlagen im Internet bestellen, nicht nur schriftlich oder persönlich. Auch in der Stadt Pleystein gibt es einen klaren Trend: Bei rund 2000 Wahlberechtigten werden am Sonntag etwa 820 per Brief abgestimmt haben. Im Jahr 2013 waren es noch 630. Geschäftsleiter Günther Gschwindler vermutet, die nächste Generation der Wahlberechtigten schaue sich inzwischen zu Hause sehr konkret die Bewerber an und informiere sich auch im Internet über die Kandidaten.

"Es ist nicht mehr so, dass die Leute kein Gesicht mit dem Namen verbinden können." Früher hätten die Wähler bei der Stimmabgabe das erste Mal den Stimmzettel gesehen. "Und dann hat man keine Möglichkeit mehr, sich zu informieren, obwohl sich einige sicher vorbereiten."

Für den Sachbearbeiter beim Thema Wahlen in Pleystein und Georgenberg spielt aber auch das zunehmende Alter der Wähler eine Rolle: "Vor dem Hintergrund einer Seh- oder Gehbehinderung bevorzugen sie die Briefwahl." Außerdem sei es natürlich praktisch, am Sonntag nicht unbedingt den offiziellen Gang zum Wahllokal antreten zu müssen.

In fast allen Gemeinden des Altlandkreises ist der Trend zu beobachten. Gschwindler gibt für Georgenberg einen Zuwachs auf 360 Briefwähler (2013: 278) bei 1091 Wahlberechtigten an. Die Briefwähler in Tännesberg steigen laut Auskunft von Jutta Schmid auf rund 460 (2013: 385) bei 1251 Wahlberechtigten und in Leuchtenberg von 250 bei der vorherigen Landtagswahl auf etwa 300, bei 1004 Wahlberechtigten. Die Marktgemeinde Moosbach meldet bei 1965 Wahlberechtigten rund 550 Briefwähler. 2013 waren es noch 345. In Waldthurn werden es laut Schätzung am Ende 650 Briefwähler bei rund 1600 Wahlberechtigten sein. Vor fünf Jahren waren es noch 476. Auch in Waidhaus steigt die Zahl der Briefwähler von 605 auf etwa 700, bei aktuell 1801 Wahlberechtigten. In Eslarn hält sich der Zuwachs der Briefwähler in Grenzen: Waren es bei der Landtagswahl 2013 noch 748 Briefwähler, so werden bei diesem Urnengang etwas mehr als 800 Wähler per Brief abstimmen, bei aktuell 2228 Wahlberechtigten. Wahlsachbearbeiter Georg Würfl erklärt das so: "Eslarn war schon immer auf einem höheren Level, deshalb haben wir keine so starke Zunahme." Der Anteil der Briefwähler an den Wahlberechtigten schwankt im Altlandkreis zwischen 40 Prozent (Pleystein) und 28 Prozent (Moosbach). Wenn die Wahlbeteiligung wieder wie im Jahr 2013 bei rund 64 Prozent liegt, heißt das, etwa die Hälfte der Bürger hat ihre Entscheidung schon vor dem Wahlsonntag getroffen.

Der Trend, sich den Urnengang zu sparen, hat aber bei allen praktischen Vorzügen auch eine negative Auswirkung, ergänzt der Vohenstraußer Wahlleiter Herrmann: "Wenn kleine Stimmbezirke unter 50 Stimmen kommen, dann fallen sie irgendwann weg."

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