30.08.2018 - 10:00 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Dürre Pflanzen, dürre Tiere

Für die Landwirte in der Region ist die Trockenheit eine Belastung. Nicht nur die Ernte fällt mager aus. Auch das Futter für die Tiere fehlt. Für manche Viehzüchter ist es nur ein Geldproblem. Andere verkaufen ihre Tiere an den Schlachter.

Die Felder werfen kaum etwas ab. Das Tierfutter fehlt. Das macht den Viehzüchtern der Region große Sorgen.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Viehhändler Herbert Eckl hätte in den vergangenen Wochen auch gut Futterhändler sein können. Die Landwirte um Vohenstrauß fragten den Mann aus Straßenhäuser immer wieder, ob er nicht doch noch wüsste, wo Mais oder Stroh herzubekommen sei. "Jeder hat zugekauft. Von überall her, was es halt gegeben hat." Inzwischen hat sich die Lage für die Viehzüchter entspannt, denn die Maisernte ist etwas besser ausgefallen, als erwartet. Doch die Trockenheit bereitet den Landwirten weiterhin Kopfzerbrechen. Sie konnten in diesem Jahr nicht genug Futter für ihre Rinder und Schweine ernten und sind auf Vorräte oder Zukauf angewiesen. Oder sie reduzieren ihren Bestand: Deshalb haben sie in den vergangenen Wochen sehr viele ihrer Tiere an Eckl verkauft. "Es war fast das Doppelte an Schlachtvieh", erinnert sich der Viehhändler. "Da bin ich gefahren, da ist mein Sohn gefahren, die Schlachthöfe haben uns gesagt: Mensch, jetzt macht mal langsam." Auch für die Schlachtereien wurde die Verarbeitung immer schwieriger. "Die haben eingekühlt. Und der Preis ist zurückgegangen." Eckl erinnert sich an kein Jahr mit vergleichbarer Dürre. "Das ist noch nicht ausgegessen, mit dem Futter."

Nebenerwerbslandwirt Jürgen Hilburger aus Altenstadt hat es noch ganz gut erwischt: Er hat nicht so viele Tiere. Der Vorsitzende der Bäuerlichen Schlachtgemeinschaft Vohenstrauß besitzt etwa 90 Rinder. Bereits im Juni hat er begonnen, beim Futter zu sparen. "Wir haben so wenig Stroh rund um Vohenstrauß, Waldthurn, Unterlind, ... Wir haben 62 Siloballen aus der Nähe von Deggendorf herkarren lassen. Die nördliche Oberpfalz hat es schon hart erwischt. In Cham war es nicht so schlimm und in Regensburg auch nicht."

Manfred Bäumler bewirtschaftet zusammen mit seinem Bruder Martin einen Mischbetrieb in Obertresenfeld. Die Brüder haben im vergangenen Jahr viele Vorräte gebildet. Die Versorgung der rund 250 Rinder ist deshalb kein Problem. "Finanziell ist es aber auf jeden Fall relevant", meint Manfred Bäumler. "Wir haben 250 Ballen Stroh aus Tschechien gekauft." Pro Ballen hat er 40 Euro bezahlt. Doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Reserven kann er in diesem Jahr wahrscheinlich nicht bilden. Und auch die Einnahmen aus der Biogasanlage fehlen: Es ist einfach nichts übrig, was dort verwerten werden könnte. Bäumler setzt nun auf steigende Verkaufspreise, um seine Verluste auszugleichen.

Ein paar Häuser weiter steht der Hof von Georg Haberkorn. Der Obertresenfelder weiß, anders als Bäumler, gerade noch nicht, wie er seine Tiere durch den Winter bringen wird. Die Maisernte war für ihn zwar in Ordnung, "der war frühreif, da ist zu wenig Stärke drin, das müssen wir ausgleichen", das Grünland ist von der Trockenheit aber sehr stark betroffen: "Der erste Schnitt war schon nicht genug, der zweite nicht einmal die Hälfte, der Dritte war gar nichts." Üblicherweise mähen die Bauern pro Jahr viermal ihre Wiesen. Haberkorn fehlen in diesem Jahr "praktisch zwei Schnitte". Denn auch vom vierten Schnitt erwartet er keine Wunder: "Wenn's nicht bald regnet, geht nichts mehr. Jetzt wird's dann kälter. Der letzte Schnitt ist dann nur, was man wegbekommt. Aber die meisten Wiesen sind ja total ausgebrannt." Vom vergangenen Jahr hat er kaum Futter übrig, denn er will eigentlich wirtschaftlich arbeiten und nicht so viel einlagern. "Aber da werden wir uns umstellen müssen." Haberkorn hat nun auch Stroh zugekauft, 170 Rinder hat er. 80 Milchkühe mit Nachzucht. Einen Teil seiner Tiere hat er schon verkauft und will damit weitermachen: "Wir werden im Bestand so weit runter gehen, dass wir überleben können. Wir werden auch das Jungvieh noch abstoßen, aber da ist der Preis natürlich im Keller. Wenn man den Schaden hat, kommt der nächste gleich mit."

Vor drei Wochen hat Haberkorn auf den trockenen Feldern zehn Hektar Kleegras gesäht. "Da ist nichts da. Selbst wenn es jetzt noch regnen würde, wäre das zu spät, weil bald der Frost kommt." Seit bekannt geworden sei, dass es Förderung für die Landwirte gebe, sei der Preis noch einmal gestiegen. "Es profitieren immer nur die, die mit der Landwirtschaft aufgehört haben oder nicht darauf angewiesen sind."

Manfred Bäumler betreibt mit seinem Bruder Martin in Obertresenfeld einen Mischbetrieb mit rund 250 Rindern. In diesem Jahr kommt er mit den Vorräten des vergangenen Jahres aus. Die Trockenheit bereitet ihm trotzdem Sorgen.

Etwa die Hälfte des Strohs hat Bäumler aus Tschechien zur Fütterung zugekauft.

Wir werden im Bestand so weit runter gehen, dass wir überleben können. Wir werden auch das Jungvieh noch abstoßen, aber da ist der Preis natürlich im Keller.

Georg Haberkorn

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