21.11.2019 - 12:34 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Dunkle Wolken über Kennametal Vohenstrauß

Zwei Nabburger Kennametal-Werke haben dieses Jahr bereits knapp 100 Mitarbeiter entlassen. Nun kursieren auch bei Kennametal Vohenstrauß Gerüchte über einen möglichen Stellenabbau.

Über Kennametal braut sich etwas zusammen. Die Unsicherheit in der Belegschaft ist groß.
von Redaktion ONETZProfil

Die über 300 Mitarbeiter von Kennametal in Vohenstrauß bangen um ihren Job. Elf Arbeitsplätze gibt es laut Udo Fechtner zu viel für die derzeitige Auftragslage. "Die Konjunktur schwächelt, und die Kunden sind aufgrund der Rauswurfpolitik sauer auf Kennametal", erklärt der Gewerkschaftssekretär der IG Metall. "Deshalb merkt der Betrieb einen Rückgang der Stückzahlen und reagiert."

Bei einer Betriebsversammlung von Kennametal beriet sich Fechtner kürzlich zusammen mit dem Betriebsrat und dessen Vorsitzendem Markus Baierl über die Situation des Betriebs. "Die Verhandlungen mit der Firma sind nicht einfach", stellt Baierl fest. "Im Moment geht es aber noch nicht konkret um Entlassungen. Im Moment!" Aufgrund der laufenden Verhandlungen möchte er nichts weiter sagen.

Seit Ende Oktober beschäftigt das Werk bereits keine Leiharbeiter mehr. Befristete Verträge ließ der Betrieb auslaufen. "Wir versuchen allerdings, die festen Stellen zu erhalten. Deshalb führen wir seit Wochen ,Schließungstage‘ durch", sagt Fechtner. "Hierbei bleibt das Werk einen Tag geschlossen, damit alle Angestellten Überstunden abbauen können. Wenn die Stückzahlen weiterhin rückläufig sind, muss wohl auch mit Kurzarbeit begonnen werden."

Der Geschäftsführer von Kennametal-Vohenstrauß, Mario Wild, äußert sich weder zu Gerüchten noch zu Mitarbeiterzahlen oder Investitionen. Er verweist an Gaby Mlnarik, Pressesprecherin der Europazentrale des Konzerns in der Schweiz. Doch auch sie will aus "wettbewerbstechnischen Gründen" keine diesbezüglichen Fragen beantworten. Sie gibt lediglich an, dass "Stellen nicht statisch (sind) und verändernde Gegebenheiten angepasst werden müssen, was ein normaler Prozess im Geschäftsleben ist".

Der Vohenstraußer Bürgermeister Andreas Wutzlhofer zeigt sich schockiert über die Gerüchte zu möglichen Entlassungen: "Erst dieses Frühjahr haben wir die Baugenehmigung für zwei neue Produktionshallen erteilt. Eine von ihnen ist quasi bezugsfertig." Udo Fechtner vermutet, dass es sich um die Auslagerung der Produktion eines anderen Werkes handelt: "Kennametal in Ebermannstadt in Oberfranken ist ein Zulieferer des Standorts Vohenstrauß. Um Transportkosten und Wege zu sparen, wird die Produktion nach Vohenstrauß verlegt", erklärt der Gewerkschafter. "Es werden lediglich 50 bis 60 Arbeitsplätze umverlagert, keine neuen geschaffen." Auch diese Informationen bestätigt Kennametal nicht. Betriebsratsvorsitzender Baierl gibt zu: Die Unsicherheit im Betrieb ist groß.

Kennametal ist ein Internationaler Konzern mit Sitz in den USA, spezialisiert auf Spezialwerkzeug für die Industrie. In der Oberpfalz gibt es drei Werke des Konzerns. Dieses Jahr wurde in den anderen beiden Niederlassung in Nabburg bereits die Entlassung von insgesamt 99 Mitarbeitern aufgrund von "notwendigen Kapazitätsanpassungen" bekannt gegeben.

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Tobias Leißner

Kennametall beliefert auch die Automobilindustrie, welche man in Deutschland ja aktuell politisch vorsätzlich zerstört, das ist erst der Anfang. Unglaublich wie hier an einem der Fundamente unserer Wirtschaft regelrecht gesägt und gehackt wird.

24.11.2019