04.06.2019 - 11:22 Uhr
VohenstraußOberpfalz

"Entweder Stille oder Schnelligkeit"

Vogelgezwitscher und Glockenläuten statt Verkehrslärm: Während der Sanierung der Umgehungsstraße genießen einige Vohenstraußer die ungewohnte Ruhe. Daher möchten sie eine Schallschutz-Diskussion ins Rollen bringen.

Seit ein paar Tagen rollt der Verkehr wieder auf der Umgehungsstraße. Der Unterschied zur Stille während der Bauarbeiten ist riesig, sagt Jürgen Fuß.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Knapp vier Wochen haben die Arbeiten auf der Staatsstraße 2166 zwischen dem Kreisverkehr bei der Autobahn-Anschlussstelle Vohenstrauß West und Waldau gedauert. Bei der rund 750 000 Euro teuren Maßnahme hat das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach den schadhaften Oberbau auf 2,7 Kilometern Länge erneuert. Einigen Anwohnern ist die Stille wegen des fehlenden Verkehrs besonders aufgefallen. Einer davon ist Jürgen Fuß, der deshalb eine Diskussion über den Lärmschutz anregen möchte. „Wir haben eine unendliche Ruhe gehabt, wir haben das erst gar nicht realisiert. Das Vogelgezwitscher war plötzlich so laut, da haben wir gedacht: ,Irgendwas fehlt doch.‘“ Fuß vergleicht das Hintergrund-Verkehrsrauschen mit Tinnitus: „Die Geräusche waren immer da – und dann plötzlich weg.“ Jetzt, wo Autos, Motorräder oder Lastwagen wieder fahren, hört er genauer hin. „Es ist ein Riesenunterschied, seit wieder offen ist.“

Außer Frage steht für ihn jedoch, dass die Umgehung notwendig ist. Vor allem in Zeiten, in denen der Verkehr immer mehr zunimmt. Das war während der Bauarbeiten ebenfalls spürbar, als viele Fahrzeuge durch die Stadt geleitet wurden. Außerdem geht es über die Staatsstraße schneller nach Weiden. „Entweder Stille oder Schnelligkeit“, beschreibt Fuß das Dilemma.

Er wohnt mit seiner Familie mit direktem Blick auf die Umgehung. Etwa 10 bis 15 Haushalte sind in vorderster Front betroffen, schätzt Fuß. Hier sind die Geräusche deutlicher zu hören als weiter hinten, da die vorderen Häuser schon etwas von dem Lärm abhalten. Fuß ist auch bewusst, dass entlang der Staatsstraße "keine ewig lange Lärmschutzwand" gebaut werden kann. Aber vielleicht denken die Verantwortlichen einmal über die Situation nach. Eventuell würde schon eine Geschwindigkeitsbeschränkung helfen, denn viele benutzen die Trasse "als Teststrecke und fahren schnell". Stoßzeiten sind werktags in der Früh, wenn die Leute zur Arbeit fahren, und nach Feierabend sowie an Wochenenden nachmittags.

Seine Nachbarin in der Pfarrer-Bucher-Straße, Ramona Wehner, sieht es genauso. "Es war sehr angenehm, kein Vergleich zu jetzt. Es war alles irgendwie entspannter, und man konnte dort auch einmal spazieren gehen ohne Angst haben zu müssen, dass ein Kind auf die Straße läuft." Ein Tempolimit hält sie ebenfalls für angebracht. "Ich weiß nicht, ob da jeder immer nur 100 fährt."

Josef Forster (An der Lerau) empfindet die Situation auf Dauer nicht belastend, "denn anders als auf der Autobahn gibt es auf der Umgehungsstraße noch viele Tages- und Nachtzeiten ohne nennenswertes Verkehrsaufkommen". Von einer ständigen Lärmbelästigung kann daher keine Rede sein. Dennoch: Vogelgezwitscher und Glockenläuten waren während der Baumaßnahme besonders ausgeprägt zu hören, vor allem in den Morgen- und Abendstunden. Und natürlich waren auch keine Motorräder unterwegs, die sonst oft wegen der "kerzengeraden und übersichtlichen Strecke besonders gerne aufdrehen", meint Forster.

Bei der Stadt wurden bisher keine Stimmen nach Schallschutzmaßnahmen laut, heißt es aus dem Rathaus. Die Sanierung ist eine reine Unterhaltsmaßnahme gewesen, informiert Baudirektor Gerhard Kederer vom Staatlichen Bauamt. Lärmschutz war nicht geplant, aber "wir haben lärmarmen Asphalt eingebaut". Wenn man neben einer Straße wohnt, ist es immer laut. Aber in diesem Fall ist es "nicht so laut, dass Grenzwerte überschritten würden". Außerdem ist der Abstand zwischen der Staatsstraße und dem Wohngebiet im Vohenstraußer Westen ausreichend groß, findet der Baudirektor.

Knapp einen Monat war die rund 20 Jahre alte Umgehung wegen Sanierungsarbeiten für den Verkehr gesperrt. Bevor die Markierungen aufgetragen wurden, säuberte eine Straßenkehrmaschine die neue Asphaltoberschicht.
Die sanierte Staatsstraße 2154 leitet als Umgehung den Verkehr um den Vohenstraußer Stadtkern herum Richtung Autobahn.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.