Vohenstrauß
29.07.2026 - 01:04 Uhr
Anzeige

Erste solitäre Kurzzeitpflege Bayerns startet in Vohenstrauß

Moderne Einrichtung mit 24 Plätzen eröffnet am 1. August – Wichtiger Baustein für die medizinische Versorgung der Region

Lange wurde darauf hingearbeitet, nun öffnet sich ein neues Kapitel für das ehemalige Krankenhaus Vohenstrauß: Am 1. August 2026 nimmt die solitäre Kurzzeitpflege der KMV-Medi-Center-GmbH offiziell ihren Betrieb auf. Nach intensiven Umbauarbeiten und einem Kraftakt aller Beteiligten stehen künftig 24 moderne Pflegeplätze zur Verfügung – ein Angebot, das in der Region dringend benötigt wird und eine wichtige Lücke in der pflegerischen Versorgung schließt. Gleichzeitig handelt es sich dabei um die erste solitäre Kurzzeitpflege in Bayern – ein Meilenstein für die pflegerische Versorgung im Freistaat.

Endspurt

Bis zuletzt herrschte im zweiten Obergeschoss geschäftiges Treiben. Handwerker verschiedenster Gewerke arbeiteten Seite an Seite, um den ehrgeizigen Zeitplan einzuhalten. Türen wurden montiert, letzte Installationen vorgenommen und die Zimmer eingerichtet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Entstanden ist eine helle, freundliche und zeitgemäße Kurzzeitpflegestation, die den Gästen nicht nur ein hohes Maß an Komfort, sondern vor allem Sicherheit und Geborgenheit bieten soll. Die 24 Plätze können ab dem Eröffnungstag sofort belegt werden. Ein Teil davon ist bereits reserviert – ein deutliches Zeichen dafür, wie groß der Bedarf an Kurzzeitpflegeangeboten in der nördlichen Oberpfalz ist.

Moderne Ausstattung

Die organisatorische Leitung der neuen Einrichtung übernimmt Chiara Kraus, Tochter von Geschäftsführer Harald Kraus. Als Geschäftsführerin wird sie die Auslastung der Station sowie die wirtschaftliche Abwicklung verantworten. Perspektivisch rechnet sie mit bis zu 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sobald die Einrichtung vollständig ausgelastet ist. Die Gäste erwartet ein modernes Wohnumfeld. Die Zimmer verfügen im Durchschnitt über rund 22 Quadratmeter Wohnfläche und sind jeweils mit einer großzügigen, behindertengerechten Nasszelle ausgestattet. Während des Aufenthalts steht jedem Gast zudem ein eigener Fernseher zur Verfügung. Damit soll den Menschen, die oftmals nach belastenden Krankenhausaufenthalten oder in schwierigen Lebenssituationen in die Einrichtung kommen, ein möglichst angenehmes und wohnliches Umfeld geboten werden.

Das Konzept

Harald Kraus erläutert das Konzept der neuen Einrichtung: „Bei einer solitären Kurzzeitpflege ist es möglich, für einen befristeten Zeitraum von bis zu drei Wochen pro Jahr in die vollstationären Strukturen aufgenommen zu werden.“ Dieses Angebot richtet sich an Menschen, die vorübergehend intensive pflegerische Unterstützung benötigen, ohne dauerhaft in einer stationären Pflegeeinrichtung leben zu müssen. Grundlage hierfür ist die Kurzzeitpflege nach § 42 SGB XI. Eine Kurzzeitpflege kommt beispielsweise dann zum Einsatz, wenn Patientinnen und Patienten nach einer Krankenhausbehandlung zwar noch medizinische oder pflegerische Versorgung benötigen – etwa aufgrund einer Wundversorgung –, ein weiterer Aufenthalt im Krankenhaus jedoch nicht erforderlich oder möglich ist.

Entlastung

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Angebots ist die Verhinderungspflege. Harald Kraus weist darauf hin, dass pflegebedürftige Menschen diese zusätzlich zur Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen können. Sie greift immer dann, wenn pflegende Angehörige selbst erkranken, Arzttermine wahrnehmen müssen, Behördengänge erledigen oder schlicht eine dringend notwendige Auszeit benötigen. Während dieser Zeit übernimmt das Fachpersonal der Einrichtung die umfassende Betreuung und Versorgung.

Auch ohne Pflegegrad

Wie Chiara Kraus erklärt, handelt es sich dabei um Leistungen der gesetzlichen Pflegekassen. Ziel sei es, einen stationären Krankenhausaufenthalt zu vermeiden, zu verkürzen oder – wenn eine Behandlung im Krankenhaus nicht möglich sei – zu ersetzen. Außerdem ist es möglich, im Rahmen des § 39c SGB V auch ohne Pflegegrad in der neuen Einrichtung versorgt zu werden. „Viele kranke oder pflegebedürftige Menschen möchten einen Krankenhausaufenthalt umgehen. Nicht immer ist das ohne pflegerische Unterstützung möglich. Die Übergangspflege schafft die Möglichkeit, Betroffene ohne Pflegegrad zum Beispiel nach einer schweren Operation oder Erkrankung vorübergehend zu versorgen“, erläutert Chiara Kraus.

Pflege mit Perspektive

Neben der pflegerischen Betreuung setzt die Einrichtung bewusst auf rehabilitative und therapeutisch aktivierende Pflegeangebote. Ziel ist es, die Selbstständigkeit der Gäste möglichst zu erhalten oder nach einer Erkrankung wieder zu verbessern und ihnen den Weg zurück in den eigenen Alltag zu erleichtern. Für die pflegerische Qualität trägt künftig Saskia Schwarz aus Gleiritsch als Pflegedienstleitung die Verantwortung. Gemeinsam mit ihrem Team wird sie die Betreuung der Gäste koordinieren und eine individuelle Versorgung sicherstellen.

Gesundheitszentrum

Mit der Eröffnung der Kurzzeitpflege erhält das ehemalige Krankenhaus zugleich eine weitere medizinische Aufwertung. Ebenfalls im August nimmt im dritten Obergeschoss die neue Physiotherapiepraxis von Philipp Zeus ihren Betrieb auf. Damit wächst das medizinische Versorgungszentrum im ehemaligen Krankenhaus weiter und ergänzt das bestehende Angebot um einen wichtigen therapeutischen Baustein.

Meilenstein für die Region

Die Inbetriebnahme der solitären Kurzzeitpflege markiert weit mehr als die Eröffnung einer neuen Station. Sie ist ein bedeutender Schritt für die Gesundheitsversorgung der gesamten Region. Das ehemalige Krankenhaus entwickelt sich zunehmend zu einem modernen Gesundheitszentrum, das medizinische, therapeutische und pflegerische Leistungen unter einem Dach vereint. Für viele Familien bedeutet dies künftig wohnortnahe Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen – und für Vohenstrauß einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur nachhaltigen Sicherung der regionalen Gesundheitsversorgung.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.