02.10.2018 - 11:19 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Frauen erkennen ihren Wert

Katholischer Frauenbund tritt für Partizipation von Frauen in der Politik ein. Frauenfrühstück "Damenwahl" bringt Defizite deutlich zum Vorschein.

Frauenbund-Bezirksvorsitzende Martha Bauer diskutiert mit Margit Kirzinger, Andrea Lang und Barbara Kindl (von links nach rechts) über Frauen in der Politik.
von Elisabeth DobmayerProfil

Zum besonderen Frauenfrühstück "Damenwahl" lud Bezirksvorsitzende Martha Bauer vom Katholischen Frauenbund der Diözese Regensburg ins Pfarrheim St. Marien ein, um mit Mandatsträgerinnen ins Gespräch zu kommen. "Frauen! Wählt! Frauen!", appellierte bereits im Jahr 1994 Luise Rogowsky, eine Enkelin eines Reichstagsabgeordneten, den Frauen mutig zu, da ihr die politische Bildung von Frauen sehr am Herzen lag. Die Pleysteiner CSU-Stadträtin und Bezirkstagkandidatin Andrea Lang sah die Frauenquote früher für sich persönlich als überflüssig an. Seit sie selbst in der Politik tätig ist, ließ sie sich eines Besseren belehren und tritt nun ebenfalls stark dafür ein wie die Waidhauser SPD-Bürgermeisterin und stellvertretende Landrätin Margit Kirzinger. Für Frauenärztin Barbara Kindl, die für die ÖDP im Kreistag sitzt und für den Landtag kandidiert, muss der Frauenanteil im Bundes- als auch im Landtag massiv erhöht werden. Erst ein Anteil von 50 Prozent wäre für sie akzeptabel.

Referentin Anneliese Röhrl von der Kommission Gesellschaft und Politik des Diözesanverbands kam aus Kelheim, um die Frauen zu motivieren, nicht nur zur Wahl zu gehen sondern auch selbst zu kandidieren und unbedingt auch Frauen zu wählen.

Hürden überwinden

Mit der Proklamation des Freistaates Bayern am 8. November 1918 führte die Regierung unter Kurt Eisner das Frauenwahlrecht ein. 82 Prozent der wahlberechtigten Frauen gingen zur Wahl. Davon könne man im 21. Jahrhundert nur träumen. Eine der ersten Abgeordneten im Landtag war Ellen Amann, die Vorsitzende des FB-Landesverbands. Es dauerte bis zum Jahr 2005, bis Angela Merkel zur Bundeskanzlerin gewählt wurde. Die Unterschiede gehen noch viel weiter: "Frauen verdienen heute oft immer noch sogar in gleichen Berufen 25 Prozent weniger als Männer."

Nur 30 Prozent der Abgeordneten im Bundestag und 28 Prozent im Landtag sind weiblich, informierte Martha Bauer. Paritätisch sei dies noch lange nicht. Welche Hürden Frauen auf dem Weg in die Politik überwinden müssen, wurde bei der Diskussion mit den regionalen Mandatsträgerinnen deutlich. Kirzinger trat vier Mal als Bürgermeisterkandidatin an, bis die Waidhauser bereit waren, eine Frau auf diesen Posten zu wählen. Kindl war der Meinung, dass die Erziehungs- und Familienarbeit nicht gleichberechtigt aufgeteilt ist, aber auch nicht genug wertgeschätzt ist. Frauen hätten deshalb das Gefühl, diese zusätzliche Belastung nicht schaffen zu können. "Wir müssen unser Wahlrecht, sowohl zu wählen als auch wählbar zu werden aktiv in Angriff nehmen. Das Wahlrecht ist das wichtigste Werkzeug der Demokratie, das wir uns hart erkämpft haben", richtete sie einen Appell an die Zuhörerinnen.

Ehemann als Unterstützer

In dieselbe Kerbe schlug Lang, die ihren eigenen Weg in Erinnerung rief. Starke Unterstützung erhielt sie damals von ihrem Ehemann Hans-Peter Lang. Bereut habe sie diesen Schritt noch nie. "Man kann viel mitgestalten in der eigenen Kommune und das macht viel Freude." Frauen sollten sich nicht zurückstellen. Kirzinger ging auf die Förderung durch ihre Partei ein, die schon immer Frauen auf dem politischen Weg mitnehme. Einig waren sich die Rednerinnen, dass alle Frauen in die Politik gehen können, egal welche Ausbildung sie haben. Offen sprach Lang die Neiddebatten unter den Frauen an, denen sie sich aussetzen. Kindl sieht das große Problem, dass sich die meisten Frauen in der Erziehungs- und Familienarbeit mühen.

Eines sei jedoch klar: "Männer sagen einfach, wir können es, obwohl sie es noch gar nicht probiert haben." Frauen hätten ganz andere Sichtweisen auf viele Dinge als Männer und sie sind mindestens genauso erfolgreich. "Unser Werteverständnis müssen wir Frauen überdenken, unseren Wert erkennen und diese Erkenntnis auch an andere durchstellen", zog die Bezirksvorsitzende schließlich als Fazit aus diesem informativen Vormittag.

Frauen verdienen heute oft immer noch sogar in gleichen Berufen 25 Prozent weniger als Männer.

Anneliese Röhrl von der Kommission Gesellschaft und Politik des Diözesanverbands

Der katholische Pfarrsaal St. Marien ist am Samstagvormittag fest in Frauenhand. Ob sich die eine oder andere aufraffen kann, sich zur Wahl zu stellen? In den kirchlichen Gremien wie Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung sollten sie lieber den Männern Vortritt lassen, riet Anneliese Röhrl. Frauen gehören in die Politik.
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