31.03.2020 - 13:47 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Frauenärzte beruhigen Schwangere in der Coronakrise

Die Vorfreude auf ihr Baby ist bei vielen Schwangeren derzeit getrübt. Frauenärzte müssen jetzt nicht nur für ein sicheres Untersuchungsumfeld sorgen, seit der Coronapandemie müssen sie auch viel mehr beraten und beruhigen.

Dr. Thomas Bäumler trägt bei den Ultraschalluntersuchungen Mundschutz.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Zusammen mit ihrer Kollegin Dr. Birgit Mislik setzt die Vohenstraußer Frauenärztin Dr. Barbara Kindl stets auf fachliche Weiterbildung. Erst vor wenigen Tagen verfolgten die beiden Ärztinnen per Stream eine Fortbildung in Berlin, die auch das Thema "Corona und Schwangere" behandelte. Es wurden neue Studien und Erkenntnisse vorgestellt. Demnach könne man die werdenden Mütter beruhigen: "Aus den Daten aus China geht hervor, dass es keine Übertragung des Virus von der Mutter auf das Ungeborene gibt. Es geht auch nicht in die Muttermilch über."

In den Frauenarztpraxen sind Desinfektionsstellen für Patienten und Personal eingerichtet worden.

Angst um das Kind

Die Ärztin umschreibt die besondere Lage der Schwangeren: "Sie sind sensibel, haben Angst um sich und das Kind, vor der Geburt - und dann noch die Coronasituation in der Klinik. Man muss sich Zeit nehmen und ihnen gut zusprechen."

Generell habe sich an der Schwangerenvorsorge in ihrer Praxis den vergangenen Wochen nicht sehr viel geändert. Die Patientinnen können ihre Termine zu Routineuntersuchungen wie gewohnt wahrnehmen.

In Zeiten der Pandemie müssten Schwangere aber sehr vorsichtig sein und einige Dinge beachten. Sie rät den Frauen dringend, die außerhäuslichen Kontakte auf ein Minimum zu beschränken, da sie durch ihr etwas herabgesetztes Immunsystem während der Schwangerschaft gefährdeter sind, sich mit dem Virus anzustecken.

Dr. Barbara Kindl rät Schwangeren, allein zu den Untersuchungsterminen in die Praxis zu kommen.

Keine Wunschkaiserschnitte

Eine weitere Maßnahme sei, auf Wunschkaiserschnitte zu verzichten. Jede Operation berge ein Risiko. "Eine normale Entbindung ist immer das kleinere Risiko für Mutter und Kind", betont Kindl. Nach aktuellem Stand dürften die Väter bei der Entbindung im Kreißsaal dabei sein. Sie würden aber vorher auf Symptome untersucht.

In ihrer Praxis haben Kindl und Mislik einige Schutzmaßnahmen vorgenommen. An einer Desinfektionsstelle müssen sich die Patientinnen gleich beim Betreten der Praxisräume die Hände desinfizieren. Aus dem Wartezimmer wurden das Kinderspielzeug und die Zeitschriften entfernt, um die Übertragungsmöglichkeiten zu minimieren. Die Wartenden können in ausreichendem Abstand voneinander sitzen.

"Zu den Terminen sollten die Patientinnen am besten ohne Begleitung kommen", betont die Ärztin. Als Ausnahme gelten natürlich Kinder, für die man keine Betreuung findet. Auf Mundschutz greifen die Ärztinnen und auch das Personal bislang nicht zurück: "Wir haben gar keine FFP-Masken."

Dr. Thomas Bäumler hat seine Praxis in der aktuellen Situation etwas umstrukturiert, um Schwangeren und anderen Patientinnen genügen Schutz bieten zu können.

Türklinken desinfizieren

Ganz ähnlich geht Dr. Thomas Bäumler in Neustadt/WN mit der Situation um. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und arbeitet bei Untersuchungen nur mehr mit Mundschutz. Wie auch seine Kolleginnen in Vohenstrauß hat er in seiner Praxis strenge Richtlinien eingeführt: Hände und Türklinken werden regelmäßig desinfiziert, im Wartezimmer sitzen maximal vier Personen, und im Sprechzimmer sind nur mehr Arzt und Patientin. Väter oder andere Begleitpersonen sollten erst gar nicht mit in die Praxis kommen. "Ausnahmen machen wir bei Asylbewerberinnen, die auf eine Dolmetscherin angewiesen sind", informiert Bäumler. Grundsätzlich sei das Ansteckungsrisiko in der Praxis weitaus geringer als zum Beispiel in einem Supermarkt.

Schwangere müssen sich in Zeiten der Coronakrise noch mehr vor einer Ansteckung schützen und Kontakt zu anderen Menschen meiden.

Spezielle Gemütslage

Der Mediziner geht auf die spezielle Gemütslage bei Schwangeren mitten in der Coronakrise ein: "Man muss die Ängste ernst nehmen und darüber reden. Aber ich kann sie allein wegen ihrer Angst vor einer Ansteckung nicht krankschreiben." Beschäftigungsverbote für werdende Mütter würden in der Verantwortung der Arbeitgeber liegen.

In beiden befragten Praxen läuft der Betrieb ansonsten weitgehend normal. Die Vohenstraußer Ärztinnen registrieren zwar etliche Absagen von Routineuntersuchungen hauptsächlich von älteren Patientinnen, "die jungen kommen aber weiterhin", meint Kindl.

Patientinnen mit Symptomen, die auf eine Covid-19-Erkrankung schließen lassen, sollten nicht in die Frauenarztpraxis kommen, sondern wie alle anderen Personen in dieser Lage ihren Hausarzt oder das Gesundheitsamt anrufen.

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.