25.09.2018 - 11:42 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Gabi Eichl verlässt die SPD

Mit einem überraschenden Schritt geht die Vohenstraußer Stadträtin Gabriele Eichl an die Öffentlichkeit. Sie verlässt die SPD-Fraktion und wechselt zu den Freien Wählern.

Stühlerücken, ohne den Stuhl zu verrücken: SPD-Stadtrat Heinrich Gref (links) und der Freie Wähler Wolfgang Töppel (Dritter von links) haben beide ihr Mandat niedergelegt. Nun verkündet Gabi Eichl (Zweite von links), dass die die SPD-Fraktion verlässt und sich den Freien Wählern anschließt. Fraktionssprecher Martin Gleixner (Vierter von links) freut sich über den Neuzugang.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Die 54-Jährige kam im September 2012 als Nachrückerin für den verstorbenen Oswald Uschold in den Stadtrat. Als Tochter des ehemaligen SPD-Bürgermeisters Ernst Eichl, der während seiner Amtszeit 1987 verstarb, führte sie die "Familientradition" also fort.

Die Gründe für ihre Entscheidung, die SPD zu verlassen, beschreibt sie folgendermaßen: "Sagen wir so: Die SPD ist seit längerer Zeit schon nicht mehr die Partei, in der ich meine wichtigsten Politikthemen so gut wie möglich vertreten sehe. Das sind unter anderem ein ganz entschiedenes Umsteuern in der Klimapolitik und beim Ressourcenverbrauch, eine umweltschonendere Landwirtschaft." Sie habe die SPD verlassen und verlasse damit konsequenterweise auch die SPD-Stadtratsfraktion. Der Schritt ist wohlbedacht: "Ich dachte immer wieder, es würde schon irgendwie gehen mit der SPD und mir. Entsetzt war ich zuletzt über einen Auftritt der SPD-Umweltministerin in einer Talkrunde, aber einen unmittelbaren Anlass gab es nicht. Irgendwann ist der Tag da."

Die Reaktion der Vohenstraußer Genossen ließ nicht lange auf sich warten: "Der Ortsvereinsvorsitzende hat sein Bedauern zum Ausdruck gebracht, der Fraktionsvorsitzende wollte mich in der Fraktion halten. Wie andere reagiert haben, weiß ich nicht", meint die 54-Jährige.

Eine "fraktionslose Einzelkämpferin" zu werden, stand für Eichl nie zur Debatte. "Und die Stadträte der Freien Wähler in Vohenstrauß sind recht grün, wir passen also gut zusammen."

Was sagt sie ihren Wählern, die sie als Vertreterin der SPD gewählt haben? Eichl: "Die kann ich nur um Verständnis bitten. Aber hätte ich ernsthaft aus parteitaktischen Gründen ausharren sollen? Das ist doch genau die Haltung, die die Politikverdrossenheit befördert. Allzu viele werden es vermutlich auch nicht sein, die mich um der Partei willen gewählt haben. Wer einmal eine Kommunalwahl mit ausgezählt hat, der weiß, wie extrem gering der Anteil derer ist, die dabei eine Partei wählen. Ich gehe also davon aus, dass das Gros meiner Stimmen bei der letzten Wahl doch meiner Person gegolten hat, nicht der Partei."

Mit ihrer Entscheidung, sich den Freien Wählern anzuschließen, endet die SPD-Familienära Eichl. "Freilich tut das weh, wenn auch mein Vater nach seiner Erkrankung keine gute Zeit mehr mit seiner Partei hatte. Die Ära hatte auch ihre dunklen Seiten. Aber ich verlasse den Ortsverein ja nicht im Zorn, die SPD ist einfach nicht mehr meine Partei. Daran sind weder der Ortsverein noch die Stadtratsfraktion schuld."

So reagieren Freie Wähler, SPD und Bürgermeister:

Martin Gleixner, Fraktionssprecher der Freien Wähler, freut sich, dass Eichl mit sofortiger Wirkung die SPD-Stadtratsfraktion verlässt und sich den Freien Wählern anschließt. Die Freien Wähler verfügen somit nun über fünf Mandate und werden laut Gleixner künftig mit noch größerem Einfluss die Geschicke der Stadt Vohenstrauß mit lenken. Der Ortsvorsitzende erklärt: „Die Freien Wähler begrüßen die Entscheidung von Gabi Eichl sehr, freuen sich auf die Gremienarbeit in der neuen Konstellation und sichern schon heute eine weiterhin gute und kollegiale Zusammenarbeit mit allen im Stadtrat vertretenen Parteien und Gruppierungen zum Wohle unserer Stadt und ihrer Bürger zu.“

Weniger erfreut ist dagegen SPD-Fraktionssprecher Heinrich Rewitzer, für den der Schritt Eichls „schon überraschend“ kam. In einem Gespräch habe ihm Eichl darauf vorbereitet, dass sie mit dem Gedanken spiele, sich den Freien Wählern anzuschließen. Mit einer knappen E-Mail habe sie ihn dann vor einigen Tagen letztendlich über den Vollzug informiert. „Ich verstehe sie und muss es natürlich akzeptieren. Das einzige, was mich stört, und da bin ich schon etwas enttäuscht, dass Gabi ihr Mandat nicht komplett niederlegt. Dann hätten wir als SPD für sie nämlich einen Nachrücker bekommen. Sie will aber ihr Mandat mitnehmen zu den Freien Wählern. Damit fehlt unserer Fraktion ein Sitz. Sie ist schließlich über unsere Liste von SPD-Wählern gewählt worden.“ Rewitzer habe nie den Eindruck gehabt, dass es innerhalb der Fraktion nicht gestimmt habe. „Wir hatten immer ein gutes Verhältnis“, so der Sprecher.

Mit einem Dreizeiler sei auch Bürgermeister Andreas Wutzlhofer (CSU) per E-Mail von Eichl informiert worden. „Ich war schon sehr überrascht. Gabi ist seit eh und je Sozialdemokratin. Der Name Eichl ist nicht zuletzt durch ihren Vater Ernst Eichl eng mit der SPD verbunden. Aber es ist ihre freie Entscheidung und legitim, wenn sie sich in ihrer Partei nicht mehr wohlfühlt, dass sie sich dort anschließt, wo sie sich besser aufgehoben fühlt.“

Der überraschende Fraktionswechsel werde eine Neubesetzung einiger Ausschüsse notwendig machen. Grundsätzlich werde sich aber durch Eichls Entscheidung im Stadtrat nicht viel ändern, schätzt der Bürgermeister. „Wir werden weiter alle gut zusammenarbeiten, da bin ich mir sicher.“

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