Geistliche Chormusik zur Weihnachtszeit war die meditative Stunde am Sonntagabend in der weihnachtlich geschmückten katholischen Stadtpfarrkirche überschrieben. Wieder einmal gastierte das Vokalensemble Hubert Velten aus Regensburg mit Regionaldekan Holger Kruschina, der in der Pfarrgemeinde längst kein Unbekannter mehr ist. Bereichert er doch alljährlich den Ehejubiläumsabend in der Pfarrei mit tiefgreifenden aber auch humorvollen Beiträgen. Etwa 100 Zuhörer haben sich nach dem Abendgottesdienst vom geschätzten Vokalensemble, das aus ehemaligen Domspatzensängern besteht, reich beschenken lassen. In Folge kredenzten die 14 Sänger nonstop ein exquisites Gesangs-Menü mit 18 Gängen, bei dem ein äußerst anspruchsvolles Repertoire an Weihnachtsliedern geboten wurde. Scheinbar mühelos gelingt es den Männern den unterschiedlichsten Anforderungen der Liedbeiträge gerecht zu werden und ihnen einen perfekten Klang zu verleihen, der sich wohltuend im Gotteshaus verteilt. Mit einem Volksgut in dem es um die Einschreibung und die Herbergssuche ging, eröffnete das Ensemble nach dem Einzug von der Sakristei aus vor dem Volksaltar, bevor ein „Cherubinischer Lobgesang“ von Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski, einem hauptsächlich in Russland wirkenden ukrainisch-russischen Komponisten mit großem Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Kirchenmusik im 19. Jahrhundert, in der Stille Gänsehautgefühl erzeugte. Das Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ von Michael Praetorius fehlte ebenso wenig wie „Auf, auf ihr Hirten“ oder „Mariä Wiegenlied“.
Dekan Alexander Hösl hieß die Besucher zu dieser meditativen Abendstunde herzlich willkommen. „Es ist nun fünf Tage her, dass wir der Menschwerdung unseres Gottes in der Person Jesu Christi gedachten und gefeiert haben.“ Mitten in der Weihnachtszeit laufe in den Medien bereits alles auf den Jahreswechsel und auf die bevorstehende Faschingszeit hin. Ihm sei ein Text in die Hände gefallen mit der Überschrift „Weihnachten fährt vorbei“. Darin wird erzählt, dass auf der Ems ein Schiff vorbeifährt, auf dem am Heck ein Christbaum brennt mit hellen elektrischen Kerzen. Die Schiffe ziehen von Hafen zu Hafen, immer unterwegs. Das Schiff fährt vorbei auf dem Weg zur Nordsee. Weihnachten sei vorbeigefahren, fand der Autor, der sich durch den Anblick aufgehoben und getröstet fühlte. So sei es auch im Leben, „Weihnachten kommt, wird gefeiert und dann ist es vorbei, der Alltag kehrt wieder ein.“ Weihnachten dürfe durchaus weiterziehen, aber es sollte trösten, erinnern, damit man neu den Weg in den Alltag suchen und finden können, sagte der Stadtpfarrer. Wenn Weihnachten das nicht einlöse, dann könne es sein, dass Weihnachten gar nicht richtig war. Eines habe das vorbeifahrende Schiff allerdings gelehrt: man könne Weihnachten auch in den Alltag mitnehmen, auf dem Weg von Hafen zu Hafen, immer unterwegs. „Immer nur einen Tag eine Nacht irgendwo ankommen, auf dem Weg meiner Sehnsucht aber mit Weihnachten im Herzen.“
Die Sänger vollbrachten bei allen Liedern akkurate und präzise Höchstleitung. Wunderschön war auch das „Girgl, stöih aaf“ oder das „Bayerwald Wiegenlied“ anzuhören. Doch auch wunderbare Harmonien erschlossen sich bei „A way in a Manger“, „I Wonder As I Wander“, „What Child Is This“, „Joy to the World“ oder „Carol oft the Bells“. Jedes Lied war ein neuer Höhepunkt, wie ein neues Gebet. Vom zarten Gefühl hin zur flammenden Anbetung. Ein gefühlvoll erklingendes „O Holy Night“ beendete den Abend.
Seit dem Jahr 2010 leitet der Rodinger Stadtpfarrer Holger Kruschina nun den Chor, der vom ehemaligen Kirchenmusikdirektor und Stimmbildner Hubert Velten 1991 gegründet wurde. Inzwischen sind bereits neun weitere CDs erschienen und es gab mehrfache Auftritte in Innsbruck und Budapest, Tourneen in Michigan (USA) sowie Konzerte im Heiligen Land und in Rom. Das Repertoire umfasst ein breites Spektrum der Musikgeschichte, angefangen von der Gregorianik bis hin zu zeitgenössischer Literatur. Einen Teil der Programmgestaltung nehmen von Anfang an auch immer wieder Gospels ein. Folgende Sänger wirken mit: Kruschina, Christian Schmid, Peter Alt, Simon Wagner, Matthias Hartmann, Quirin Lehner, Andreas Spreitzer, Martin Simon, Erik Zimmermann, Jonas Strasser, Thomas Groß, Florian Groß, Konstantin Klebl, Simon Kreiml und Peter Kick.














Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.