„Nicht der Baum trägt die Wurzeln, sondern die Wurzeln tragen den Baum“, dieses Zitat benutzte Geistlicher Rat Studiendirektor Georg Gollwitzer aus Obertresenfeld gerne, wenn er von seinen Wurzeln sprach, die er in seinem Heimatdorf am Fuße des Fahrenbergs fand. Jetzt ist der 94-Jährige friedlich eingeschlafen.
Am 3. Mai 1925 erblickte er in Obertresenfeld das Licht der Welt und wuchs mit acht Geschwistern auf. Seine Mutter starb schon sehr früh. Nach Abschluss der Volksschule in Altenstadt meldete ihn sein damaliger Lehrer ohne sein Wissen im Gymnasium Weiden an. Dort fand der Schüler zu der katholischen Jugendgruppe „Neudeutschland“, die damals von den Nationalsozialisten bereits verboten war.
Nach der mittleren Reife (1943) wurde Georg Gollwitzer zum Arbeitsdienst und einige Monate später zum Wehrdienst eingezogen. Gegen Kriegsende geriet er in Gefangenschaft, die der junge Mann im Hungerlager Kreuznach überlebte. In all diesen Jahren erlebte Gollwitzer, welch innere Kraft der Glaube zu geben vermag.
Nach Krieg und Gefangenschaft hatte Gollwitzer in einem ziemlich harten Jahr die Chance, das Abitur nachzuholen. In dieser Zeit reifte in ihm der Entschluss, Priester zu werden. Nach fünf Jahren Studium in Regensburg empfing Gollwitzer am 19. März 1952 die Priesterweihe. Seine erste Kaplanstelle trat er bereits am 16. April 1952 in der ländlich geprägten Pfarrei Kirchenpingarten in der Nähe von Bayreuth an. Schon nach einem Jahr folgte die Versetzung in die Diasporapfarrei Wunsiedel, in der er sechs Jahre wirkte. Im Jahr 1962 bekam Gollwitzer schließlich den Auftrag als Religionslehrer am Gymnasium und der Realschule der Englischen Fräulein Unterricht und Seelsorge zu übernehmen. 1993 übernahm die Trägerschaft der St. Marienschulen die Diözese.
Neben der Schwesterngemeinschaft betreute Gollwitzer an Sonntagen viele Jahre zusätzlich eine Expositur, 23 Kilometer von Regensburg entfernt. Viel Freude bereitete den Geistlichen die Jugendarbeit. Ab 1990 unterrichtete Studiendirektor Gollwitzer in Teilzeit, um sich dann 1995 endgültig vom Schuldienst zu verabschieden. Verschiedene Angebote aus seiner Heimat ließen in ihm den Entschluss reifen, nach Weiden zu gehen, wo er sich seit seiner Jugendzeit der Josefskirche sehr verbunden fühlte. Dort wurde er sofort heimisch, da er in der Seelsorge mithelfen konnte.
Eine besondere Freude war ihm der Kapellenneubau in seinem Heimatort Obertresenfeld. „In einer bewundernswerten Zusammenarbeit aller Dorfbewohner und der kundigen Fürsorge des damaligen Stadtpfarrers Franz Winklmann, kann das gelungene Werk als strahlender Mittelpunkt des Ortes gesehen werden“, freute er sich damals bei der Einweihung im Jahr 2003. Gerne war er immer wieder zu den Patroziniumsfesten in seinen Heimatort zurückgekehrt.














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