20.11.2018 - 13:35 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Gemeinderat im XXL-Format im Altlandkreis Vohenstrauß

Die Kommunen des Altlandkreises könnten verschwundene Dörfer wieder auferstehen lassen und Grenzanlagen als Zeichen der Freundschaft sanieren. Hierfür waren alle Stadt- und Gemeinderäte nach Vohenstrauß eingeladen

Waldmünchens Bürgermeister Markus Ackermann (links) berichtet den Oberhäuptern der elf Partnergemeinden und -städte in der Stadthalle Vohenstrauß von den Vorteilen einer tiefergehenden Zusammenarbeit in der ländlichen Entwicklung.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Bürgermeister Markus Ackermann hat Erfahrung bei der Zusammenarbeit über die Gemeinde- und Ländergrenzen hinweg. Der Bürgermeister von Waldmünchen ist Sprecher des Aktionsbündnisses "Čerchov plus". Im Frühjahr 2003 fanden sich 6 bayerische und 14 tschechische Gemeinden zusammen. Seither ist das Bündnis ständig gewachsen. Mittlerweile umfasst diese sogenannte "Integrierte Ländliche Entwicklung" (ILE) 71.000 Bürger in Bayern und Tschechien und somit mehr als etwa Amberg oder Weiden Einwohner haben. Die Grenzregion hat so nach und nach ein großes politisches Gewicht bekommen und kann mehr bewegen, weil sie mit einer Stimme spricht. Ackermann ist deshalb am Montagabend in die Stadthalle Vohenstrauß gekommen, um den Vertretern von elf Kommunen in der Grenzregion von seinen Erfahrungen zu berichten. Jene gründen zusammen die ILE "Naturparkland", die aus der Tourismusgemeinschaft Naturparkland Oberpfälzer Wald hervorgeht. Bereits am Nachmittag hatten sich Bürgermeisterin Margit Kirzinger und die Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, Reiner Gäbl, Günter Stich, Thomas Meiler, Johann Maurer, Anton Kappl, Hermann Ach, Max Völkl, Josef Beimler und Rainer Rewitzer getroffen und über Möglichkeiten der Zusammenarbeit gesprochen. Am Abend war dann die große Sitzung aller Stadt-, Markt-, und Gemeinderäte der elf Partnerkommunen.

Waldmünchens Bürgermeister stellte beispielhaft einige erfolgreiche Projekte seiner Kooperation vor: So gibt es in der Grenzregion ein Nordic-Aktivzentrum mit Langlauf, Winterwandern, Schneeschuhwandern und Nordic Walking im Sommer. Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Dorf Grafenrieth wurde teilweise wiederhergestellt und soll ein Begegnungsort zwischen Bayern und Böhmen werden. Außerdem saniert das Aktionsbündnis "Čerchov plus" alte Aussichtstürme, Grenzanlagen und Burgen auf beiden Seiten der Grenze, um damit "das Miteinander zu betonen", erläutert Ackermann. Wichtig sei die Bereitschaft, sich gegenseitig zu helfen. Bei der Finanzierung müsse man sich einig werden.

Das Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz will hier unterstützen. Leiter Thomas Gollwitzer bot die Begleitung durch einen Kümmerer an, oder wies auf Fördermittel etwa von "LEADER" hin. Auch Landrat Andreas Meier bot eine enge Abstimmung an. Man müsse Konkurrenz und Kirchturmdenken abschaffen. Es müsse nicht jeder alles machen. "Wenn man mit einer Stimme spricht, hat man gegenüber den Fördergebern ein ganz anderes Gewicht." Er sprach von einer Rennaissance der Regionalität. Das könne zu einem Aushängeschild des Landkreises werden. "Nicht mehr alles geht nach Weiden. Was wir aber nicht machen können, ist, dass wir ihnen in der Tiefe die Themen vorgeben."

Zum Ende der Versammlung ergriffen die Bürgermeister das Wort. Das Flossenbürger Gemeindeoberhaupt Thomas Meiler sprach von der besonderen Herausforderung als Ort der KZ-Gedenkstätte ein positives Image aufzubauen. Das sei mit Hilfe des Freizeitorts Gaisweiher und der Burg inzwischen gelungen. Jedoch werde er das alleine nicht aufrechterhalten können. Ihn fragten die Leute auch: "Was können wir hier machen?" Er schicke sie dann bei schlechtem Wetter etwa nach Moosbach ins Ozon-Hallenbad. Pleysteins Stadtoberhaupt Rewitzer betonte die Notwendigkeit eines gemeinsamen Logos, einer gemeinsamen Marke. Auch Besonderheiten wie die Internationale Orchesterakademie oder die Leuchtenberger Burgfestspiele sollten besser nach außen dargestellt werden. In das gleiche Horn bließ Georgenbergs Bürgermeister Maurer: Seine Gemeinde habe jährlich 35.000 Übernachtungen bei 1350 Einwohnern. Oft sagten ihm die Gäste: "Wenn wir gewusst hätten, dass es hier so schön ist, wären wir früher gekommen." Eslarns Marktoberhaupt deutete schon den ersten Kooperationserfolg an: Gemeinsam mit Waldthurn und Waidhaus will Gäbl die Stelle eines Bauingenieurs finanzieren. Wutzlhofer hatte noch mehr Ideen. Der Vohenstraußer Bürgermeister dachte an eine geteilte Rufbereitschaft bei der Wasserversorgung, gemeindeübergreifende Zusammenarbeit bei Kindergartenplätzen und den Ausbau des Ski- und Snowboardzentrums auf dem Fahrenberg. Für die Marktgemeinde Waidhaus betonte Kirzinger die Chancen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und Tännesbergs Bürgermeister Völkl erinnerte daran, dass die Menschen sich in intakter Natur erholen wollten. Diese Naturbelassenheit könne nicht nur seine Biodiversitätsgemeinde bieten, sondern die gesamte Region trage dieses Prädikat.

Die ILE geht nun in die nächste Runde. Bis Ende Dezember sollen die verbleibenden Kommunen ihre Zustimmung zur Zusammenarbeit geben. Dann soll ein Planungsbüro gefunden werden und die Kommunen sich mit ihren Ideen einbringen.

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