01.08.2018 - 11:54 Uhr
VohenstraußOberpfalz

"Heute bin ich Chef"

Drei Tage lang nehmen die neun Auszubildenden in den unterschiedlichen Lehrjahren die komplette Verantwortung für die Bewohner einer Station im Walter-Siegert-Caritasheim.

Auch die Büroarbeit will erledigt werden.
von Elisabeth DobmayerProfil

(dob) Plötzlich stehen die Lehrlinge vor ganz neuen Herausforderungen: Drei Tage lang haben sie einen Rollenwechsel vollzogen und sich in der Position von Pflegedienstleiterin Karin Witt oder Heimleiterin Rita Gilch wiedergefunden. Mitarbeiterführung und -motivation sowie gesteckte Zielvorgaben, Zeit- und Konfliktmanagement sind keine Fremdwörter mehr und sollten neben den verantwortungsvoll zu betreuenden 21 Patienten im zweiten Stock unter dem Motto "Heute bin ich Chef" absolviert werden.

Es war ein Riesenanspruch, dem sich die Caritasheim-Mitarbeiterinnen in den vergangenen drei Tagen stellten. "Wir wollen es genauso super gut machen wie unsere Chefs", versicherten die Auszubildenden. Mittlerweile ist diese Aktion ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenspolitik in den Caritasheimen. Erstmals wurde diese Aktion im vergangenen Jahr an fünf Tagen in Regensburg durchgeführt, informierte Sandra Hald, übergeordnete Praxisanleiterin im Caritasverband der Diözese Regensburg. Sie ist begeistert von den Teilnehmerinnen. "Alles läuft sehr professionell, diszipliniert und ruhig ab."

Ein Rollup macht im Eingangsbereich des Heims auf diese wegweisende Aktion aufmerksam. "Uns fehlen einfach Fachkräfte", so Hald. Eigenständig leiten die jungen Frauen das gesamte Stockwerk mit den 21 Frauen und Männern, die sich aber sichtlich wohlfühlen, wie die 90-jährige Josefa Grundler aus Eslarn beweist, die freudestrahlend Natascha Beimler, die sich im ersten Ausbildungsjahr zur Pflegefachkraft befindet, in ihrem Zimmer zum Blutdruckmessen empfängt. Praktikantin Sybille Scherer wartet bereits im Hintergrund mit der Gehhilfe.

"Wir müssen in unsere Tätigkeit einfach hineinwachsen." Die jungen Auszubildenden haben das Ruder auf dieser Station mit allen Rechten und Pflichten übernommen. Permanent sind aber stets Fachkräfte mit anwesend. Sie halten sich aber bewusst im Hintergrund. An den drei Tagen kümmern sich die Auszubildenden unter anderem um die Grundpflege, die Betreuung der Bewohner und um deren Mobilisierung.

"Heute haben wir das Frühstückstablett ganz besonders schön hergerichtet. Jeder Bewohner bekam noch eine Praline extra", sind die Angestellten begeistert über das Vertrauen, das ihnen der Ausbildungsbetrieb entgegenbringt. Es ist vor allem die Extraportion Zeit, über die sich die Senioren freuen, berichten die Teilnehmerinnen. Ein Spaziergang verbunden mit einem Besuch in der Eisdiele am Vormittag ist gerade an den heißen Sommertagen eine willkommene Abwechslung. Ein kühles Handbad oder ein Kneipp-Fußbad erleichtern ungemein in dieser Hitze. Dem schließt sich dann auch noch die Nagelpflege für die Senioren an.

Die "Chefs" übernehmen auch die Gespräche mit den Ärzten, die zur Visite ins Heim kommen. Der Rollentausch macht den Leuten viel Spaß und Freude. Das ist schnell zu erkennen, als sie im Schwesternzimmer über den Dokumentationen brüten. Zwischendurch schenken sie den alten Leuten weitere Rituale zur Entspannung. "Vielleicht kann dadurch sogar die Nachtmedikation eingeschränkt werden", erklärt Birgit Stade, die kürzlich als Fachkraft die beste Abschlussprüfung am Berufsbildungszentrum Erbendorf seit Bestehen geschrieben hat.

Am dritten Aktionstag wollen die Teilnehmer mit den Senioren noch Schmetterlinge aus Wäscheklammern basteln. Außerdem steht ein gemeinsames Abendessen an. Zugleich gilt das Zusammensitzen auch der eigenen Reflexion auf die zurückliegenden Tage. "Die Arbeit mit den Senioren ist so abwechslungsreich. Wir bekommen ganz viel zurück", sind sich die Schwestern einig. Für den Aktionszeitraum gründeten die Frauen sogar eine WhatsApp-Gruppe. Teilnehmer waren neben Natascha Beimler, Birgit Stade und Sybille Scherer, Marie Bäumler, Nina Steger, Corinna Gruber, Lilian Zamanov, Nancy Böhm und Lisa Hierold.





Während Praktikantin Sybille Scherer (links) mit der Gehhilfe wartet, misst Natascha Beimler der 90-jährigen Josefa Grundler aus Eslarn den Blutdruck.

Natascha Beimler befindet sich im ersten Ausbildungsjahr zur Altenpflegefachkraft und beteiligt sich mit großer Freude am Aktionstag "Heute bin ich Chef". Der 90-jährigen Josefa Grundler gefällt der Kontakt zu den jungen Leuten.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.