Vohenstrauß
05.04.2019 - 10:45 Uhr

Hiobsbotschaft für evangelische Gemeinde

Eigentlich sollte nur die Dachsanierung der evangelischen Stadtkirche mit veranschlagten 650 000 Euro Kosten angepackt werden. Jetzt steht eine ganz andere Größenordnung im Raum, die längst noch nicht abzuschätzen ist.

Es ist zum Verzweifeln: zur geplanten Kirchendachsanierung kommen noch viel größere Mängel im Inneren der Stadtkirche hinzu. Probebohrungen ergaben, dass im Sockel viel Feuchtigkeit vorhanden ist. Die Gesamtkosten sind noch gar nicht abzuschätzen. Stadtpfarrer Dieter Schinke (links) und der stellvertretende Vertrauensmann des Kirchenvorstands, Uli Münchmeier, zeigen eines der Bohrlöcher am Sockel. Bild: dob
Es ist zum Verzweifeln: zur geplanten Kirchendachsanierung kommen noch viel größere Mängel im Inneren der Stadtkirche hinzu. Probebohrungen ergaben, dass im Sockel viel Feuchtigkeit vorhanden ist. Die Gesamtkosten sind noch gar nicht abzuschätzen. Stadtpfarrer Dieter Schinke (links) und der stellvertretende Vertrauensmann des Kirchenvorstands, Uli Münchmeier, zeigen eines der Bohrlöcher am Sockel.

Es war die Schreckensbotschaft schlechthin für die Evangelische Kirchengemeinde, die am Donnerstag Stadtpfarrer Dieter Schinke ins Haus flatterte und die Gemeinde ins Mark traf. Bei der großen Besprechungsrunde zur geplanten Dachsanierung der evangelischen Stadtkirche wurden die Ergebnisse der sicherheitstechnischen Untersuchungen des Deckenbestands und des Mauerwerks vorgelegt und das mit erschreckenden Erkenntnissen: im Altarbereich ist Gefahr in Verzug, dass Teile der Decke und des Putzes abbrechen könnten. Ein gefahrloses Feiern eines Gottesdienstes damit nicht mehr gegeben. „Der Altarbereich ist sofort zu sperren“, hieß es.

Unverzüglich reagierten Schinke und der Kirchenvorstand und riegelten das Gotteshaus erst einmal komplett ab. „Ich habe mit Kirchenpfleger Hermann Bibel den Altarbereich sofort mit Stuhlreihen abgegrenzt und zur Sicherheit die Kirche komplett abgesperrt“, berichtete der Pfarrer. Der Sonntagsgottesdienst wurde deshalb im Gemeindehaus gefeiert. Jetzt nach einigen Tage haben die Kirchenvorstandsmitglieder die schlimme Nachricht ein wenig verdaut und grübeln bereits über mögliche Lösungen, die aber bestimmt nicht einfach sind. Vor allem verlangen die Sanierungsmaßnahmen einen derzeit unüberschaubaren finanziellen Kraftakt von der Gemeinde. „Eigentlich wollten wir nur das Kirchendach sanieren und jetzt steht uns so eine große Hausnummer bevor“, ist der stellvertretende Vertrauensmann Uli Münchmeier konsterniert. „Herabfallende Putzteile können zwischen 30 und 50 Kilogramm wiegen.“

Die Risse in der Deckenwölbung sind mit bloßem Auge von unten zu erkennen. Restaurator und Kirchenmalermeister Johann Geitner aus Prönsdorf bei Velburg befasste sich im Dezember und Anfang des Jahres mit der sicherheitstechnischen und analytischen Untersuchung des Deckenbestands und gesamten Mauerwerks und kam unter anderem durch Bohrungen zu diesen dramatischen Ergebnissen. Seit Tagen zerbrechen sich die Mitglieder den Kopf wie es nun weitergehen kann. Die Evangelische-Lutherische Kirche mit Architektin Ulrike Weich in Sulzbach wurde bereits eingeschaltet. Doch der Verteilungsausschuss der Landeskirche, der die Gelder verteilt, tagt erst wieder im Dezember.

„Wenn wir Glück haben, sind wir dabei“, macht Münchmeier deutlich, wie schwierig es sein wird, möglichst zeitnah die grundlegende Sanierung anstoßen zu können. Außerdem muss das Denkmalamt mit ins Boot geholt werden, da die Stadtkirche denkmalgeschützt ist. Mit bis zu drei Jahren rechnen die Verantwortlichen deshalb schon. Sie erarbeiteten bereits Vorschläge, wie diese Zeit einigermaßen überstanden werden kann. Nachdem der Altarraum komplett eingerüstet und gesichert wird, bleibt nur der gesicherte Zugang zur Sakristei und der Kanzel in Form einer Einhausung frei.

Als erste Spontanmaßnahme haben die Verantwortlichen bereits gehandelt und den bisher zentral in der Mitte zum Altarraum stehenden Taufstein an den linken Seitenaltar versetzt. Dieser stammt aus dem Jahr 1932 und ist aus Sandstein und Granit gemeißelt. Durch den bisherigen Standort wäre es nicht möglich gewesen vor dem Gerüst einen Volksaltar zu platzieren, begründet Münchmeier. Als weiteres sollen von der Schreinerei Wagner die ersten drei Gestühlreihen abgebaut und entfernt sowie die vorderste Abschlussreihe wieder eingebaut werden. Die somit entstehende freie Fläche wird dann mit einem Podest in der vorhandenen Altarstufenhöhe verbunden, um eine einheitliche Plattform zu gewinnen. Mit Grobspanplatten und einem entsprechenden Unterbau kann dieses Areal stabil ausgeführt werden. Darauf kommt schließlich ein passender Teppich, erklärt Münchmeier.

Als Abtrennung für den gesperrten Altarraum würde den Verantwortlichen des Kirchenvorstands eine Fotomontage des großen Altarbilds vorschweben. Offen bliebe nur der mit Gerüstteilen geschützte Gang zur Sakristei. Vor dem Gerüsteinbau wird der Hochaltar gut geschützt verpackt und auch die wertvolle Mosaikauslegung mit Mettlacher Platten im Altarraum darf keinesfalls Schaden durch die Restaurierungsarbeiten nehmen. Ein weiteres großes Problem ist die durch Mauerbohrungen festgestellte Feuchtigkeit. Normalerweise wären zwei bis drei Prozent vertretbar. In der Stadtkirche wurde jedoch teilweise eine sehr hohe Belastung festgestellt, die eine dringende Maßnahme erforderlich machen. Aus diesem Grund steht auch eine umfassende Fundamentsanierung und Trockenlegung des Gebäudes an, eventuell sogar mit Einbau einer Wand- und Fußbodenheizung. Möglich wäre in diesem Zusammenhang der Anschluss an das Biomasseheizwerk der Vohenstraußer Naturenergie, stellte Münchmeier in Aussicht.

Mit dem Architekturbüro Juretzka, das auch die rund 650 000 Euro teure Zeltdachsanierung betreut, werde man versuchen, ein umfassendes Konzept für die anstehenden umfangreichen Maßnahmen zu entwickeln. Bei der letzten Sanierung 1988 wurde die Decke des Langhauses mit Korbbogentonne und hohen elliptischen Stichen saniert, mit einem Netz (Bockshaut) überspannt und verfestigt. Dieser ist außer den vorhandenen Rissen schadensfrei. Der Altarraum wurde damals ausgespart. Jetzt lösen sich dort die Mauerzwischenräume von den dicken Holzbohlen, mit dem das Chorgewölbe überspannt ist. „Es sind größere akute Entkoppelungszonen vorhanden und deswegen ist dringender Handlungsbedarf angezeigt.“ Mittlerweile zeigen sich tiefe Risse im Putz. Bald stehen große Festlichkeiten mit Ostern, Pfingsten und Konfirmation mit größeren Abendmahlsfeierlichkeiten bevor. Und auch bis zu den Krippenspielen und Weihnachtsgottesdiensten ist es mit Blick auf die bevorstehenden gravierenden Sanierungsaufgaben nicht mehr weit. Vertrauen müssen die Verantwortlichen nun auf zupackende Hände und großzügige Spender, damit die Jahrhundertaufgabe mit Landeskirche und Denkmalamt über die Bühne gehen kann. Am Sonntag, 7. April, soll der Gottesdienst bereits wieder in der Stadtkirche gefeiert werden können, stellt Münchmeier in Aussicht.

Ich habe mit Kirchenpfleger Hermann Bibel den Altarbereich sofort mit Stuhlreihen abgegrenzt und zur Sicherheit die Kirche komplett abgesperrt.

Evangelischer Stadtpfarrer Dieter Schinke

 
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