17.09.2018 - 10:28 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Integration geht durch den Magen

Ein multikultureller Kochabend des Evangelischen Frauenbunds in Vohenstrauß bringt verschiedene Nationen an den Tisch sowie im gemeinsamen Vorbereiten und im Gespräch zusammen.

Beim multikulturellen Kochabend lassen sich die deutschen Frauen gerne von der ausländischen Küche inspirieren.
von Elisabeth DobmayerProfil

Knapp 11 000 Kilometer liegen zwischen Vohenstrauß und Äthiopien. Diese riesengroße Entfernung haben die evangelischen Frauenbundfrauen mit Rahima und anderen Asylbewerberinnen ganz leicht überwunden, in dem sie einen Kochabend organisierten und ein bisschen äthiopischen Küchenduft verströmten. Schon mal bulgarische Köstlichkeiten probiert oder ukrainische und kurdische Gerichte? Vor allem Afrika scheint von der Weltkarte des Essens verschwunden zu sein, denn die meisten bringen das Land mit Hunger und Armut in Verbindung.

Beim multikulturellen Kochabend des Evangelischen Frauenbunds in der Küche des Sonderpädagogischen Förderzentrums zog am Freitagabend ein köstlicher Duft durch das Haus. Rahima aus Äthiopien, Mariyana Stoyanova und Nikol Jiristova aus Bulgarien, Diman und Nawaz aus Kurdien sowie Svetlana Völkl aus der Ukraine schwangen den Kochlöffel und kochten landestypische Speisen. Was der Reis in Asien ist, dürfte Injera in Äthiopien sein. Der saure, schwammartige Teig ist Grundlage für fast jedes Gericht. Injera wird aus Teff, dem einheimischen Getreidegras hergestellt. Rahima steht ganz ruhig am Topf und lässt eine Menge Zwiebeln, die zuvor kleingeschnitten wurden, im Rapsöl andünsten. Kochbücher kennen die Frauen nicht.

„Das ist bei uns alles im Kopf“, lacht Mariyana Stoyanova. Es sind besondere Geschmackserlebnisse, die die evangelischen Frauenbundfrauen um Lydia Gajan, Christa Lehner, Ulrike Kießling, Lore Marko, Andrea Weich und Bärbel Riedel an diesem Abend erleben. Auch Nina Mehta-Jander und Petra Klimt sowie Maximilian Rewitzer mischen sich unter die Köchinnen und helfen mit Handlangerdiensten wie Kartoffel- und Mandeln schälen oder Fleisch würfeln. Bei all dem Köcheln soll vor allem auch Gemeinschaftliches vermittelt werden. Von Hektik ist in den verschiedenen Landes-Kochabteilungen nichts zu spüren. Geduldig rösten die Kurdinnen Mandeln, Sultaninen und Kartoffeln im heißen Fett an, die später unter den Reis gemischt werden. Einen Küchenblock weiter paniert die Bulgarin ihre mit Käse gefüllten Paprika die sie schon vorbereitet hatte.

In ofenfesten Töpfchen, die mit Butter ausgefettet wurden, schneidet sie Tomaten, brökelt Feta darüber und nochmals Tomaten und lässt sie bei Ober- und Unterhitze im Rohr brutzeln. Mit Gastfreundschaft und in entspannter Atmosphäre haben die ausländischen Frauen überzeugt und ganz neue Erfahrungen an die Einheimischen weitergegeben. Immerhin geht auch Integration durch den Magen. Die Speisekarte war erfrischend übersichtlich und bot trotzdem eine reiche Auswahl an einigen Klassikern der fernen Küchen. Wer ungern mit den Fingern essen wollte bekam natürlich auch Messer und Gabel. Das deftige Fleischgericht aus Äthiopien mit Rindfleisch und dem Baharat, einer Gewürzmischung, wird landestypisch mit Injera gereicht, das üblicherweise in kleine Stücke gerissen wird, um damit kleine Happen zu greifen.

So gelangen die Köstlichkeiten am unkompliziertesten von der Hand in den Mund. Man nehme Pfeffer, Paprika, Koriander, Nelken, Kreuzkümmel, Kardamom, Bockshornklee, Ingwer und Muskatnuss sowie Zimt und heraus kommt Baharat, ein pulvriges Gewürz, das dem Gericht eine unvergleichlich feurige Note verleiht. Dazu kommen natürlich scharfe, grüne Paprikaschoten, zeigt Rahima stolz her. Svetlana Völkl rollt ihren Nudelteig aus und sticht kleine Kreise aus. „Ich koche Warenyky auf ukrainische Art.“ Einmal werden sie mit Kartoffelteig gefüllt und das andere Mal mit gewürzten Hackfleisch, ähnlich der italienischen Tortellini. Bei den halbmondförmigen Teigtaschen, die in Salzwasser gekocht werden, handelt es sich um ein ukrainisches Nationalgericht. Abschließend versammeln sich alle um eine reich gedeckte Tafel und lassen es sich von Herzen schmecken.

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Rezepte:

Firfir

4 Zwiebeln klein gewürfelt

Eine halbe Knoblauchknolle (5 bis 6 Zehen) gerieben

4 Zentimeterstück Ingwer

1 Tomate klein gewürfelt

4 Teelöffel Paprikapulver edelsüß

1 Teelöffel Baharat

3 Esslöffel Butter zerlassen und mit ein Viertel Teelöffel Baharat vermischen

1 Kilogramm Rindfleisch, klein geschnitten

2 Teelöffel Salz

Rapsöl

Gewürzte Butter einrühren

Injera grob zerreißen und in den Topf geben, umrühren. Mit einem Injera abdecken. Fertig.

Warenyky auf Ukrainisch

Nudelteig herstellen

Füllung:

Hackfleisch gemischt, Salz, Pfeffer, Petersilie, Schnittlauch, 1 Ei.

Füllung in die Teigtaschen geben und im heißen Wasser 20 Minuten kochen

Zwiebeln klein würfeln und in der Pfanne goldgelb anschwitzen und über die gefüllten Teigtaschen geben.

Svetlana Völkl (rechts) bringt das ukrainische Nationalgericht Warenyky auf den Tisch.
Hühnchen, Reis, Nudeln, Erbsen, Sultaninen und Mandeln kommen bei den kurdischen Köchinnen Diman und Nawaz auf den Teller.
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