Vohenstrauß
21.07.2026 - 18:26 Uhr
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Josef Reger umrundet Island mit dem Rad: Vom Insel-Sturm beinahe verweht

Reif für die Insel: Bauunternehmer und Extrem-Radsportler Josef Reger hat sich Island für seine jüngste Herausforderung ausgesucht. Regers Bilanz fällt sehr positiv aus. Auch wenn die Tour teilweise regelrecht gefährlich wurde.

Einmal Auszeit von allem: Für Josef Reger war es wieder einmal so weit. Eine gute Woche hat sich der Bauunternehmer genommen, um nicht Ansprechpartner für alles und jeden zu sein. Stattdessen gab es viel Zeit allein mit sich, seinem Rad und mit Island.

Die Insel im Norden Europas hat sich der 61-Jährige in diesem Jahr für sein Radsport-Abenteuer vorgenommen. „Mir gefällt Nordeuropa“, erzählt Reger. Spätestens seit seiner Tour zum Nordkap vor einigen Jahren wisse er, dass er mit der Natur und der Mentalität der Menschen dort gut zurechtkomme. Nachdem seine letzten Touren von der Oberpfälzer Heimat aus gesehen eher nach Süden in die Alpen oder über die Pyrenäen bis nach Barcelona führten, sollte es diesmal wieder in den Norden gehen. Und seine Wahl habe ihn nicht enttäuscht, erklärt Reger. „Die Insel, die Natur dort, ist einfach der Wahnsinn.“

Wenig Berge, viel Wind

Eine gute Woche hat sich Reger für seinen Ausflug ins Nordmeer Zeit genommen, sieben Etappen hatte die Tour. In dieser Zeit umrundete er die Insel im Uhrzeigersinn. In sieben Etappen absolvierte Reger ab dem 27. Juni gut 1500 Kilometer und 11.600 Höhenmeter. Wer Regers vergangene Touren, etwa durch die Alpen, verfolgt hat, der weiß, dass der Sportler auf dem Papier schon deutlich schwerere Aufgaben bewältigt hat. Hier stimmt auch Reger zu. Allerdings sorgte in der Realität das isländische Wetter dafür, dass ihn auch die Island-Tour teils bis an die Grenzen brachte.

Tatsächlich ist die Insel bekannt für ihr extrem wechselhaftes Wetter. Im Mittel regnet es beinahe jeden zweiten Tag. Dazu warnen diverse Reiseführer Radfahrer vor dem extremen Wind, der auch das Fahren auf flachen Straßen zur Herausforderung macht. Einschlägige Internetseiten wie „Biketour-Global“ raten deshalb dazu, mindestens zehn Tage, besser zwei Wochen für die Tour einzuplanen.

Besser im Uhrzeigersinn

An diesen Tipp hat sich Josef Reger nicht gehalten, einen anderen hat er aber beherzigt: „Ich bin von Reykjavík aus im Uhrzeigersinn gestartet“, erzählt Reger vom Auftakt. Die meisten Islandratgeber empfehlen Radfahrern diese Richtung, etwa der Globetrotter-Blog. Das habe beim Wind Vorteile, außerdem seien die meisten Anstiege von dieser Richtung aus angenehmer und gleichmäßiger zu fahren.

Tatsächlich sei der Start auch gut verlaufen. Zwar habe er immer wieder im Regen fahren müssen, der Wind habe es aber gut mit Josef Reger gemeint, wie er erzählt. Die ersten vier Etappen in Richtung Norden und am dritten Tag in östliche Richtung seien gut vom Wind unterstützt gewesen. „Teilweise bin ich auf flacher Strecke mit 50 Kilometern in der Stunde unterwegs gewesen, ohne mich besonders anzustrengen“, erzählt Reger.

In der Zeit konnte er die besondere Natur genießen. Josef Reger ist auch zwei Wochen nach seiner Rückkehr noch anzuhören, wie sehr ihn die Natur und Landschaft der Insel beeindruckt haben: die Fjorde, die kilometerlang und wenige hundert Meter breit vom Meer ins Landesinnere reichen. Dazu die Wasserfälle, vulkanische Quellen, dazu regelrechte Wüstenlandschaften. „Die Vielfalt dort ist wirklich beeindruckend“, sagt Reger.

Dabei habe er gar keine Sehenswürdigkeiten wie Wasserfälle oder Geysire angesteuert. Ihm reichte schon das, was er entlang der Route zu sehen bekam. Die meiste Zeit war Reger auf der großen Ringstraße unterwegs, die bis auf wenige Kilometer durchgehend asphaltiert ist und einmal rund um die Insel führt. Was er auf der Tour gesehen habe, habe auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht. „Ich würde gerne nochmal zum Familienurlaub zurückkommen, um dann Sehenswürdigkeiten und Natur zu genießen.“

Die Schattenseiten dieser Natur durfte Reger tatsächlich bereits ab Tag fünf „genießen“: Der Wind nahm deutlich zu und blies nun nicht mehr von hinten nach vorne. Der Kampf im Seiten- und Gegenwind habe die Tage fünf und sechs der Tour geprägt, berichtet Reger. Das habe ihn nicht nur körperlich und geistig ausgelaugt, teilweise sei es auch schlicht gefährlich gewesen. Bei jedem Lkw, der ihn überholte, habe er sich Sorgen gemacht. Eine Böe zur falschen Zeit hätte das Ende bedeuten können. Teilweise stoppte der Wind auch ohne Vorwarnung, sodass man unvermittelt auf die andere Seite steuerte. „An einer Brücke bin ich fünf Minuten gestanden und habe mir Gedanken gemacht, ob ich darüber fahren kann, ohne weggeblasen zu werden.“

Nur 103 Kiliometer

Tiefpunkt der Tour war dann auch Tag sechs, als Reger nach „nur“ 103 Kilometer abbrach und sich eine Unterkunft suchte. Nur gut 15 Stundenkilometer betrug an diesem Tag die Durchschnittsgeschwindigkeit, obwohl die Strecke beinahe völlig flach war. An diesem Tag passierte Reger auch den berühmten Diamantenstrand, den einzigen Punkt, an dem der Gletscher Vatnajökull das Meer erreicht, sodass dort am schwarzen Lavasand-Strand Eisblöcke im Wasser treiben. Weil der Wind an dem Tag den schwarzen Sand waagerecht ins Landesinnere peitschte, habe er nicht einmal diese Sehenswürdigkeit wirklich genießen können.

„Zum Glück“ habe sich der Wind in der Nacht darauf gelegt, sodass Josef Reger die Tour wie gewünscht am siebten Tag abschließen konnte. Dafür musste er den Tag aber bereits gegen 4 Uhr am Morgen starten: 16 Stunden und knapp 360 Kilometer später erreichte Reger in der Hauptstadt Reykjavík seinen Start- und Zielort.

Trotz der beiden Extrem-Wind-Tage: Regers Fazit fällt sehr positiv aus. Wegen der Natur und auch wegen der angenehmen Menschen auf der Insel. Unterwegs übernachtete der Bauunternehmer vor allem in Pensionen. Das war zwar teuer und musste wegen der wenigen Orte gut geplant sein. „Einmal musste ich 30 Kilometer rückwärts fahren, weil es bis zur nächsten Unterkunft zu weit geworden wäre.“ Die Erfahrungen vor Ort seien aber immer positiv gewesen. Und ein wenig Unvorhersehbarkeit und Abenteuer gehört eben dazu, wenn Josef Reger Auszeit von allem nimmt.

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