09.03.2021 - 12:52 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Kavaliersgebäude in Vohenstrauß wird für 5,55 Millionen Euro saniert

Das Alte Forstamt fristet im Schatten der Friedrichsburg ein Mauerblümchendasein. Damit soll nun bald Schluss sein. Der Bauausschuss genehmigte einen Plan des Landratsamts, nachdem das Gebäude komplett instand gesetzt werden soll.

Der ehemalige Marstall von Schloss Friedrichsburg wird umfassend saniert. Die Bauarbeiten beginnen noch in diesem Jahr.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Kreisbaumeister Werner Kraus stellt auf Anfrage von Oberpfalz-Medien den Umbau und die umfassende Renovierung des früheren Forstamtsgebäudes vor. Nach einem europaweit ausgeschriebenen Vergabeverfahren seien die Architekten Bruno Fioretti Marquez, Berlin, und Greiner Architekten, Neustadt/WN mit dem Projekt beauftragt worden. Die Kosten werden auf rund 5,55 Millionen Euro geschätzt. Finanziert werde die Maßnahme über Städtebauförderungsmittel (Stadt Vohenstrauß mit Freistaat Bayern), angefragt seien Mittel aus dem Entschädigungsfonds. Auch eine Beteiligung des Bezirks Oberpfalz sei angedacht. Nicht zuletzt werde man auf Eigenmittel des Landkreises Neustadt/WN zurückgreifen müssen. Der Baubeginn sei laut Kreisbaumeister für Herbst 2021 geplant. Die Verantwortlichen rechnen mit einer Bauzeit von etwa zwei Jahren.

Im Erdgeschoss wird die Volkshochschule mit drei Schulungsräumen, Aufenthalts- und Verwaltungsräumen einziehen. Das Obergeschoss wird die Kfz-Zulassung mit Führerscheinstelle beherbergen. Hierfür seien insgesamt fünf Büroräume unterschiedlicher Größe vorgesehen. Im Dachgeschoss ist genügend Platz für Archivräume.

Gewölbe erhalten

Die historische Raumaufteilung soll weitestgehend erhalten bleiben. Auch der Erhalt der Gewölbe im Erdgeschoss und der Stuckdecken im Obergeschoss werde verfolgt. Saniert werden erhaltenswerte historische Ausstattungen. Zu den Neuausstattungen nach historischen Vorbildern gehören zum Beispiel Fenster, Türen, Wand-und Bodenbeläge. Geplant ist die Instandsetzung des Dachtragwerks, der Decken und Gewölbe nach statischen Vorgaben. Neben der barrierefreien Erschließung mit einem Aufzug über drei Geschosse sind der Einbau einer Zentralheizung mit Wand- und Fußbodenheizung, moderne Sanitärräume, die Ausstattung mit EDV- und Elektroinstallationen, sowie eine Brandmeldeanlage vorgesehen.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer erklärte in der Bauausschusssitzung, dass der Städtebauliche Berater Urban Meiller um eine Stellungnahme gebeten worden sei. Er habe die Maßnahme als "sehr positiven Beitrag zur Ortskernsanierung" gewertet. Auf Nachfrage von SPD-Stadtrat Bernd Koller ergänzte der Bürgermeister, dass man nach Ende der Gebäudesanierung auch die Zufahrt zur Friedrichsburg und den Innenhof herrichten werde. Hierfür müsse man jedoch zusammen mit dem Freistaat Bayern ein vernünftiges Konzept erstellen.

Friedrichsburg in Zeiten der Pandemie

Vohenstrauß

Schwierige Grundstücksverhältnisse

Der der frühere Marstall ist das älteste, noch original erhaltene Bauwerk des über 400 Jahre alten Ensembles. Das optische Erscheinungsbild ist wesentlich schlechter als sein Zustand, erklärte Kraus schon vor Jahren. Schwierige Grundstücksverhältnisse hätten die Suche nach einer adäquaten Nutzung schwierig gemacht. Das Alte Forstamt gehört dem Landkreis, Innenhof und damit die Zufahrt jedoch dem Freistaat. Als Forstdienststelle diente es in etwa ab 1900, nun stand es seit 40 Jahren leer und bot wahrlich keinen repräsentativen Anblick im Ensemble der Burg.

Das Innere ist eine einzige Baustelle. Dennoch ist zu erahnen, welch imposante Räume hier nur darauf zu warten scheinen, aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt zu werden. Bemerkenswert ist bereits das prächtige Gewölbe im Erdgeschoss. Eine beeindruckende Treppe führt in den ersten Stock. Die herrschaftlichen Räume zieren Stuckdecken, die unter anderem auch in der Denkmalliste aufgeführt sind. Und im Dachstuhl zeugen über 400 Jahre alte Balken von Zeiten des Pfalzgrafen Friedrich.

Die Pläne zur Instandsetzung des Marstalls in Vohenstrauß erstellte das Greiner Architekten aus Neustadt/WN in Zusammenarbeit mit Bruno Fiorietti Marquez aus Berlin.
Das Modellfoto zeigt den einen Schulungsraum der VHS im Erdgeschoss des Kavaliersgebäudes.
Bedeutung:

Kavaliershaus

  • Als Kavaliershaus oder auch Cavalierhaus bezeichnete man seit dem Barock ein Gebäude, das als Teil eines Schlossensembles der Aufnahme des Hofstaats diente. Die eingedeutschte Bezeichnung des Kavaliershauses leitet sich von den ursprünglich den Reitern, also Rittern vorbehaltenen Gebäuden ab. Später wurde der Name synonym für diejenigen Gebäude einer Schlossanlage verwendet, die nicht direkt durch die jeweilige Fürstenfamilie bewohnt waren.
  • Im Kavaliershaus fanden Angestellte des Hofes, hohe Beamte, Kuriere oder Gäste ihren Platz.
  • Barockanlagen umschließen die Kavaliershäuser zusammen mit dem eigentlichen Schloss häufig den Ehrenhof. Sie können mit dem Hauptschloss durch Galerien verbunden sein oder allein stehen.
  • Je nach Umfang, Größe und Bedeutung der jeweiligen Residenz – und ihrer Bewohner – kann ein Kavaliershaus gewissermaßen ein Schloss für sich darstellen oder aber auch eher einem Bürgerhaus ähneln.
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