20.11.2020 - 15:47 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Kohlendioxid im Klassenzimmer: Messgeräte schlagen Alarm

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Frische Luft auf engem Raum ist in der Coronapandemie unerlässlich. Kohlendioxid-Messgeräte schlagen Alarm, wenn es Zeit wird, zu lüften. In Vohenstrauß sind bereits 53 dieser Geräte an Grund- und Mittelschule im Einsatz.

In der Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule sind diese CO2-Messgeräte im Einsatz.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Mit einem umfassenden Hygieneplan will das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus die Infektionszahlen in Schulen möglichst gering halten. Ein wichtiger Teilaspekt ist das Lüften der Klassenräume. So rüsten sich Schüler in der kalten Jahreszeit mit dicken Pullovern, Mützen und Schals aus, um sich nicht zu erkälten, wenn die Lehrer immer wieder "auf Durchzug" schalten. Auch das Robert-Koch-Institut rät zum "regelmäßigen und korrekten Lüften von Fluren und Räumen, um die Anreicherung und Verteilung potentiell infektiöser Aerosole zu vermeiden". Für ein gutes Raumklima sollte die CO2-Konzentration unter 1000 ppm (parts per million) liegen. Technische Hilfe leisten Kohlendioxid-Messgeräte, die derzeit auch in Klassenzimmern im Landkreis Neustadt/WN Einzug halten.

Start mit 53 Messapparaten an Grund- und Mittelschulen in Vohenstrauß

Der Vohenstraußer Bürgermeister Andreas Wutzlhofer war am Freitag stolz, dass er nach eigener Aussage "einer der ersten Bürgermeister im Landkreis" ist, der solche Geräte übergeben durfte. Insgesamt 53 Messapparate, die im Handel pro Stück rund 100 Euro kosten, überreichte er als Sachaufwandsträger an die beiden Rektoren von Grund- und Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule, Beate Vetterl und Hubert Reil. Zusammen mit den dazu angeschafften Netzteilen ergab sich eine Gesamtsumme von 6010 Euro. Der Freistaat gibt pro Schüler einen Zuschuss von 7,27 Euro. In Vohenstrauß sei die Förderung angesichts der 566 Schüler mit insgesamt 4114 Euro "sehr stattlich" gewesen. Wutzlhofer: "Wir haben mit der Bestellung der Geräte schnell reagiert." Mittlerweile, das bestätigt auch Mittelschulrektor Reil nach Gesprächen mit anderen Schulleitern, gebe es Lieferschwierigkeiten.

Landkreis will auch 210 Messgeräte

Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien erklärte die Sprecherin des Landratsamtes, Claudia Prößl, am Freitag, dass sich der Landkreis als Sachaufwandsträger von Realschulen, Gymnasien, Förderzentren und Berufs- und Wirtschaftsschulen mit dem Thema natürlich ebenfalls beschäftige: "Wir planen die schnelle Anschaffung von insgesamt 210 Messgeräten zum Preis von insgesamt 63.000 Euro. Zu diesem Betrag erhalten wir voraussichtlich eine Förderung in Höhe von insgesamt 24.718 Euro, den Rest zahlt der Landkreis."

Alarm nach acht Minuten

Währenddessen hat der Vohenstraußer Mittelschulrektor Hubert Reil schon erste Erfahrungen mit den Messinstrumenten gesammelt. "Ich habe in meiner Klasse während einer Matheprobe ein Messgerät aufgestellt. Ich wollte wissen, wie es reagiert, wenn man alle Fester und Türen geschlossen hält." Das Ergebnis: Bereits nach acht Minuten schlug das Gerät Alarm, weil die Kohlendioxidmenge von 1000 ppm überschritten war.

Grundschulleiterin Beate Vetterl ergänzt, dass an ihrer Schule die Türen der Klassenzimmer immer geöffnet bleiben. Alle 20 Minuten werde stoßgelüftet. Die Konzentration von Kohlendioxid in der Raumluft hänge von der Zahl, Aufenthaltsdauer und Aktivität der Schüler ab. Entscheidend sei natürlich auch die Größe des Raums. Einen weiteren Aspekt liefert der Chef der Mittelschule: "Bemerkenswerterweise sind die Kohlendioxidwerte in den Räumen oberhalb unserer Mensa, die mit einem Lüftungssystem ausgestattet ist, besser als in den anderen Zimmern." Insofern würden Überlegungen, für besonders belastete Räume Luftaustauschgeräte anzuschaffen, schon Sinn machen. Wutzlhofer ergänzte, dass sich der Stadtrat mit diesem Thema bereits auseinandergesetzt habe. Vor einer Entscheidung, sehr teure Luftfiltergeräte anzuschaffen, bräuchte es aber noch belastbare, wissenschaftliche Studien dazu.

In Friedenfels läuft der Luftreiniger in der Schule

Friedenfels

Eine erste Klasse in Quarantäne

Grundsätzlich, so bestätigen die beiden Schulleiter, würden die Hygienekonzepte an der Grundschule und der Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule sehr gut greifen. An der Mittelschule gebe es derzeit keinen einzigen Corona- oder Quarantänefall. Beate Vetterl erläutert, dass sich aktuell an der Grundschule eine erste Klasse in Quarantäne befinde. Der Distanzunterricht laufe jedoch bislang sehr gut.

In dem Zusammenhang erwähnten beide Rektoren, dass nicht nur die digitale Ausstattung der Bildungseinrichtungen in Vohenstrauß erstklassig sei. Sämtliches Material, das zur Einhaltung der Hygienemaßnahmen notwendig geworden war, wie zum Beispiel Desinfektionsmittel, sei schnell und unbürokratisch geliefert worden. Vor weiteren Beschränkungen, die auch erneut Unterricht von zu Hause aus mit sich brächten, sei dem Mittelschulleiter nicht bange: "Wir können den Unterricht nicht zuletzt aufgrund der digitalen Tafeln in allen Klassenzimmern live streamen."

Trotzdem seien vor allem die Lehrer nach wie vor stark gefordert. Ihre Leistung während der Pandemie sei angesichts der angespannten Personallage "enorm hoch" einzuschätzen. Es gebe keine Mobile Reserve mehr. An seiner Schule mussten bis zu 70 Stunden pro Woche von Vertretungen gestemmt werden. "Etwas Normalität wäre schon mal wieder schön", meinte Reil.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer übergibt den Rektoren von Mittelschule und Grundschule, Hubert Reil und Beate Vetterl, insgesamt 53 Kohlendioxid-Messgeräte.
In der Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule sind CO2-Messgeräte im Einsatz.
Hintergrund:

Aus dem Rahmenhygieneplan des Kultusministeriums

Dem infektionsschutzgerechten Lüften kommt gerade in den Herbst- und Wintermonaten enorme Bedeutung zu, um die Virenlast und damit die Ansteckungsgefahr in Gebäudeinnenräumen durch regelmäßige Frischluftzufuhr zu verringern.

  • Mindestens alle 45 Minuten ist eine Stoßlüftung beziehungsweise Querlüftung durch vollständig geöffnete Fenster über mehrere Minuten (mindestens 5 Minuten) vorzunehmen, wenn möglich auch öfters während des Unterrichts, sogenannten CO2-Ampeln tragen dazu bei, den richtigen Zeitpunkt für eine Notwendigkeit des Lüftens zu bestimmen.
  • Eine Kipplüftung ist weitgehend wirkungslos, weil durch sie kaum Luft ausgetauscht wird.
  • Ist eine solche Stoßlüftung oder Querlüftung nicht möglich, weil zum Beispiel die Fenster nicht vollständig geöffnet werden können, muss durch längere Lüftungszeit und Öffnen von Türen ein ausreichender Luftaustausch ermöglicht werden.
  • Bei Räumen ohne zu öffnende Fenster oder mit raumlufttechnischen Anlagen ohne oder mit zu geringer Frischluftzufuhr hat die Schulleitung mit dem zuständigen Sachaufwandsträger geeignete Maßnahmen zu treffen (zum Beispiel zeitweise Öffnung an sich verschlossener Fenster).
  • Grundsätzlich sollten raumlufttechnische Anlagen mit möglichst hohem Frischluftanteil betrieben werden.

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