18.12.2019 - 18:25 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Landwirte protestieren mit Flashmob

Mit einem Flashmob machen Landwirte im Landkreis an gut einsehbaren Stellen auf ihre Probleme aufmerksam. Düngeverordnung, Agrarpaket, Baurecht oder ein qualifizierter Marktzugang verlangen eine Diskussion.

Auf der Brücke über die Autobahn in Richtung Moosbach positionierten sich am Mittwochabend Landwirte mit ihren Traktoren, genauso wie an anderen Stellen im ganzen Landkreis.
von Elisabeth DobmayerProfil

Mit einem Flashmob auf vier Brücken über die Autobahn im Bereich Vohenstrauß protestierten Landwirte am Mittwochabend bei einbrechender Dunkelheit mit einer Kolonne von blinkenden Traktoren und Schleppern. Nicht nur in Vohenstrauß sondern auch in Neuhaus, Altenstadt/WN und Eschenbach sowie an weiteren Stellen im gesamten Landkreis beteiligten sich Berufskollegen an dieser deutschlandweiten Aktion.

Nach den Worten von Hauptorganisator Daniel Käs aus Buch dürften rund 100 Landwirte an der Aktion beteiligt gewesen sein. Aufgerufen hatte dazu das Netzwerk „Land schafft Verbindung“.

Die Bauern hatten sich über eine WhatsApp-Gruppe verabredet und gemeinsam auf den Weg gemacht. Rund 20 Agrarexperten fuhren allein in Vohenstrauß mit ihren schweren Fahrzeugen über den Marktplatz hinauf und erregten bereits hier großes Aufsehen. Sie positionierten sich auf den Autobahnbrücken Richtung Moosbach und drei weiteren leicht einsehbaren Übergängen.

Aufmerksamkeit statt Blockade

„Wir wollen keine Straßenblockaden erzeugen, sondern nur auf unsere Probleme aufmerksam machen“, versicherten die Beteiligten. Sie wollten mit ihrem Protest Solidarität zu den Demonstrationen in den Niederlanden zeigen, die ebenfalls am Mittwoch stattfanden, und dem ganzen Druck verleihen. „Wir wollen ein Zeichen für den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft setzen.“

Die spontane Aktion soll unter anderem auf die überbordende Bürokratie und die strengen Umweltauflagen hinweisen und so auf die Lage der Bauern aufmerksam machen, unterstrich Käs. Er zählte Düngeverordnung oder das Agrarpaket sowie Fehlinformationen an den Schulen als Kritikpunkte auf. Kindern werde ein komplett falsches Bild von der Landwirtschaft vermittelt, klagt der Bauer. „Das wird alles auf den Rücken unserer Kinder ausgetragen.“

Die Bewegung „Land schafft Verbindung“ setzt sich zusammen aus einer Vielzahl von Personen aus der Landwirtschaft, sowie deren vor- und nachgelagerten Bereichen. „Was uns ausmacht, ist die Tatsache, dass in unserer Bewegung alle Produktionssparten der Landwirtschaft engagiert sind. In einer neutralen, verbandsunabhängigen Struktur eint uns alle das gemeinsame Ziel, die Landwirtschaft wieder in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.“

Viele Betriebe, viele Meinungen

Dabei sei es den Berufskollegen durchaus klar, dass es in ihrer Branche eine Vielzahl von Meinungen gebe. Kein Betrieb gleiche dem anderen. Somit müsse auch eine Vielzahl individueller Probleme diskutiert werden, so Käs. "Ebenso gibt es auf der Seite der Bevölkerung eine Vielzahl von Meinungen darüber, wie eine zukunftsfähige Landwirtschaft aussehen sollte.“

Der Diskurs, der sich aus dieser Vielzahl von Ansichten ergibt, möge zwar manchmal anstrengend sein, jedoch bilde er den Grundpfeiler der Demokratie. „Wir als Bewegung der Basis, müssen leider immer häufiger feststellen, dass gerade dieser Diskurs, allzu oft in einem nicht enden wollenden Schlagabtausch zwischen, Landwirtschaft, Politik und zahlreichen Tierschutz- und Umweltverbänden endet, ohne am Ende einen tragfähigen Kompromiss zu erzielen.“ Deshalb fordere man nun alle Beteiligten auf, zusammen mit den Landwirten, an einer zukunftsfähigen, gesellschaftlich akzeptierten Form der Landwirtschaft zu arbeiten.

Bereits am Samstag, 21. Dezember haben Verbraucher die Möglichkeit bei einem „Wintersonnwendfeuer“ auf dem Johannisfeuerplatz in Meerbodenreuth ab 20 Uhr vorbeizukommen und mit den Landwirten ins Gespräch zu kommen, lädt Käs ein.

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