10.07.2018 - 10:24 Uhr
VohenstraußOberpfalz

"Lindenzentrum im Naturpark"

Der süßlich betörende Duft von Lindenblüten gehört zum Frühsommer, daraus gewonnener Tee bei Erkältung zu den Klassikern unter den Hausmitteln. Eine Radtour mit Diplom-Biologin Mathilde Müllner führt zu Lindenbäumen rund um Vohenstrauß.

Natürlich legte die Radgruppe mit Diplom-Biologin Mathilde Müllner am wohl berühmtesten Lindenbaum in der Region, am "Kalten Baum", einen Halt ein.
von Elisabeth DobmayerProfil

Die Linde steht dem Menschen nahe, sie ist Naturdenkmal und Kulturgut. Bis zu 1000 Jahre kann so ein mächtiger Baum werden. Früher pflanzte man häufig einzelne Linden als Dorf- und Hoflinde oder als Orientierungshilfe in der Landschaft. Zu Beginn und zur Einstimmung besuchten die Teilnehmer die Ausstellung "Lindenzauber" in der Friedrichsburg.

Welche Verbindung zwischen Mensch und Linden schon seit der Steinzeit bestehen und welche die ökologische Bedeutung der Baum für Pflanzen sowie Tiere hat, brachte die Biologin und Fachfrau für Landschaftspflege im Landratsamt Neustadt/WN den Teilnehmern bei der gut dreistündigen Radl-Tour näher.

Erster Halt war bei der Friedenslinde, die nach dem Friedensschluss des deutsch-französischen Kriegs 1870/1871 an der "Schöfer"-Kreuzung gepflanzt wurde. Um die Jahrhundertwende wurde sie vom Blitz getroffen. An der Stelle wurde aber wieder eine Linde gepflanzt. "Jedoch ist sie wegen der Häuser und der Sicht auf die vorbeiführende Straße sehr hoch geastet", bedauerte Müllner. Das Naturdenkmal "Lindengruppe an der Pfalzgrafenstraße am Wasserbehälter" wurde laut einer Verordnung von 1963 bewusst zur Beschattung des Wasserhauses gepflanzt. Von ursprünglich 19 Winterlinden sind noch zwölf erhalten.

Als die Radler durch die Allee vorbei an Neuwirtshaus nach Straßenhäuser fuhren, duftete es nach üppig blühenden Winterlinden. "Die sommerlichen Temperaturen haben eine außergewöhnlich reiche und frühe Lindenblütenpracht hervorgebracht", erklärte die Biologin.

Ein Zwischenstopp am Naturdenkmal "Kalter Baum" durfte nicht fehlen. Mit diesem Baum sind viele Sagen verknüpft, und deshalb ist er in vielen Büchern zu alten Bäumen deutschlandweit erfasst. Zum Alter von Linden heißt es im Volksmund: "Eine Linde kommt 300 Jahre, bleibt 300 Jahre und geht 300 Jahre." Müllner zeigte den Teilnehmern auch die Stabilisierungshilfen. Linden besitzen eine hohe Regenerationskraft nicht nur mit Stock- und Stammausschlägen außen, sondern auch im Stamm mit sogenannten Adventivwurzeln, die auch dem "Kalten Baum" im Inneren fast stammdick zusätzlich Stabilität verleihen.

Weiter ging es nach Steinach zum Granitfelsen "Heller Stein". Das Areal ist als Naturdenkmal eingetragen. Die Solitärlinde, die auf dem höchsten Punkt der Kuppe wächst, ist von der Silhouette her mit weit ausladenden Ästen dem "Kalten Baum" sehr ähnlich.Der Stamm umschließt fast einen Granitstein. Der "Helle Stein" ist in einem alten Kataster als Ödung unter dem Namen "Hollerstein" eingetragen und wurde als Hutung genutzt. Bis 1919 stand dort auch ein Hirtenhaus. Solche ursprünglich frei stehenden Linden dienten früher oft als Gerichtsbäume.

Weiter ging es nach Oberlind. Eine junge Sommerlinde soll an die Tradition der Dorflinden als Ortsmittelpunkt anknüpfen. Bereits 1350 ist eine Pfarrei "Linden" im Verzeichnis der Oberpfälzer Pfarreien erwähnt, wusste Müllner. "Oberlind besitzt also einen geschichtsträchtigen Ortsnamen." Am Ortsausgang stehen sehr beengt mit wenig Standraum zwei weitere alte Linden, die ein Kreuz einrahmen und ebenfalls als Naturdenkmal eingetragen sind.

Eine Verbindung von Linden mit der Marienverehrung lässt sich an der unweit entfernten Kalvarienbergkirche herstellen, die der "Schmerzhaften Muttergottes" geweiht ist. Eine junge Sommerlinde wurde als Ersatz für den alten Baum gepflanzt und ist ebenfalls schon geschützt. "Linden rahmen oft Wallfahrtskirche mit Marienbezug ein." Beschattet von der Lindenallee an der Oberlinder Straße radelten die Teilnehmer zurück nach Vohenstrauß zum Platz am ehemaligen Stadttor "Linder Tor". Im Stadtgebiet sind weitere Linden zu entdecken wie am Heimatmuseum und an den Kirchen. "Vohenstrauß kann fast als Lindenzentrum im Naturpark bezeichnet werden", erkannte Müllner.

Natürlich legte die Radgruppe mit Diplom-Biologin Mathilde Müllner am wohl berühmtesten Lindenbaum in der Region, am "Kalten Baum", einen Halt ein.

Natürlich legte die Radgruppe mit Diplom-Biologin Mathilde Müllner am wohl berühmtesten Lindenbaum in der Region, am "Kalten Baum", einen Halt ein.

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