02.08.2020 - 15:06 Uhr
VohenstraußOberpfalz

LTO begeistert mit fantasievoller Premiere von "Kuh Rosmarie"

Sie schimpft, nörgelt, kritisiert – ständig. Eine intolerante Kuh bringt erst einen Bauernhof und dann einen ganzen Kontinent zur Verzweiflung. Die Premiere des Stücks des Landestheaters Oberpfalz war vielfach spaßig und überraschend.

Die Bühne im Schloßgarten der Friedrichsburg. Die Kuh Rosmarie (Mona Fischer) stänkert am Bauern (Johannes Aichinger, rechts) herum. Klangtechnisch untermalt von Martin Kubetz (Mitte).
von Redaktion ONETZProfil

Sonnenschein, alte Mauern, alte Bäume. Das perfekte Wetter für eine Premiere im Freien, im Garten hinter der Friedrichsburg. Auf der Wiese sind Quadrate aufgebracht, in denen die Zuschauer coronagerecht Abstand halten oder mit der Familie, mit Decke, Stuhl oder Kinderwagen, einfach gemeinsam im Theater sein können. Eine geniale Lösung. Und viel Platz für die Bühne. Zwischen drei Bäumen Stricke gespannt, auf denen Wäschestücke aufgehängt werden. Jedes einzelne Stück verkörpert ein Tier oder einen bestimmten Ort, vom Schlafzimmer des Bauern über den Brunnen mit dem Fisch bis zum Schweinestall. Und jeder Schauspieler des Zwei-Personen-Stücks mimt verschiedene Tiere oder Menschen. Johannes Aichinger überzeugt als stoisch-schicksalergebener Bauer, Mona Fischer mit Temperament und Ausdruck als Kuh Rosmarie, Erzählerin und vieles mehr. In der Mitte steht Martin Kubetz als Musiker, Moderator, Erzähler, der mit Akkordeon, elektrischem Kontrabass, Gitarre, Blockflöte, Klangschale und Percussion sämtliche Geräusche imitiert: den Hund, das Kratzen des Bauern an Kopf und Hintern wenn er nachdenkt, den Fisch, den Zug, das Flugzeug.

Das Leben könnte so schön sein, wenn da nicht nicht immer jemand stänkert, nörgelt, labert und schimpft und einem nichts gönnt, was Spaß macht. Doch so geht es dem gesamten Bauernhof, die Kuh Rosmarie (Mona Fischer) hat an allem etwas auszusetzen. Das Schwein macht sich zu dreckig, der Hund schmatzt, das Huhn gackert zu laut, der Fisch trägt keine Badehose und der Bauer putzt sich nicht richtig die Zähne. Wie eine zänkische Ehefrau macht sie ihm das Leben zur Hölle. Wenn sie nur nicht so ein schönes Fell hätte und so viel Milch gäbe.

Doch irgendwann ist Schluss. Der Bauer (Johannes Aichinger mit plattdeutschem Dialekt) legt ihr den Strick um, führt sie zum Bahnhof, zum Flugzeug, und ab nach Afrika. Endlich Ruhe und Frieden. Das Schwein darf sich suhlen, der Hund beim Fressen schmatzen, das Huhn gackern, der Fisch planschen. Doch der Frieden hält nicht lange, denn plötzlich tauchen seltsame Tiere auf dem Bauernhof auf. Ein unglücklicher Löwe, ein weinendes Krokodil, eine Giraffe mit Halsschmerzen und ein verstörter Elefant. Sie alle hat Rosmarie in Afrika zur Verzweiflung getrieben mit ihrer ständigen Nörgelei. Sie sind geflüchtet und wollen im Bauernhof bleiben, doch da ist zu wenig Platz. Kopf und Hintern kratzend denkt der Bauer wieder nach und findet eine Lösung. Ab mit den vier Tieren nach Afrika und die Kuh wieder heim holen. Auch wenn der Rest der Tiere nicht so begeistert ist von der Idee.

Mit starkem schauspielerischen Ausdruck, raschen Personen-, Tier- und Szenenwechseln begeistern die Darsteller in dieser ungewöhnlichen Bearbeitung von Andri Beyeler. Eine fantasievoll erzählte Geschichte, knackige Dialoge, komische Situationen. Das Publikum ist begeistert, wenn auch die jüngeren Kinder etwas Probleme haben mit den plötzlichen Szenenwechseln.

Das Theater ist nicht die einzige Veranstaltung auf der Friedrichsburg

Vohenstrauß
Große Quadrate auf der Wiese geben jedem Zuschauer einen eigenen geschützten Bereich.
Der Bauer (Johannes Aichinger) kurz nach dem Aufstehen, noch im Schlafanzug. Links von ihm das bunte Huhn, rechts sein Bett.
Der Zuschauerraum hinter der Friedrichsburg bietet ein ganz neues Theatererlebnis.
Rosmarie ist wütend..
Der Bauer ist genervt von ihrem ständigen Geschimpfe und Genörgel

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