09.12.2018 - 15:53 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Mähne ab für guten Zweck

Haare schneiden für den guten Zweck. Das kommt an. Was in der Wittschauer Straße für den Verein Kinderkrebshilfe in der Region Oberpfalz Nord organisiert wurde, verdient Superlativen.

Auf der Straße anstellen zum Haare schneiden. Vor dem Friseursalon bildete sich eine lange Warteschlange. Sobald ein frisch frisierter Kunde den Salon verließ, rückte ein neuer nach. Die Wartezeit nahmen die Kunden aber gerne in Kauf.
von Elisabeth DobmayerProfil

Bereits zum elften Mal hieß es im Friseursalon Günther Schönberger „Styling gegen Krebs“. Das von Friseurmeister Günther Schönberger und Bürgermeister Andreas Wutzlhofer zum Keimen gebrachte Benefizpflänzchen ist zum großen Spendenbaum herangewachsen. Manche Besucher lassen sich gar eine Mähne wachsen, die akkurat an diesem Tag für den guten Zweck abgeschnitten wird und Geld in die Kasse für krebs- und schwerstkranke Kinder mit ihren Familien spült.

Im Friseurstudio war kein Platz mehr zum Umdrehen und so stellten sich die Kunden in Reih und Glied auf der Straße an. Dort warteten sie bis wieder ein frisch frisierter Kunde den Salon verließ und rückten dann einzeln nach. Dank der angenehmen Temperaturen war das kein Problem. Helfer hatten im Freien eine kulinarische Festmeile aufgebaut.

Drinnen hatten die Friseusen Schweißperlen auf der Stirn. Sie wuschen im Akkordtempo Köpfe, drehten Locken, kürzten Haare oder zupften Strähnen zurecht. Die Föns liefen auf Hochtouren und jeder noch so kleine Winkel wurde für die Kundschaft genutzt. Bereits am frühen Nachmittag waren die Helfer ähnlich der Weihnachtswichtel unterwegs und bauten auf der Wittschauer Straße und im gegenüber des Friseursalons liegenden Nachbarhof die ganze Logistik auf.

Bei Einbruch der Dunkelheit lockerten die „Pleystoiner Bläser“ mit weihnachtlichen Weisen auf. Auf dem Kopf trugen sie rote Zipfelmützen. Gleich nebenan ließen sich die frisch frisierten Gäste einen Glühwein, Bier, Würstchen, Döner, Fischspezialitäten und vieles andere schmecken. Es schien, als rückten die Besucher für den guten Zweck näher zusammen.

„Sound of Mountain“ aus Georgenberg und das „Krautkopf“-Duo aus Roggenstein spielten im Laufe des Abends ebenfalls auf. Zwar schickten die „Zwoa Schneidig‘n“ keine musikalischen Grüße aber eine 100-Euro-Spende, die Christian Müllers Mutter zum Friseurbesuch mitbrachte und an Hauptkassier Wolfgang Leupold für die Spendenkasse übergab. Letzterer hatte die Abrechnung übernommen und alles penibel zu dokumentieren.

Kinderkrebshilfe:

Wenn Herbert Putzer aus der Arbeit der Kinderkrebshilfe erzählt, wird es unter den Zuhörern ganz still. Für eine Familie muss die Diagnose Leukämie bei ihrem dritten Kind wie ein Keulenschlag gewesen sein. Im August wurde der kleine Liebling mit einem Herzfehler geboren, auch eine Darmerkrankung hat er. "Es sind sehr harte Gegner, gegen die ein so kleines Leben seither kämpft." Für die Eltern und Geschwister beginnt eine schlimme Zeit großer Umstellungen. Seit August ist das Leben der Familie regelrecht aus den Fugen geraten. „Die Mutter sitzt am Krankenbett in Erlangen“, berichtete Putzer. Der Vater nahm unbezahlten Urlaub, um für seine beiden anderen Kinder mit 9 und 6 Jahren da zu sein. Am Wochenende fährt er in die Klinik, die Mutter kehrt zurück. Die Kinderkrebshilfe übernimmt wenigstens eine Haushaltshilfe.

Die Familie komme finanziell schnell an ihre Grenze, denn auch ein Hausneubau muss abbezahlt werden. Wenigstens halbtags nahm der Vater jetzt wieder seine Arbeit auf. „Kollegen des Mannes legen zusammen und überlassen ihm die Überstunden, damit er wieder frei nehmen kann“, weiß Putzer. „Die Krankenkassen zahlen weder Haushaltshilfen noch die Fahrten in die Klinik und die gehen aber bei den derzeitigen Benzinpreisen ins Geld.“ Aktuell werden 73 Familien unterstützt. Seit der Vereinsgründung sind es 159 Familien. Im vergangenen Jahr wurden 150 000 Euro an die Betroffenen ausbezahlt. (dob)

Bei der Benefiz-Aktion "Styling gegen Krebs" rückten die Besucher ganz nah zusammen. Im Friseursalon gab es kein Durchkommen mehr.

Jeder noch so kleine Winkel im Friseursalon wurde bei der Benefiz-Aktion "Styling gegen Krebs" ausgenützt.

Jeder noch so kleine Winkel im Friseursalon wurde bei der Benefiz-Aktion "Styling gegen Krebs" ausgenützt. Trotzdem war die Stimmung prächtig.

Rotbezipfelt kamen die "Pleystoiner Bläser" in die Wittschauer Straße und spielten weihnachtliche Weisen.

Ein Prosit auf die Benefiz-Aktion "Styling gegen Krebs". Bürgermeister Andreas Wutzlhofer (rechts) gilt mit als Ideengeber für diese großartige Aktion, die heuer zum elften Mal in Folge veranstaltet wurde.

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