Noch wohnt Schinke nicht neben der Stadtkirche, sondern an der Bahnhofstraße. Das Pfarrhaus muss innen noch renoviert werden, im November oder Dezember sollen die Arbeiten starten. „Es zieht sich hin, die Handwerker sind ausgebucht.“ Vermutlich im März kann er umziehen. Dann wird es fast ein Jahr her sein, seit der Grafenwöhrer hier ist.
ONETZ: Sie sind jetzt seit einem halben Jahr Pfarrer in Vohenstrauß. Haben Sie sich schon eingelebt und was gefällt Ihnen hier besonders gut?
Dieter Schinke: Ich bin gerade dabei, mich einzuleben. Besonders gefallen mir die Herzlichkeit der Menschen und die Landschaft. Es hat schon viele schöne Begegnungen gegeben. Es ist ein offenes, freundliches Aufeinander-Zugehen. Ich schätze auch das große Engagement der Menschen.
ONETZ: Ihren Einführungsgottesdienst feierten auch Ihre Kollegen Norbert Schlinke und Martin Schlenk mit. Schinke, Schlinke, Schlenk: Wie oft wurden Sie am Anfang mit falschem Namen angesprochen?
Dieter Schinke: Eigentlich wenig, die Leute haben mich gleich beim richtigen Namen genannt. Es war aber ein Grund, Witze zu machen wie: "Der Schlinke ohne l...".
ONETZ: Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, nach Vohenstrauß zu gehen?
Dieter Schinke: Letztendlich war ein trauriger Grund ausschlaggebend: nachdem meine Frau gestorben war. Ein Teil der Familie lebt in der näheren Umgebung, außerdem habe ich hier noch Freunde und Kollegen. Ich möchte nochmal etwas Neues machen für ein paar Jahre, drei sind es ja mindestens noch. Danach will ich vielleicht auch meinen Ruhestand hier verbringen. Das ist ein kleines Dankeschön an die Region, weil ich als Jugendlicher öfter hier war und mir die Gegend schon immer gut gefallen hat. Und die Oberpfälzer freuen sich, dass ich hier bin, weil es ja ein bisschen problematisch ist, die richtigen Leute zu finden.
ONETZ: Wie viel hatten Sie im Vorfeld von den Spannungen zwischen Ihrem Vorgänger Peter Peischl und der Kirchengemeinde mitbekommen?
Dieter Schinke: Wenig. Aber ich habe natürlich mitbekommen, dass Spannungen da waren und dass es kein herzlicher Abschied war – im Gegenteil. Konflikte gibt es ja immer, und wenn es an einen Punkt gekommen ist, wo es nicht mehr geht, ist Zeit für einen Neuanfang. Dazu sind Neuanfänge ja da. Aber ich kenne die Situation zu wenig, deswegen kann und will ich dazu auch nicht mehr sagen.
ONETZ: Pfarrer Peischl hatte unter anderem beklagt, dass wegen zu viel Bürokratie und organisatorischen Aufwands die Seelsorge auf der Strecke bleibt. Wie sehen Sie das?
Dieter Schinke: Die Situation hier kann ich noch nicht beurteilen. Aber ich bin lange genug in dem Laden dabei, um sagen zu können: Die Arbeit wird immer mehr, nicht weniger. Wir haben die Tendenz in unserer Kirche, dass es immer mehr Verwaltungsaufgaben gibt. Das hat einen hohen Stellenwert bekommen. Verwaltung ist wichtig, aber die Hauptaufgabe als Pfarrer ist die Seelsorge. Da muss man heute schon fast kämpfen, dass man dafür genügend Zeit hat. Aber gottseidank haben wir noch genügend ehrenamtliche Helfer. Ohne die würde vieles nicht gehen.
ONETZ: Wie beurteilen Sie nach sechs Monaten die Zusammenarbeit mit den einzelnen Gremien, stimmt die Chemie?
Dieter Schinke: Ich fühle mich wohl und ich denke schon, dass die Chemie stimmt. Es ist ein herzliches Willkommen da, ein vertrauensvolles Miteinander. Ich gehe optimistisch in die kommende Zeit und bin ganz zuversichtlich.
ONETZ: Was klappt in der Gemeinde gut und wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?
Dieter Schinke: Mir gefällt das Wort "Verbesserungspotenzial" nicht. Ich bin wie gesagt noch dabei, mich einzuarbeiten. Was mir gefällt ist, dass die Gruppen selbstständig arbeiten.
ONETZ: Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Arbeit in Vohenstrauß gesetzt?
Dieter Schinke: Ich feiere die Gottesdienste ein bisschen anders, ich habe meine eigene Art zu predigen und bin ein großer Fan von moderner Gottesdienstmusik. Das sollten wir noch etwas verstärken. Ich spiele auch Gitarre. Wir bräuchten aber noch mehr Musiker, zum Beispiel Organisten. Allerdings gibt es eine Art Mini-Band, so etwas unterstütze ich gerne. Gesprächsabende oder Glaubensseminare wären noch etwas, was ich machen möchte. Ein weiteres Ziel ist, die Jugendarbeit zu fördern. Da habe ich noch einen guten Draht, da fühle ich mich noch nicht zu alt.
ONETZ: Wie funktioniert die Kooperation mit der katholischen Seite?
Dieter Schinke: Nach einem halben Jahr bin ich auch hier noch dabei, mich einzuarbeiten. Aber ich denke, dass wir ein gutes Miteinander haben. Wir haben einen kurzen Draht zueinander. Nach und nach versuche ich, mit den katholischen Pfarrern der ganzen Region in Kontakt zu kommen.
Wir haben die Tendenz in unserer Kirche, dass es immer mehr Verwaltungsaufgaben gibt. Das hat einen hohen Stellenwert bekommen. Verwaltung ist wichtig, aber die Hauptaufgabe als Pfarrer ist die Seelsorge.













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