03.05.2020 - 17:58 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Neue Baugebiete künftig auf dem Prüfstand

Neues Bauland ist begehrt, kann aber Konfliktpotenzial bergen. Die Vohenstraußer Stadträte sind sich einig, dass künftige Baugebiete einer neuen Strategie folgen müssen.

Ein erstes Vorhaben im neuen Teilbaugebiet "An der Retz" entsteht bereits. Ein landwirtschaftliches Betrieb bittet um Berücksichtigung seiner Belange und findet im Ferienausschuss Gehör.
von Josef ForsterProfil

Baugebiete und Bauanträge beschäftigten den "alten" Stadtrat in seiner letzten Sitzung. Bürgermeister Andreas Wutzlhofer stellte beim Aufruf einer Änderung des Bebauungsplans fest: Einwände von Bürgerseite habe es gegen das Gewerbe- und Industriegebiet „Vohenstrauß-Ost“ während der Auslegungszeit nicht gegeben. Geschäftsleiter Alfons Sier richtete ein „großes Lob“ an die Naturschutzbehörde beim Landratsamt. Dem Vorschlag zu einer Ausgleichsfläche in Kaimling wäre zugestimmt. Mehr noch genügten 384 Quadratmeter des dort zur Verfügung stehenden Areals. Dann rechnete er weiter: Für das kleine Baugebiet „An der Retz“ sehe die Fachstelle auch nur 428 Quadratmeter als erforderlich an. Am Ende stünde die Großgemeinde deshalb mit 652 Quadratmetern als Vorrat im Plus. Ganzheitlich einigte sich das kleine Gremium auf die Änderung.

Neue Strategie bei Bauland

Auf einen Ortstermin führte Bürgermeister Wutzlhofer die Lösung für ein kleines Teilbaugebiet zurück. Ein landwirtschaftlicher Betrieb melde erhebliche Bedenken an. Er verlas die umfangreiche Stellungnahme. Weitere Ausweisungen hielt er dennoch für nötig: „Allein in dieser Woche hätten wir fünf Bauplätze verkaufen können.“ Die Beweggründe der Landwirtsfamilie sah Wutzlhofer auf gleicher Ebene: „Eine Bauvoranfrage zur Erweiterung des Milchviehstalls mit Neubau von Fahrsilos und Güllebehälter befürworteten Stadt und Landratsamt im November.“ Die Einigung beruhe auf Forderungen für die Erwerber. In Richtung Hofstelle wären jeweils 5,50 Meter breite Hecken durch die Bauherren anzulegen und auf Dauer zu pflegen. Geruchs- und Lärmbeeinträchtigungen müssten zudem geduldet werden, selbst über ein zumutbares Maß hinaus.

Geschäftsleiter Sier ging auf weitere Stellungnahmen ein. Zu Wort gemeldet habe sich auch die Regierung der Oberpfalz. Ein Veto gebe es „ausnahmsweise nicht, weil es nur drei Bauplätze sind“. Der Ferienausschuss sicherte der höheren Landesplanungsbehörde eine grundlegende Änderung bei weiteren Baulandausweisungen zu. Geschlossen einigte sich das Septett auf weitreichende Maßnahmen. Die Stadt werde alle vorhandenen Reserveflächen ermitteln und dem Bedarf gegenüberstellen. Damit diese Flächen auch verfügbar würden, entwickle die Verwaltung eine passende Strategie. Mehr noch versicherte das Gremium einstimmig, die Siedlungsentwicklung der Großgemeinde künftig grundsätzlich neu auszurichten.

Hundepension umstritten

Ein altes Bauerngehöft in Alleinlage bescherte den sieben Ratsherren Kopfzerbrechen. Für das unweit Altentreswitz liegende Anwesen sei eine Hundepension mit Training und Zwingern beantragt. Der Bürgermeister wollte dazu vom städtischen Bautechniker wissen, mit wievielen Hunden zu rechnen sei. Markus Wildenauer rechnete unter Verweis auf die Veterinärbehörden mit maximal 20 Tieren für das Areal. Wutzlhofer ergänzte: „Es brodelt in Altentreswitz draußen ein wenig.“ Dann bat er Wildenauer um Auskunft, ob öffentliche Belange dem Antrag entgegen stünden. Auch, ob der Ferienausschuss eine Möglichkeit hätte, seine Einwilligung zu verweigern. Unter Auflistung der infrage kommenden Punkte verneinte der Bautechniker insgesamt. Darauf der Bürgermeister: „Es sieht wohl so aus, dass wir das Vorhaben nicht verwehren können“. Die Stadträte könnten sonst Gefahr laufen, in Haftung genommen zu werden.

Gemeinsam setzten die Beschlussfassenden ihre Hoffnung in das Landratsamt als Genehmigungsbehörde. Aufgeworfene Bedenken sollen der Weiterleitung als Anmerkungen beigegeben werden, riet zweiter Bürgermeister Uli Münchmeier. Von Martin Gleixner (FW) kam der Hinweis auf schädliche Umwelteinflüsse. Jagdpächter und Wild könnten unter dem Ausführen der Hunde leiden. Für eine Hecke um das Gehöft mit einer dichten Bepflanzung sprach sich Heinrich Rewitzer (SPD) aus. Dritter Bürgermeister Johann Gollwitzer wies auf den dortigen Charakter als Naherholungsgebiet hin. Wanderer, Fußgänger und Radfahrer könnten gefährdet werden. Wutzlhofer ließ außerdem eine Beeinträchtigung in Altentreswitz durch Hundegebell gelten. Aufgrund der gesicherten Erschließung müsse die Kommune jedoch zustimmen. Diesen Rat des Bürgermeistern befolgten sämtliche Entscheidungsträger.

Segen für Laufstall

Weniger spektakulär ging ein landwirtschaftlicher Bauantrag aus Obertresenfeld über die Bühne. Keinerlei Widerrede begleitete das Vorhaben zum Anbau eines Milchvieh-Laufstalls mit Laufhof und Güllebehälter am östlichen Ortsrand. Im einmütigen Beschluss verankerte die Stadt zudem ihre Zustimmung als Eigentümerin benachbarter Grundstücke.

Gegen Leerstand im Krankenhaus

Auf den Einfluss und das Engagement des Bürgermeisters setzten die Stadträte alle Hoffnungen, als es um das „Aus“ für das Krankenhaus ging. Wutzlhofer sprach sich strikt gegen ein Zusperren und einen Leerstand aus. Mit ihm werde es nur eine „sinnvolle Nachnutzung, auch im Sinne der Beschäftigten geben“. Er versprach für eine Lösung zu kämpfen.

Gollwitzer nimmt Abschied

„Ich kann meine 30 Jahre als Stadtrat fast bis zur letzten Stunde auskosten“, meldete sich dritter Bürgermeister Gollwitzer beim letzten Tagesordnungspunkt kurz zu Wort. Unter Hinweis auf das Ende der Legislaturperiode und den gewählten Sitzungstermin. Mit einem Lächeln auf den Lippen fügte er hinzu: „In meiner Zeit als Polizist mussten wir jene verfolgen, die vermummt waren. Jetzt ist es genau umgekehrt.“ Wutzlhofer sicherte ihm eine „zeitnahe Verabschiedung“ zu, während Gollwitzer sagte: „Ich danke allen und hoffe, mit keinem eine Feindschaft aufgebaut zu haben.“

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